XETRA-MITTAG/Etwas erholt - Daimler und SAP mit Personal-News
08.02.2010 - 12:57
FRANKFURT (Dow Jones)--Nach drei Verlusttagen in Folge mit einem Abschlag von insgesamt 4,8% kann sich der deutsche Aktienmarkt am Montagmittag etwas erholen. Der DAX steigt gegen 12.45 Uhr um 0,3% oder 16 auf 5.450 Punkte. "Der Rückschlag der vergangenen Tage war etwas übertrieben", so ein Händler auch mit Blick auf die Vorlagen aus den USA; dort war der Dow-Jones-Index im späten Geschäft am Freitag noch ins Plus gedreht.
Andererseits kann der DAX stärkere Gewinne aus dem frühen Geschäft nicht halten. "Die Erholung steht auf tönernen Füßen", so ein Händler. Anleger neigten dazu, Erholungen als Verkaufsgelegenheit zu betrachten. In der zweiten Reihe geben MDAX und TecDAX beide schon wieder etwas nach, der MDAX fällt um 0,5% und der TecDAX um 0,2%.
Charttechnisch trifft der DAX jetzt im Bereich von 5.523 Punkten auf Widerstand, Unterstützung findet sich auf dem Niveau von 5.433 Punkten.
Das Treffen der G7-Finanzminister am Wochenende in der kanadischen Inuit-Siedlung Iqaluit hat Händlern zufolge die Märkte nicht nachhaltig beruhigt. "Zu den Wechselkursen hat es nichts Neues gegeben, selbst ein Kommuniqué ist nicht verabschiedet worden", sagt ein Marktteilnehmer. Unter dem Strich habe das Treffen keinen wirklichen Fortschritt gebracht, zumindest sei jedoch auch kein weiterer Schaden angerichtet worden. Daher richteten sich die Blicke auf Italien und Irland, die in dieser Woche Geld aufnehmen wollten.
Wichtige Konjunkturdaten stehen am Montag nicht auf der Agenda. Am Abend treffen sich allerdings eine Reihe hochkarätiger Notenbanker in Sydney anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Reserve Bank of Australia.
Auf der Gewinnerseite stechen Daimler hervor, sie steigen um 1,9% auf 32,92 EUR. Die Berufung von Wolfgang Bernhard in den Daimler-Vorstand wird von den Analysten des UniCredit begrüßt. Dies sei eine "leicht positive" Nachricht, die eine weiter steigende Wettbewerbsfähigkeit garantieren sollte. Das Ziel einer EBIT-Marge von 10% habe durch den Management-Wechsel neues Momentum erhalten. Der Fokus des Unternehmens dürfte weiterhin auf der Senkung der Kosten liegen.
Daneben sind Versorger gesucht, RWE steigen um 1,3% auf 63,48 EUR und E.ON um 1,4% auf 25,96 EUR. Händler meinen, die Konsolidierung der Branche stütze die Stimmung für die Aktien. Sie verweisen auf eine mögliche Erhöhung des Gebots von GDF Suez für International Power. Das Angebot habe ein Volumen von 5 Mrd GBP, berichtet die britische Zeitung "Independent" am Montag auf ihrer Homepage.
Auf der anderen Seite fallen SAP um 1,8% auf 32,77 EUR zurück. Die Walldorfer Softwareschmiede hat sich am Wochenende überraschend von Vorstandssprecher Leo Apotheker getrennt. "Dass es so Knall auf Fall gegangen ist, ist für SAP absolut außergewöhnlich", sagt Michael Bahlmann, Analyst bei M.M. Warburg. Bislang habe das Unternehmen Personalien von sehr langer Hand vorbereitet und großen Wert auf Kontinuität gelegt.
Als Gründe für den Wechsel an der Spitze macht Bahlmann einen ungewöhnlich starken Vertrauensverlust Apothekers sowohl unter den Mitarbeitern als auch unter den Kunden aus. "Er hat die Kommunikation des geänderten Gebührenmodells zu verantworten, bei der viel Porzellan zerschlagen wurde", sagt der Analyst. Darüber hinaus habe eine Umfrage im Konzern ein hohes Maß an Unzufriedenheit mit Apotheker in der Belegschaft gezeigt.
MAN werden von zahlreichen Presseberichten belastet, nach denen der Nutzfahrzeughersteller womöglich Abschreibungen auf seine Scania-Beteiligung vornehmen muss. MAN geben um 0,7% auf 49,32 EUR nach. Auch Commerzbank, Deutsche Banken und Linde verzeichnen Abschläge.
Im TecDAX steigen United Internet um 2,0% auf 10,74 EUR. HSBC hat die Aktien auf "Overweight" von "Neutral" angehoben. Jenoptik legen nach neuen Geschäftszahlen um 4,4% auf 4,53 EUR zu. Der Ausblick hinterlasse einen moderat optimistischen Eindruck, so ein Marktteilnehmer. Jenoptik will in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückkehren. Der Auftragseingang bestätige den stabilen Trend aus dem vierten Quartal, vor allem dank der guten Auftragslage im Halbleiterbereich, so die Analysten des UniCredit. Im MDAX verlieren Continental 4,4% auf 36,11 EUR. Händler verweisen auf Stop-Verkäufe unter dem Freitag-Tief von 37,46 EUR.
-Von Herbert Rude, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 217,
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