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| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Jede Baisse läuft dann aus, wenn die Angst am größten ist und die Zuversicht am geringsten. Da es eine Epidemie als auslösenden Faktor einer markanten Marktschwäche noch nie gegeben hat, ging es in den letzten Wochen vor allem um Emotionen oder schlicht Angst. Damit sind wir bei der Psychologie. 

Angst entsteht ähnlich wie andere Gefühle mit einem Zenit und einem deutlichen Abstieg oder einer Wende. Sie ist mithin endlich. Ausgenommen bleibt die Todesangst. So, wie sich die Ängste aufbauen, werden sie von vielen Quellen und Kanälen gespeist und hochgetrieben und merkwürdigerweise kippen sie abrupt um und drehen ins Gegenteil. Für diese Erscheinung haben die Psychologen viele Erklärungen. Darauf ist in diesem Zusammenhang nicht näher einzugehen, aber es gibt viele gute Beispiele dafür, wie dies funktioniert. 

In allen Börsenkrisen steigt die Angst so weit, dass zunächst die Perspektiven kippen, dann die Hoffnungen, schließlich auch die Zuversicht und auch die Begründungen, bis nichts mehr übrig bleibt als die bekannte Formulierung: Es wird nur noch schlimmer. Diesen Satz haben Sie in den letzten Tagen gleich dutzendfach gehört. Wenn Ängste kippen, entsteht im Kopf offenbar das Gegenteil. Das kennen jene, die in Extremsituationen unterwegs waren oder steckten, ebenso im Sport wie als Geschäftsmann und auch in persönlichen Beziehungen. Das können Sie in diesen Tagen fast stündlich nachvollziehen. Tatsächlich kann niemand genau sagen, wie lange eine Epidemie in ihren verschiedenen Phasen verläuft. Also baut sich die Angst permanent auf, bis eine oder zwei Nachrichten oder ein einfacher kühler Gedanke dazu führen, dass man die Angst vergisst und nach vorn schaut. Das ist der Moment, in dem man die Angstphase verlässt. 

In allen Börsenphasen extremer Art wie zurzeit können Sie dies gut nachvollziehen. Sämtliche Bewertungen und Fakten sind bekannt. Niemand schaut exakt darauf, weil er Angst davor hat, sie zur Kenntnis zu nehmen. Umfangreiche Angstmacher sind außerdem unterwegs. Vielleicht ein Zufall, am Donnerstag ab 9 Uhr: In einem Interview dem Chef eines deutschen Konjunkturinstitutes ergab sich eine mehr als skeptische bis pessimistische Einschätzung der deutschen Wirtschaft. Wer das ganze Interview miterlebte, konnte schlicht nicht zuversichtlich sein. Doch der DAX stieg ab Mitte dieses Interviews zügig an. Ob es schon das endgültige Signal ist, wird sich erst in der kommenden Woche zeigen. Ein präzises technisches Signal gibt es frühestens in etwa sechs bis sieben Tagen. Aber der Markt sieht es offensichtlich anders als der skeptische Chef eines Konjunkturinstitutes. Wer hat recht?

Die Börse ist bekanntlich der einzige Markt, den man als vollkommenen Markt beschreibt. Vollkommen ist ein Markt, wenn sich die Marktpartner nicht kennen, also Käufer und Verkäufer, die pro Minute handeln. Die daraus entstehenden Kurse sind wie bei einer Perlenkette aneinanderzuknüpfen und ergeben einen Chart. Dieser Chart ist dann die Begleitung oder Bestätigung eines Trends. Was in den Köpfen der Marktteilnehmer vorgeht, weiß niemand. Lediglich die Abfolge aller Kurse zeigt, ob die Angst zu- oder abnimmt, ähnlich einem Fieberthermometer für die Messung der Körpertemperatur. Erkennbar daran ist dann der Trend. Das ist die Abfolge der nächsten Wochen.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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