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Aktien Frankfurt: Dax tiefrot - Anleger fliehen aus den Corona-Highflyern

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Situation für den Dax -0,96% hat sich am Dienstag dramatisch eingetrübt. Der Leitindex rutschte nach stabilem Start immer kräftiger ins Minus ab auf den tiefsten Stand seit drei Wochen. Gegen Mittag büßte er 1,88 Prozent auf 13688,30 Punkte ein. Er unterschritt mit den 21- und 50-Tage-Durchschnittslinien gleich zwei vielbeachtete und auf kürzere Sicht relevante Indikatorlinien. Die Marke von 14 000 Punkten und seinen darüber liegenden Rekord verliert der Dax damit weiter aus den Augen.

"Die Unsicherheit in dieser Woche resultiert daraus, dass eine ungefähr ein Jahr andauernde wirtschaftliche Erholung in den Kursen schon eingepreist ist und nun die weiteren Kurstreiber fehlen", sagte Marktbeobachter Pierre Veyret vom Broker ActivTrades.

Zuletzt wurde vermehrt die Sorge vor einer steigenden Inflation und höheren Zinsen als Gefahr angesehen, nun kommen Marktbeobachtern zufolge die hohen Bewertungen als schwere Last vor allem für gut gelaufene Aktien hinzu. Andreas Lipkow von der Comdirect Bank sprach von einer Verkaufswelle auch getragen von Großinvestoren, die nun Geld vom Tisch nehmen.

Im Zuge des marktbreiten Kursrutsches wurden besonders jene Aktien etwa aus dem Tech-Sektor kräftig weiter verkauft, die zuletzt als Gewinner der Corona-Krise angesehen wurden. Diese sind in der zweiten Börsenreihe noch stärker vertreten als im Dax, und so verlor der MDax -1,89% der mittelgroßen Unternehmen sogar 3,12 Prozent auf 31 023,75 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 -0,95% ging es um 1,3 Prozent abwärts.

Mit den deftigen Verlusten folgten Technologiewerte dem Ausverkauf, der am Vortag an der technologielastigen New Yorker Nasdaq-Börse stattfand. Im Dax wurden die Aktien von Delivery Hero +0,97% und Infineon ±0,00% mit voller Wucht erfasst, indem sie um jeweils ungefähr fünf Prozent absackten. Marktstratege Michael McCarthy von CMC Markets hält das immens hohe Bewertungsniveau für das Problem.

Im MDax und SDax -1,92% sind die bisherigen Highflyer in der Corona-Krise noch üppiger vertreten und stärker gewichtet. Aktien der Shop Apotheke +0,11% oder von Firmen wie Hellofresh +0,68%, Zalando +0,02% oder Home24 +0,89% blieben dort mit Abgaben zwischen 6,5 und 11,5 Prozent massiv unter Verkaufsdruck.

Wie der CMC-Markets-Experte Carthy weiter erklärt, finde bei Anlegern derzeit auch ein Umdenken statt: Aktien von Unternehmen, die Geschäfte mit hoher Schuldenlast betreiben, sind ihm zufolge angesichts steigender Zinsen besonders verwundbar geworden. Dies zeigte sich etwa bei den Aktien des Windkraftanlagenbauers Nordex -0,60%, die im SDax um mehr als zehn Prozent absackten.

Wie schon am Vortag fiel in der Marktschwäche vor allem der Reisesektor mit einer Erholung auf, was am Markt mit der Aussicht auf Lockerungen in Großbritannien und besser werdenden Impfperspektiven begründet wurde. Laut Marktbeobachter Neil Wilson von Markets.com macht all dies Hoffnung für die so wichtige Sommersaison im Reisesektor. Die Papiere von Fraport -0,56% kletterten an der MDax-Spitze um 6,8 Prozent. Bei der Lufthansa +1,05% verflachte der Rückenwind etwas auf ein Plus von zuletzt 1,4 Prozent.

Die Aktien des Krankenhaus- und Medizintechnikunternehmens Fresenius +0,03% und dessen Dialyse-Tochter FMC +0,52% standen nach finalen Jahreszahlen mit immerhin unterdurchschnittlichen Verlusten von 1,5 Prozent im Mittelfeld des Dax. Beide Unternehmen wollen wegen der Belastungen durch die Corona-Pandemie die Kosten senken.

Aus der zweiten Reihe rückten noch die Anteilsscheine von Rational -3,05% negativ in den Fokus, indem sie im MDax um 12,5 Prozent einbrachen. Überraschend vorsichtige Aussagen des Großküchenausrüsters zur erwarteten Ertragskraft im laufenden Jahr belasteten.

Unter den weiteren Berichtsunternehmen befand sich der Portalbetreiber Scout24 -0,65%, dessen Aktien nach vorgelegten Jahreszahlen um 3,3 Prozent absackten. JPMorgan-Analyst verwies als Schwachpunkt auf den etwas vorsichtiger als erwarteten Ausblick des Online-Marktplatzes./tih/stk

Von Timo Hausdorf, dpa-AFX


Quelle: dpa-AFX
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