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ANALYSE/Milliardenschwerer Bestechungsskandal erschüttert Ölindustrie

| Quelle: Dow Jones Newswire Web | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Sarah Kent in Abuja, Nigeria, und Eric Sylvers in Mailand

NEW YORK (Dow Jones)Vor acht Jahren traf sich Claudio Descalzi, ein hochrangiger Manager des staatlichen italienischen Ölkonzerns Eni, in einem Mailänder Nobelhotel mit einem ehemaligen Ölminister aus Nigeria, um eines der größten unerschlossenen Ölfelder Afrikas zu kaufen. Die Frage, ob der Kaufpreis von 1,3 Milliarden Dollar hauptsächlich aus Bestechungsgeldern bestand, beschäftigt heute Ermittler und Gerichte.

Italienische Ermittler werfen Descalzi sowie hochrangigen Managern des niederländischen Ölkonzerns Shell vor, im Bewusstsein gehandelt zu haben, dass ein Großteil der Summe an ein Unternehmen gehen würde, in dem der ehemalige Ölminister Dan Etete die Fäden in der Hand hielt. Manager hätten genau gewusst, dass Etete nigerianische Beamte bestechen und Schmiergelder an Eni-Manager zahlen würde. Sogar der ehemalige nigerianische Präsident Goodluck Jonathan soll während seiner Amtszeit Bestechungsgelder erhalten haben, was dieser jedoch abstreitet. Am 5. März beginnt in dieser Sache ein Gerichtsverfahren in Mailand.

Descalzi, der heute Vorstandsvorsitzender bei Eni ist, muss sich in Mailand wegen vermeintlicher Korruption und Bestechung verantworten, ebenso wie Paolo Scaroni, der zum Zeitpunkt der Transaktion Eni-Chef war. Auch Shell-Manager sowie die beiden Unternehmen müssen sich vor Gericht diesen Vorwürfen stellen. Eni und Shell streiten jegliche Rechtsverletzung ab. Sie hätten nicht gewusst, dass das Geld zur Bestechung verwendet wurde. Descalzi, der im April von der italienischen Regierung erneut für drei Jahre zum Chef von Eni ernannt wurde, und Scaroni, der Eni 2014 verlassen hat, streiten die Vorwürfe ebenfalls ab.

Auch in Nigeria drohen Shell und Eni Gerichtsverfahren. Die nigerianische Behörde für Wirtschaftskriminalität hat angedroht, ihnen das Anrecht auf das Ölfeld dort zu entziehen. Shell und Eni erkauften sich 2011 gemeinsam die Förderrechte für das Ölfeld namens OPL 245 vor der Küste Nigerias, bisher behinderten die Ermittlungen jedoch die Erschließung.



Interne E-Mails offenbaren Verlauf der Verhandlungen


Das Wall Street Journal hat im Rahmen dieser Recherche über ein Dutzend Personen interviewt und interne E-Mails und Dokumente sowie hunderte Seiten Gerichtsdokumente aus Verfahren in Großbritannien, Italien und Nigeria untersucht. Der Kampf um das Ölfeld OPL 245 reicht bis ins Jahr 1998 zurück, als die damalige nigerianische Regierung die Rechte an dem Gebiet an ein neugegründetes nigerianisches Unternehmen namens Malabu Oil and Gas übertrug. Laut Gerichtsdokumenten gehörte das Unternehmen Personen, die der Regierung nahestanden, sowie dem damaligen Ölminister Etete.

Das Unternehmen sollte der Regierung dafür 20 Millionen Dollar zahlen, überwies jedoch nur gut zwei Millionen Dollar, heißt es in Gerichtsdokumenten. 2001 beschloss Shell, einen 40-prozentigen Anteil an dem Ölfeld von Malabu zu kaufen. Doch wenige Monate später annullierte die neugewählte Regierung von Olusegun Obasanjo das Anrecht Malabus auf das Ölfeld.

2002 erhielt Shell den Auftrag, das Ölfeld als Subunternehmer für den staatlichen Ölkonzern zu bearbeiten. Dafür sollte der Konzern der Regierung 210 Millionen Dollar zahlen. Malabu beanspruchte das Ölfeld jedoch weiterhin für sich. Aufeinanderfolgende nigerianische Regierungen entschieden mal für, mal gegen Malabu, sodass die Frage der Eigentümerschaft vor Gericht hängenblieb.

Bei dem Versuch den Streit beizulegen, schwankte Shell Etete gegenüber zwischen Schmeicheleien und Drohungen. Laut internen E-Mails spekulierten Shell-Manager offen, dass Zahlungen an Etete wahrscheinlich genutzt würden, um seine politischen Unterstützer zu bestechen, sie fürchteten jedoch, dass er sich mit einem anderen Ölunternehmen einig werden könnte.



Ermittler erhöhen Druck auf involvierte Manager


Eni ist seit 2010 in den Verhandlungen involviert. Nach Diskussionen mit Etete bot das italienische Unternehmen an, Etetes umstrittenen Anteil zu kaufen. Eni wollte die Ansprüche Malabus ein für alle Mal aus der Welt schaffen und das Ölfeld gemeinsam mit Shell übernehmen. "Hoffen wir, dass Eni Erfolg hat, wo wir gescheitert sind", schrieb der damalige Shell-Finanzchef Simon Henry im Oktober 2010 in einer E-Mail.

Zwei externe Risikoberichte, die Eni 2007 und 2010 in Auftrag gegeben hatte, warnten vor früheren Korruptionsvorwürfen gegen Etete und stellten Aspekte seiner Eigentümerschaft der Öllizenz infrage. Indes stieg der Druck, die Transaktion abzuschließen: Shell fürchtete, dass andere Unternehmen wie Total oder die französische Cnooc ebenfalls mit Etete verhandelten.

Eni und Shell vereinbarten bald ein komplexes Abkommen mit der nigerianischen Regierung, wie E-Mails und Gerichtsdokumente zeigten. Shell erklärte sich bereit, knapp 320 Millionen Dollar für einen 50-prozentigen Anteil an den Ölrechten zu zahlen, während Eni gut 980 Millionen Dollar für die restlichen 50 Prozent zahlen würde. 200 Millionen Dollar sollten an die nigerianische Regierung gehen, und 1,1 Milliarden Dollar an Malabu. Im Gegenzug sollte Malabu alle Ansprüche auf das Ölfeld abtreten, zeigen Gerichtsdokumente.

Die Transaktion wurde im April 2011 abgeschlossen, doch innerhalb weniger Monate tauchten wieder Probleme auf. Das amerikanische FBI verfolgte die Zahlungsströme aus der Transaktion, von denen mehrere Millionen in den USA landeten. Etete gab 2011 57 Millionen Dollar für einen Privatjet und 670.000 Dollar für drei gepanzerte Fahrzeuge aus. Außerdem zahlte er ausstehende Strafen in Höhe von 7,4 Millionen Dollar wegen Geldwäsche in Frankreich ab.

Das FBI gab seine Erkenntnisse an Behörden in Italien weiter. Italienische Ermittler fokussierten ihre Ermittlungen auf Manager, die womöglich nützliche Informationen preisgeben könnten. Einer von ihnen war Vincenzo Armanna, ein hochrangiger Eni-Manager zum Zeitpunkt der Transaktion. Ermittler glauben, dass er Schmiergeldzahlungen in Höhe von einer Million Dollar erhalten habe. Armanna gibt zu, dass er mit seinen Vorgesetzten über die Verwendung der Eni-Zahlungen gesprochen habe. "Uns war bewusst, dass ein Großteil davon an die politischen Unterstützer der Transaktion gehen würde", sagte er 2014 gegenüber Ermittlern.

Mitarbeit: Gbenga Akingbule und Aruna Viswanatha

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/awi/cbr

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February 14, 2018 06:05 ET ( 11:05 GMT)

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