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Beglückend

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Am Mittwoch haben die Hälfte der Amerikaner und laut Umfragen 90 % aller Deutschen das beglückende Gefühl einer neuen Präsidentschaft in Washington. Allein die Tatsache, dass Trump damit vom Fenster ist, löst diese Gefühle aus. Die umfangreiche Botschaft seiner Finanzministerin Janet Yellen gehörte dazu: Sie will gut nachlegen, also Geld drucken, um, so wörtlich: „Die Amerikaner anzuregen, mehr Geld auszugeben.“ Konfuser geht nicht.

Dass ein Mann wie Trump geht, ist zweifellos eine Entlastung für die politische Atmosphäre weltweit. Unabhängig von den konkreten politischen Schritten. Ein netter älterer Herr vom Garten nebenan wird der neue Präsident für die wichtigste Weltmacht schlechthin. Vergleichbar mit Jimmy Carter, woran sich der eine oder andere noch erinnert. Jimmy Carter wollte alles richtig machen, auf keinen Fall schießen und mit moralischen Urteilen oder Sanktionen Erfolge erzielen. Was dabei herauskam, ist noch gut nachzulesen.

Die USA sind keine Nation im europäischen Sinne, sondern ein Konglomerat von sehr vielen ethischen Gruppierungen, religiösen Unterschieden, nationalen Erinnerungen oder Ambitionen und zwischen Wisconsin und Texas ist der Unterschied so groß wie zwischen Lappland und Sizilien. Erstmals versucht Biden, dieses Erscheinungsbild in seinem Kabinett abzubilden. Das ist lobenswert und ideal, doch welche Politik entsteht daraus für alle zusammen, also rund 350 Mio. Amerikaner?

Lt. seinen Statements hat die Innenpolitik Vorrang vor der Außenpolitik. Auch das ist lobenswert, aber für eine Weltmacht bescheiden, wie bereits Obama zeigte: Obamacare war richtig gedacht, aber nur ein halber Erfolg. Die außenpolitischen Manöver misslangen allesamt, so Syrien, Ukraine, Konflikt mit der Türkei etc. Bleiben die wirtschaftlichen Perspektiven:

Geld drucken schafft kurzfristige Nachfrage mit dem doppelten Betrag als Schulden, der dafür nötig ist. 1,9 Mrd. Dollar als erstes Hilfsprogramm sind der Ersatz dafür, dass die Empfänger monatelang auf Konsum verzichten mussten, den sie ohne Lockdown selbst verdient hätten. Es wird also ein Loch gestopft. Nach der üblichen wirtschaftlichen Funktionsweise müsste ein solcher Betrag einen Nachfrageschub auslösen, der beim Zwei- bis Zweieinhalbfachen liegt. Das entspricht dem Prinzip der Akzeleration. Übrig bleiben die Schulden, die irgendwie zu decken sind. Darin liegt das Problem des sogenannten Deficit-Spending, indem der Staat mit Schulden sinnvolle Investitionen anstößt, die anschließend mit den Folgeeffekten zu einer Dynamisierung der Wirtschaft führen. Mit dem ersten Programm ist dies nicht möglich.

Brauchen die USA überhaupt ein Infrastrukturprogramm in dem bekannten Umfang, denn dafür stehen angeblich weitere 2 Bio. Dollar auf der Liste der Finanzministerin? Erkennbar ist schon, wie der Kapitalmarkt darauf reagiert. Wird er überfordert, steigen die Zinsen. Erkennbar an den längsten Laufzeiten, den 30-jährigen T-Bonds. Mit dieser weiteren Aktion des Gelddruckens wird sich diese Knappheit der Geldbeschaffung in steigenden Zinsen ausdrücken und dann steht die Fed vor dem Problem, das Ganze einfangen zu müssen. Also:

Ein starker Präsident mit klaren wirtschaftspolitischen Konzeptionen kann einen solchen Plan durchaus umsetzen. Dazu gehören äußerste Disziplin und eine sehr konkrete Leitlinie. Frau Yellen als Kassenwart spielt dabei zweifellos eine der wichtigsten Rollen. Wenn sie jedoch nein sagt, wird es schwierig. In ihrer Hand liegt es deshalb, wie seriös das Finanzgebaren der neuen Administration zu werten ist. Das Urteil darüber fällt an der Börse. Von Euphorie ist bis zur Stunde nichts zu spüren.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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