XETRA-SCHLUSS/Einbruch - Angst um Südeuropa drückt Märkte
04.02.2010 - 18:10
FRANKFURT (Dow Jones)--Mit einem veritablen Kurseinbruch ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag aus dem Handel gegangen. Sorgen um die Finanzierbarkeit der Staatsschulden von Portugal, Spanien und Griechenland schickten die Märkte auf Talfahrt. Der DAX brach um 2,4% oder 139 auf 5.533 Punkte ein. US-Anleger nahmen diese Sorgen auf und sorgten für weiteren Kapitalabzug aus Europa. Der Euro brach unter die Marke von 1,38 USD auf den tiefsten Sand seit sieben Monaten.
Unter Druck standen daher sämtliche Branchen. "Es wurde einfach die Aktienquote heruntergefahren", sagte ein Händler: "Das ist derselbe Prozess, der seit Wochen läuft". Vor allem die kreditfinanzierten Portfolios der Anleger aus dem Dollar-Raum wurden zurückgefahren. Auf dem Markt für Kreditversicherungen kam es im Tagesverlauf zu einer regelrechten Kursexplosion. Auch der Umsatz war sehr hoch: In DAX-Titeln auf Xetra gingen rund 162,4 (Vortag: 133,2) Mio Aktien im Wert von rund 4,37 (Vortag: 3,52) Mrd EUR um.
Schlechte Nachrichten von der US-Konjunktur verschärften die Abgaben: Der erneute Anstieg der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschte hier negativ. Vor dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag seien das "sehr schlechte Nachrichten", hieß es im Handel. Der Vorzeichenwechsel der Daten könnte bedeuten, dass die Arbeitslosigkeit in den USA weiter zunehme. Die Erstanträge stiegen um 8.000, obwohl ein Rückgang um 10.000 erwartet worden war.
Auch in Deutschland enttäuschte der schwache Auftragseingang. Die Industrie hat im Dezember 2,3% weniger Aufträge erhalten, erwartet worden war ein Plus von 0,1%. Kaum zur Kenntnis genommen wurden indes die Aussagen der EZB und der Bank of England zur weiteren Geldpolitik. Beide Zentralbanken ließen die Zinsen wie erwartet unverändert. Die Berichtssaison ging demgegenüber völlig unter: Nur bei Unternehmen, deren Quartalszahlen und Ausblicke die Erwartungen deutlich übertrafen, zogen Kurse an. Eine marktbreite Stützungswirkung ging jedoch nicht von ihnen aus. Technische Analysten rechnen nun mit einem Kursrückgang bis rund 5.400 Punkte.
Bankenwerte standen europaweit ganz oben auf der Verliererliste. Deutsche Bank verloren 4,2% auf 43,88 EUR, obwohl die Quartalszahlen zunächst mit einem Kursaufschlag begrüßt worden waren. Die Daten fielen insgesamt gemischt aus. Commerzbank gaben um 5,2% auf 5,53 EUR nach.
Allianz notierten mit minus 1,4% auf 79,29 EUR noch relativ stabil. Wettbewerber Zurich Financial hatte überraschend eine deutliche Anhebung der Dividende für 2009 angekündigt. Das löste auch Dividendenfantasie in Richtung Allianz aus, hieß es im Handel. Besser als der Markt hielten sich auch Deutschen Börse, nachdem die Deutsche Bank das Papier auf "Kaufen" erhöht hatte. Die Aktie gab nur 0,3% nach auf 47,09 EUR.
Besonders getroffen vom Kapitalabzug aus dem Euro-Raum waren die hochliquiden und konjunkturnahen Titel wie BASF, Siemens sowie die zyklischen Papiere. BASF verloren 4,5% auf 40,25 EUR, Siemens 3,7% auf 63,05 EUR und ThyssenKrupp 5,1% auf 22,35 EUR. Daimler fielen um 3,6% auf 33,10 EUR, selbst Deutsche Post sanken um 4% auf 12,41 EUR.
Versorger litten unter einem Bericht der "FAZ", nachdem die Bundesnetzagentur zu hohe Durchleitungsgebühren bei den Strom- und Gasnetzen beanstandet habe. Nun würden die Erlösobergrenzen gesenkt, insgesamt fordere die Agentur mehr als 2 Mrd EUR, so die "FAZ". "Das geht zu Lasten zukünftiger Erträge", so ein Marktteilnehmer. E.ON fielen um 2% auf 26,25 EUR, RWE um 2,1% auf 63,43 EUR.
Im MDAX brachen ebenso die Aktien der Konjunkturzykliker am stärksten ein. Bauer, Gildemeister und Wacker Chemie verloren je rund 6%. Im TecDAX fielen Software AG nach im Rahmen der Erwartungen liegender Geschäftszahlen um 5,9% auf 78,89 EUR. Für SMA Solar ging es um 6,2% auf 81,50 EUR nach unten. Die Aktie reagierte damit auf die Nachricht, dass der Finanzvorstand des Unternehmens seine Beurlaubung beantragt hat.
DJG/mod/flf
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