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Airbus nimmt wieder Fahrt auf

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der europäische Flugzeugbauer Airbus streicht wegen Problemen beim Bau des Mittelstreckenjets A321neo seine Auslieferungspläne zusammen. Statt 880 bis 890 Verkehrsflugzeugen dürften im laufenden Jahr nur rund 860 Maschinen den Weg zu den Airlines finden, kündigte Vorstandschef Guillaume Faury am Mittwoch in Toulouse an. Von der Krise seines US-Rivalen Boeing +2,19% kann Airbus nur beschränkt profitieren - denn der Produktionsausbau hält mit der Nachfrage nicht Schritt.

An der Börse kamen die Nachrichten zunächst nicht gut an. Für die Airbus-Aktie ±0,00% ging es am Morgen um rund drei Prozent abwärts bis auf die 50-Tage-Linie (siehe Chart). Zuletzt stand der MDAX-Wert jedoch mit gut 2,5 Prozent im Plus und näherte sich den Rekordkursen von Juli. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier bereits fast 50 Prozent an Wert gewonnen. Mehrere Analysten hatten am Nachmittag ihre Kursziele, die bis auf 161 Euro hinaufreichen, bestätigt.

Analysten-Erwartungen übertroffen

Im Sommer verdiente der Luftfahrt- und Rüstungskonzern sogar mehr als von Analysten erwartet. Finanzchef Dominik Asam sieht auch das Gewinnziel für 2019 trotz der gekappten Auslieferungspläne nicht in Gefahr. So soll das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) von im Vorjahr 5,8 Milliarden Euro in diesem Jahr um etwa 15 Prozent steigen. Die Margen pro Flugzeug seien so gut, dass man an diesem Ziel keine Abstriche machen müsse, sagte Asam.

Obwohl der Umsatz im dritten Quartal mit 15,3 Milliarden Euro rund ein Prozent niedriger ausfiel als ein Jahr zuvor, konnte Airbus seinen Gewinn steigern. Das bereinigte Ebit stieg um zwei Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Der Überschuss wuchs um drei Prozent auf 989 Millionen Euro. Analysten hatten hingegen mit einem Gewinnrückgang gerechnet.

12-Monats-Chart Airbus (in Euro)


Allerdings stellt die geplante Produktionsausweitung bei den Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie den Hersteller vor größere Herausforderungen als gedacht. Der Einbau der neuartigen Kabinenausstattung des Fliegers dauere deutlich länger als bei der herkömmlichen Version, erläuterte Faury in einer Telefonkonferenz. Die Airbus Cabin Flex (ACF) genannte Kabinenvariante schafft in der längeren Flugzeugversion A321neo Platz für noch mehr Passagiere. Um die Produktion der Jets weiter hochzufahren, baut Faury verstärkt auf den Einsatz von Robotern. Die Umstellung sorgt aber erst einmal für Verzögerungen.

Airbus will ab dem Jahr 2021 monatlich 63 Maschinen der A320-Familie fertigstellen, die durch die modernisierte und weniger spritdurstige Neuauflage A320neo einen immensen Nachfrageschub erhalten hat. Erst am Dienstag orderte der indische Billigflieger IndiGo auf einen Schlag 300 Mittelstreckenjets der Reihe - darunter die neue Langstreckenversion A321XLR, deren Bau Airbus erst im Juni angekündigt hatte.

Wegen Kapazitätsgrenzen kaum Vorteile durch Boeing-Debakel

Weil die Produktion der A320neo-Familie über Jahre hinweg ausgebucht ist, kann Airbus seinem schwer gebeutelten Rivalen Boeing aber kurzfristig kaum Kunden abjagen. Dabei hat das weltweite Flugverbot für die Boeing 737 Max - das Konkurrenzmodell zur A320neo - den US-Konzern in eine tiefe Krise befördert. Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten dürfen die Jets der Reihe seit März weltweit nicht mehr starten. Auch die Auslieferungen sind gestoppt. Der US-Konzern musste bereits Belastungen in Milliardenhöhe verbuchen.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg hofft zwar weiterhin, dass die 737 Max noch in diesem Jahr wieder in Betrieb gehen kann. Damit ist er aber optimistischer als die großen US-Fluggesellschaften, die den Krisenjet in der Flotte haben. Ob und wann die US-Luftfahrtbehörde FAA und internationale Aufseher die Unglücksmaschinen wieder abheben lassen, ist derzeit unklar. Zuletzt gab es Spannungen zwischen Boeing und der FAA, die den Prozess weiter bremsen könnten.

US-Strafzölle bereiten Kopfzerbrechen

Der Airbus-Führung bereiten derweil die von den USA verhängten Strafzölle auf Airbus-Jets aus Europa Kopfzerbrechen. Man spreche mit den Airbus-Kunden aus den USA darüber, wie man die Auswirkungen der Zölle begrenzen könne, sagte Faury. So baut Airbus Maschinen der A320neo-Reihe und bald auch das kleinere Modell A220 auch an einem Standort im US-Bundesstaat Alabama. Auf dort endmontierte Maschinen fallen keine Zölle an - ebensowenig auf Teile, die von Europa in die US-Werke geliefert werden.

Bezahlen müssten die Einfuhrzölle von zehn Prozent die Fluggesellschaften aus den USA, sagte Faury. Da Flugzeuge meist mehrere Jahre im Voraus bestellt werden, stehen die Preise für die derzeit auszuliefernde Maschinen schon lange fest. Bei Neubestellungen könnten die Airlines die Zollbelastung allerdings in den Preisverhandlungen berücksichtigen.

Die USA hatten die Zölle bereits Anfang Oktober als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für Airbus angekündigt. Schlichter der Welthandelsorganisation (WTO) hatten der US-Regierung das Recht zugesprochen, Strafzölle von bis zu 100 Prozent auf Waren im Wert von 7,5 Milliarden Dollar zu erheben. Die EU hatte sich noch bis zuletzt darum bemüht, im Streit über Sanktionen für Flugzeugbauer eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu erzielen. Auch die Airbus-Führung setzt sich weiter für eine Verhandlungslösung ein.

Die EU-Kommission droht den USA mit Vergeltung, denn die EU hatte in einem ähnlichen Verfahren um Subventionen für den US-Konzern Boeing Recht bekommen. Die EU könnte daher ebenfalls Strafzölle in ähnlicher Höhe erheben. Die WTO-Entscheidung dazu wird aber erst 2020 fallen. (Mit Material von dpa-AFX)

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