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200 Prozent seit dem Tief: Wo endet die Ölpreis-Rally?

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Potenzielle Krisenherde gibt es an den Börsen momentan fast wie Sand am Meer. Wer einen Grund sucht, warum die Aktienkurse in den kommenden Wochen oder Monaten wieder fallen werden, der wird ohne große Probleme fündig werden. Selbst die renommierte „Finanzwoche“ rechnet im weiteren Jahresverlauf mittlerweile mit Aktienkursbelastungen, wobei hier vor allem auf die amerikanische Zins- und Liquiditätspolitik sowie die politische Entwicklung in Italien verwiesen wird. Aber auch der hohe Ölpreis sei eine Gefahr, die einen Kursrückgang an den Börsen auslösen könnte. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent ist in den vergangenen Tagen kurzzeitig über 80 US-Dollar und damit den höchsten Stand seit 3,5 Jahren geklettert. Seit dem Zwischentief im Februar beträgt der Anstieg damit schon wieder fast 30 Prozent. Im Vergleich zu den vorherigen Tiefs Mitte 2017 und Anfang 2016 hat sich der Ölpreis sogar um gut 80 bzw. 200 Prozent verteuert.

Die zum Jahreswechsel von den Analysten herausgegebenen Kursziele für Ende 2018 bewegten sich mehrheitlich zwischen 55 und 66 Dollar. Diese Range ist längst überschritten worden, weshalb es entsprechende Anpassungen nach oben gibt. Viele Banken halten jedoch daran fest, dass der „faire“ Preis deutlich unter den aktuellen Notierungen liegt und lediglich der Aufbau einer geopolitischen Prämie für die neuen Hochs sorgt. Es sind mit Blick auf die politischen Entscheidungsträger eben doch ganz besondere Zeiten. Die Rohstoff-Spezialisten der Commerzbank etwa betonen, dass die bereits bestehenden bzw. drohenden Angebotsausfälle in Venezuela und im Iran zu einer spürbaren Verknappung des Ölangebots geführt und damit den deutlichen Preisanstieg ausgelöst haben. Und die Politik der US-Regierung ist daran sicher nicht ganz unschuldig.

Bis wohin der Ölpreis noch steigen kann, ist derzeit völlig unklar. Dreistellige Kurse sind nach Ansicht der Kollegen von „Wellenreiter Invest“ aber nur bei einem „kriegsbedingten Spike“ wie im Jahr 1990 vorstellbar. Zudem bewerten sie den jüngsten Anstieg als „kraftlos“, was auch an charttechnischen Widerständen wie dem 8-Jahres-Durchschnitt bei knapp 83 Dollar liegen könnte. Der Blick auf die CoT-Daten (Commitment of Traders) zeigt zudem, dass die Spekulanten zuletzt zwar eher Gewinne mitgenommen haben, langfristig betrachtet aber immer noch einen extrem hohen Bestand an Netto-Long-Positionen besitzen. Genau umgekehrt sieht es bei den „Commercials“ (professionelle Hedger) aus, denen man grundsätzlich ein besonders gutes Gespür für die zukünftige Marktentwicklung nachsagt. Wenn sich nun noch die Meldungen bestätigen, wonach die OPEC bei ihrem Treffen in einem Monat über eine Ausweitung der Fördermenge entscheiden soll, dann könnte die charttechnisch bereits überfällige Korrektur beim Ölpreis tatsächlich bald starten.

Weil der Trend aber klar aufwärts gerichtet ist, sind Short-Spekulationen zum jetzigen Zeitpunkt mit erhöhten Risiken behaftet. Produkte mit einer Knock-out-Barriere scheinen auch deshalb weniger geeignet, weil je nach Nachrichtenlage kurze Übertreibungen im aktuellen Umfeld immer einkalkuliert werden müssen. Als sinnvolle Alternative bieten sich daher Discount-Put-Optionsscheine an, bei denen keine Knock-out-Gefahr während der Laufzeit besteht. Sehr aktiv in diesem Segment ist gerade bei kurzlaufenden Scheinen auf Rohöl die BNP Paribas. Ein in gut zwei Monaten fälliger Discount-Put mit einem Basispreis von 85 Dollar zahlt am Laufzeitende einen Höchstbetrag von 5 Dollar, wenn der Ölpreis dann immer noch (oder schon wieder) auf/unter 80 Dollar notiert. Bei aktuellen Wechselkursen wären das rund 4,25 Euro, was gegenüber dem aktuellen Kurs (3,25 Euro) ein Plus von gut 30 Prozent bedeuten würde (WKN: PP8S0E).

Wer seine Gewinnchancen weiter erhöhen möchte, der muss darauf hoffen, dass der Ölpreis Ende Juli auf jeden Fall niedriger steht als heute. Bei Notierungen von maximal 75 Dollar würde auch der ansonsten identische Schein mit einem Basispreis bei 80 Dollar seinen Höchstbetrag auszahlen. Da der Schein aktuell nur etwas mehr als 2 Euro kostet, winkt hier ein Plus von rund 100 Prozent (WKN: PP8S0D). Für beide Papiere gilt: Wird der Maximalbetrag nicht erreicht, errechnet sich der auszuzahlende Dollar-Betrag (muss dann noch in Euro umgerechnet werden) am Ende der Laufzeit wie bei klassischen Put-Optionsscheinen (Basispreis minus aktueller Ölpreis). Notiert Rohöl dann auf oder über dem jeweiligen Basispreis, kommt es folgerichtig zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Thomas Koch

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