DAX ®12.592,35-0,06%TecDAX ®2.400,72+0,53%Dow Jones22.349,59-0,04%NASDAQ 1005.932,32-0,04%
finanztreff.de

Aktienrückkaufprogramme in den USA – ein primärer Bewertungsfaktor?

| Quelle: finanztreff.de

Aktienrückkaufprogramme, sogenannte Buy-Backs, haben in den letzten Jahren bei amerikanischen Unternehmen ungeahnte Ausmaße erreicht. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Welchen Anteil macht das an der Bewertung der Aktien aus, wie hoch ist das wirkliche Gewinnwachstum ohne Aktienrückkäufe?

Für eine schnelle Aussage zur Bewertung einer Aktie wird sehr oft das relativ einfach berechenbare Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) herangezogen, also das Verhältnis des Aktienkurses zum Gewinn je Aktie. Im Englischen spricht man von den Earnings per Share (EPS) bzw. dem Price-to Earnings-Ratio (PE).

Generell wird argumentiert: Je höher das KGV (PE), als desto teurer gilt die jeweilige Aktie.

In der einfachen Formel

sieht man bereits mit welchen Stellschrauben ein attraktives, sprich niedriges KGV erzeugt werden kann. Der Kurs der Aktie fällt oder der Gewinn des Unternehmens wird gesteigert. Die dritte Möglichkeit fällt indessen nicht so leicht ins Auge. Man verringert die Anzahl der ausstehenden und damit für die Berechnung des KGV’s relevanten Aktien. Letzteres geschieht durch Aktienrückkäufe der Unternehmen, die in der amerikanischen Bilanzierung in die sogenannte Position „Treasury Stock“ wandern. Somit wird unter anderem das KGV gesenkt.

In den USA ist dies in den letzten Jahren zu einer wahren Manie geworden. Immer mehr Unternehmen investieren überschüssige Liquidität in den Erwerb eigener Aktien und steigern somit den Gewinn je Aktie. Oftmals wird dafür sogar Fremdkapital eingesetzt. Damit stellt sich die Frage, wie die Bewertung des marktbreiten S&P 500 eigentlich aussehen würde, wenn man die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen herausrechnen würde?

Die Frage ist indes nicht einfach zu beantworten und erfordert erhebliche Nachforschungen. JP Morgan untersuchte diese Frage 2013 und kam für die Periode von 2011 bis 2013 auf einen Anteil von 60%. Das heißt also, nur 40% des Gewinnwachstums im S&P 500 war organischer Natur.

Quelle: JP Morgan

Für den längeren Zeitraum von 2012 bis 2016 schätzte die Deutsche Bank, dass etwa 25% des Gewinnwachstums im S&P 500 durch Aktienrückkäufe zustande kamen.

Quelle: Deutsche Bank Research

Bei einem aktuell historisch äußerst teuren S&P 500, mit einem KGV von über 26, gereicht es sicherlich nicht zum Vorteil, dass man eigentlich das „künstlich“ geschaffene Gewinnwachstum noch herausrechnen müsste, um zu einem klareren Bild zu kommen.

Dazu passt die Vorhersage David Kostins (Goldman Sachs), dass in 2017 Aktienrückkäufe zu den größten Posten des von den S&P 500 Unternehmen für Investitionen zur Verfügung stehenden Geldes gehören werden, und zwar 48%. Der einzige andere Zeitpunkt, wo ein derart hoher Anteil in Aktienrückkäufe geflossen ist, war das Jahr 2007, also kurz vor dem Platzen der Kreditblase.

Daneben ist natürlich auch anzumerken, dass dieser hohe Anteil der zur Verfügung stehenden Mittel eben nicht in neue Maschinen oder neue Entwicklungen investiert werden. Darüber hinaus wurden, wie schon angedeutet, die Mittel für Aktienrückkäufe oftmals auch über Fremdkapital aufgenommen und somit die Verschuldung der Unternehmen erhöht.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die ausufernde Praxis amerikanischer Unternehmen eigene Aktien zurückzukaufen sicherlich einige Alarmglocken hinsichtlich der Bewertung des amerikanischen Marktes schrillen lassen sollte. Da auch für 2017 ein Rekord an Aktienrückkäufen erwartet wird, kann dies natürlich trotz der historisch schon hohen Bewertung zu weiter steigenden US-Märkten beitragen. Mittel bis langfristig bleibt abzuwarten, ob dies nicht schon bei geringer gesamtwirtschaftlicher Schwäche zu einem starken Gegeneffekt führen wird.

Um auf der sicheren Seite zu sein, kann man auch über eine Absicherungsstrategie nachdenken. Registrierte Mein finanztreff Nutzer können dazu den Absicherungsrechner von finanztreff.de verwenden. Kostenlos registrieren kann man sich hier.

Ihr finanztreff.de Team

Werbung
Baufinanzierung bei der Degussa Bank |Jetzt Wünsche erfüllen mit dem PrivatKredit der Degussa Bank. |Bid & Ask Newsletter kostenlos lesen!
Das ATB Tagesgeldkonto - Transparenz für Ihr Geld
Werbung

Werbung
schliessen
Börse Stuttgart Anlegerclubschliessen

The rise of Tiger and Dragon:
Die besten Aktien aus China!

Erfahren Sie im neuen Anlegermagazin, bei welchen chinesischen Aktien vielversprechende Zukunftsaussichten bestehen und warum.

Jetzt kostenlos Mitglied werden
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook, Google+ oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 39 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen