DAX ®13.359,72+0,58%TecDAX ®3.072,61+0,76%S&P FUTURE3.183,70+0,27%Nasdaq 100 Future8.521,00+0,35%
finanztreff.de

Baseler Ausschuss nimmt technologische Risiken dezidiert ins Visier

| Quelle: Dow Jones Newsw... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)Der Baseler Bankenausschuss betrachtet die Arbeiten am Eigenkapitalstandard Basel 3 als abgeschlossen und wendet sich nun den technologischen Herausforderungen zu, die auf die Banken und ihrer Aufseher zukommen. Der Chairman des Ausschusses, Pablo Hernandez de Cos, legte in einer Rede die Grundlinien dieses Arbeitsfeldes bei der Euro Finance Week in Frankfurt dar. De Cos, der Gouverneur des Banco d'Espana ist, ging zunächst auf die möglichen Entwicklungen ein, die Banken unter dem Einfluss der mächtiger werdenden Technologieunternehmen (Fintechs) nehmen könnten.

1. Bessere Bank

Die etablierten Banken digitalisieren und modernisieren sich, sie behalten die Kundenbeziehungen und die wichtigsten Bankdienstleistungen. Sie nutzen die Technologien zur Anpassung ihres Geschäftsmodells. (Biometrie, Chatbots, künstliche Intelligenz zur Modernisierung des Zahlungsverkehrs, Digitalisierung des Kreditprozesses)

2. Neue Bank

Die etablierten Banken überleben nicht und werden durch neue, technologiegetriebene Institute ersetzt, die über voll digitalisierte Dienstleistungsplattformen verfügen. Beispiele für derartige Banken sind die Atom Bank (Großbritannien), Bunq (Niederlande), WeBank (China) und Varo Money (USA).

3. Verteilte Bank

Die Finanzdienstleistungen werden modularisiert. Den etablierten Banken gelingt es, in einer Nische zu überleben, aber andere Finanzdienstleister schließen sich über die digitale Schnittstelle der Bank an. Es entstehen viele neue Anbieter spezieller Dienstleistungen. Ein Beispiel sind mobile elektronische Börsen für Konsumenten.

4. Abgestiegene Bank

Die etablierten Banken werden nur noch als Dienstleister genutzt und verlieren ihren Kundenkontakt an andere Dienstleister. Kleine (Fintechs) und große (Bog Techs) Technologieunternehmen bieten über ihre Kundenplattformen eine Reihe von Finanzdienstleistungen verschiedener Akteure an. Banken wären nur noch für die Prozessabwicklung oder das Risikomanagement zuständig.

5. Überflüssige Bank

Die etablierten Banken werden irrelevant, weil ihre Bilanz nicht mehr benötigt wird. Kunden interagieren direkt mit den Anbietern von Finanzdienstleistungen. Ein Beispiel sind Peer-to-peer-Kreditplattformen.

De Cos wies darauf hin, dass die so genannten Big Techs den etablierten Banken bei der Gewinnung neuer Daten überlegen sind. "Diese drei Faktoren verstärken einander: Netzwerk-Externalitäten bringen mehr Nutzer und mehr Nutzen für andere Nutzer, was den Big Techs wiederum mehr Daten bringt, was zur Verbesserung des Services beiträgt", sagte er. Auf diese Weise könnten sich die Hierarchien im Finanzsystem umkehren.

De Cos formulierte auf dieser Basis folgende zehn Punkte für den Umgang mit technologischen Herausforderungen:

1. Die Sicherheit und Gesundheit des Bankensektors und hohe Compliance-Standards müssen bewahrt werden, ohne für den Sektor nützliche Innovationen zu verhindern

2. Schlüsselrisiken für Banken aus den technologischen Entwicklungen, darunter strategische- und Gewinnrisiken, Cyber- und Compliance-Risiken

3. Implikationen für Banken aus der Nutzung innovativer Technologien

4. Implikationen für Banken aus der zunehmenden Nutzung von Drittparteien via Outsourcing und/oder Partnerschaften

5. Sektorübergreifende Kooperationen zwischen Bankaufsehern und anderen relevanten Behörden

6. Internationale Zusammenarbeit von Bankaufsehern

7. Die aufsichtlichen Fähigkeiten müssen angepasst werden

8. Potenzielle Möglichkeiten für Aufseher, innovative Technologien zu nutzen ("Suptech")

9. Relevanz existierender Aufsichtsrahmen für innovative Geschäftsmodelle

10. Regulatorische Initiativen ermöglichen Fintech-Innovation

Der Baseler Ausschuss will laut De Cos tiefschürfende thematische Analysen zu bestimmten Fintech-Themen anstellen und demnächst einen Bericht über "Offenes Banking" und dessen Schnittstellen (application programing interfaces - APIs) veröffentlichen.

Darüber hinaus will sich der Ausschuss mit den aufsichtlichen Auswirkungen der Nutzung von künstlicher Intelligenz und Maschinenlernen für das Risikomanagement, mit der Abhängigkeit der Banken von Drittparteien und der Datenhandhabung beschäftigen.

Ein weiteres Arbeitsfeld tut sich nach Aussage des Chefs des Baseler Ausschusses bei den technologischen Risiken für die operationelle Sicherheit der Banken auf. "Die Lieferung innovativer Produkte und Dienstleistungen könnte es den Banken erschweren, die operationellen Risiken zu managen und zu kontrollieren", sagte De Cos.

Der Baseler Ausschuss wird daher nach seinen Worten die Prinzipien und Richtlinien zur operationellen Stabilität im Lichte der technologischen Innovation überprüfen und 2020 eine Konsultation zu neuen Richtlinien durchführen.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/jhe

END) Dow Jones Newswires

November 19, 2019 14:00 ET ( 19:00 GMT)

Copyright (c) 2019 Dow Jones & Company, Inc.
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Nachrichten

Quelle: Dow Jones Newswire Web
10:54 Tui verlängert Vertrag von CEO Joussen bis 2025 TUI 11,85 +1,59%
10:54 Tui verlängert Vertrag von CEO Joussen bis 2025 TUI 11,85 +1,59%
10:53 DGAP-PVR: Grammer AG: Release according to -2- GRAMMER 34,50 +0,58%
10:53 DGAP-PVR: Grammer AG: Release according to Article 40, Section 1 of the WpHG [the German Securities Trading Act] with the objective of Europe-wide distribution GRAMMER 34,50 +0,58%
10:53 DGAP-PVR: Grammer AG: Release according to Article 40, Section 1 of the WpHG [the German Securities Trading Act] with the objective of Europe-wide distribution GRAMMER 34,50 +0,58%
10:52 Bundeswirtschaftsministerium sieht Hoffnungsschimmer bei Konjunktur
10:50 DGAP-PVR: Instone Real Estate Group AG: Veröffentlichung gemäß § 40 Abs. 1 WpHG mit dem Ziel der europaweiten Verbreitung INSTONE REAL EST.GRP O.N. 20,90 +1,46%
10:50 DGAP-PVR: Instone Real Estate Group AG: Release according to Article 40, Section 1 of the WpHG [the German Securities Trading Act] with the objective of Europe-wide distribution INSTONE REAL EST.GRP O.N. 20,90 +1,46%
10:48 BGA erwartet 2020 Umsatzplus im Großhandel von nominal bis 2% und real bis 1%
10:45 TUI AG: Re-appointment and confirmation of the Chief Executive Officer TUI 11,85 +1,59%
Rubrik: Finanzmarkt
10:50 DGAP-Stimmrechte: Instone Real Estate Group AG (deutsch) INSTONE REAL EST.GRP O.N. 20,90 +1,46%
10:42 AKTIE IM FOKUS: Wirecard kaum bewegt von positiven Signalen für 2020 WIRECARD 104,85 +0,38%
10:42 Italien: Inflationsrate stagniert auf niedrigen Niveau
10:39 ROUNDUP: Ado Properties will Adler Real Estate schlucken - und vielleicht Consus ADLER REAL ESTATE AG 12,66 +2,10%
10:37 DGAP-DD: Gerry Weber International AG (deutsch)
10:32 DGAP-Stimmrechte: JOST Werke AG (deutsch) JOST WERKE AG INH. O.N. 37,40 +3,03%
10:32 DGAP-DD: Gerry Weber International AG (deutsch)
10:31 Original-Research: capsensixx AG (von Montega AG): Kaufen CAPSENSIXX AG INH O.N. 7,15 -2,05%
10:29 Waffenrückkauf in Neuseeland: Noch 170 000 illegale Waffen im Umlauf
10:28 DGAP-News: CytoTools Tochtergesellschaft CytoPharma GmbH berichtet über erste erfolgreiche Tiermodelle im Bereich Onkologie mit den neuen patentierten Wirkstoffkandidaten (deutsch) CYTOTOOLS O.N. 10,20 -1,92%

News-Suche

Suchbegriff:
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 51 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen