XETRA-SCHLUSS/Knapp behauptet - Warten auf den Verfall
18.03.2010 - 18:12
FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Aktienmarkt ist bei uneinheitlichem Grundton knapp behauptet aus dem Donnerstag gegangen. Der DAX fiel um 0,2% oder 12 Punkte auf 6.012. Umgesetzt wurden an DAX-Titeln auf Xetra rund 100,7 (Vortag: 117,5) Mio Aktien im Wert von rund 2,95 (Vortag: 3,39) Mrd EUR. Händler meinten, der große Verfallstermin an der Eurex habe seine Schatten vorausgeworfen. Am Freitag laufen Index-Futures und -Optionen sowie Optionen auf Einzelaktien aus.
Viele Marktteilnehmer rechnen mit einem ruhigen und wenig veränderten Verfall in der Nähe der 6.000er Marke", so ein Händler. Der Verfall sei aber immer für Turbulenzen und Überraschungen gut, ergänzte er. Einen technischen Widerstand sehen Markttechniker beim Jahreshoch bei 6.094 Punkten.
Etwas gedrückt wurde die Stimmung im späten Geschäft von einem Gerücht, wonach die US-Notenbank am Abend den Diskontsatz weiter erhöhen könnte. Allerdings hatte bereits der erste Diskontschritt vor einigen Wochen die Stimmung nicht nachhaltig eingetrübt. Als wichtiger gilt der Fed-Fund-Zinskorridor von 0,00 bis 0,25%, den die US-Notenbank nach eigenen Angaben noch für einen längeren Zeitraum auf dem außerordentlich niedrigen Niveau belassen will.
Auch die Nachrichtenlage aus Griechenland, möglicherweise soll der Internationale Währungsfonds (IWF) um Hilfe angefragt werden, belaste zwar den Euro, habe den Aktienmarkt allerdings kaum mehr tangiert, hieß es im Handel. Neue US-Konjunkturdaten lagen in der Nähe der Erwartungen oder fielen etwas besser aus.
Gewinner Nummer eins waren adidas, die von starken Nike-Zahlen gestützt wurden. adidas gewannen 3,3% auf 38,66 EUR. Der US-Wettbewerber legte nachbörslich knapp 4% zu, nachdem Gewinn und Umsatz die Erwartungen übertroffen hatten. "Auch die Aufträge sehen gut aus", sagte ein Händler mit Blick auf die Ordereingänge, die von März bis Juli ein Plus von 9% im Jahresvergleich zeigen.
Linde profitierten von einem Analystenkommentar der BNP Paribas und gewannen 1% auf 87,84 EUR. Positiv vermerkten Marktteilnehmer auch, dass sich Linde stärker auf die Schwellenländer konzentrieren will und dass der Bereich Engineering überraschend gut laufe.
Auf der Verliererseite ganz oben standen dagegen Deutsche Bank und Bayer, beide Werte verloren 1,3%. Zu Bayer hieß es nach dem Investorentag am Mittwoch, das Geschäft entwickele sich uneinheitlich. Während Material Science zunehmend besser da stehe, zeige sich Crop Science noch relativ schwach. Deutsche Bank gerieten in den Sog der europäischen Branchentitel, die vergleichsweise stark unter der neu aufgeflammten Griechenland-Krise litten.
Im MDAX stiegen IVG um 8% auf 6,08 EUR. Am Morgen hatte das Immobilienunternehmen berichtet, dass die Mann Immobilien-Verwaltung neuer Großaktionär wird. Mann habe dem Bonner MDAX-Unternehmen mitgeteilt, dass von der Solidas 3 SA, hinter der die ehemaligen Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim stehen, 18,4% der Aktien von IVG übernommen zu haben. Damit verschwinden Befürchtungen, dass dieses Aktienpaket über den Markt verkauft werde, hieß es aus dem Handel.
SGL Carbon sanken dagegen nach Vorlage der Geschäftszahlen für 2009 um 8,2% auf 21,21 EUR. "Die Gewinnschätzungen müssen runter", kommentierte ein Marktteilnehmer die vorgelegten Geschäftszahlen. Er verwies darauf, dass SGL trotz leicht steigender Umsätze in diesem Jahr lediglich ein stagnierendes EBIT erwartet. Der Konsens gehe dagegen von steigenden Gewinnen aus. "Die Margen geraten unter Druck, steigende Rohstoffpreise können vermutlich nicht überwälzt werden", so Heino Ruland von Ruland Research. Er empfiehlt die Aktie mit einem "Fairen Wert" von 19 EUR zum Verkauf.
Gildemeister fielen nach Aussagen von Unternehmensleiter Rüdiger Kapitza zum künftigen Geschäftsverlauf um 5,1% auf 10,86 EUR. "Besonders enttäuschend ist die Ankündigung eines Dividendenausfalls für das laufende Jahr, die geplante Ausschüttung von 0,10 EUR 2011 geht allerdings in Ordnung", hieß es im Handel. Sauer stoße darüber hinaus die Prognose eines negativen Vorsteuerergebnisses auch im zweiten Quartal auf. "Hier war der Markt davon ausgegangen, dass das Unternehmen im zweiten Vierteljahr zumindest den Breakeven schafft", so ein Händler.
-Von Herbert Rude, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 217,
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