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Bei Dialog Semiconductor schlägt die Stunde der Rabattjäger

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Eine ordentliche Diversifizierung ist für Investoren an der Börse eine Grundvoraussetzung, um langfristig überleben zu können. Wer die Risiken vernünftig streut, kann einzelne Ausfälle locker verkraften. Dasselbe gilt natürlich auch für Unternehmen, die sich möglichst nicht von einzelnen Auftraggebern abhängig machen sollten. Im Falle des Chiphersteller Dialog Semiconductor war und ist allerdings schon länger bekannt, dass Apple als Großkunde für einen immensen Teil der Umsätze verantwortlich ist. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der TecDAX-Wert fast drei Viertel seiner Erlöse durch Geschäfte mit dem iPhone-Hersteller. In den vergangenen Jahren erwies sich das als Goldgrube, da die Nachfrage nach Apple-Produkten kontinuierlich anstieg und Dialog Semiconductor als Zulieferer ebenfalls davon profitierte. Bis hierhin also eine echte win-win-Situation.

Schon im Frühjahr allerdings hatten die Analysten vom Bankhaus Lampe davor gewarnt, dass diese Abhängigkeit in den kommenden Jahren negative Folgen haben dürfte. Damals hieß es, es gebe deutliche Belege dafür, dass Apple seine eigene PMIC-Technologie entwickelt und den von Dialog Semiconductor entwickelten Chip zumindest teilweise ersetzen will. Dadurch könnten die Geschäfte ab 2019 beeinträchtigt werden. Nachdem zuvor bereits der britische Halbleiterdesigner Imagination Technologies Apple als Kunden verloren hatte und dessen Kurs daraufhin in sich zusammenfiel, sorgte die Studie bei der Dialog-Aktie ebenfalls für deutlich fallende Notierungen. Auch wenn man die Fälle nicht vergleichen kann. Davon konnte sich der Titel aber sehr schnell wieder erholen, auch weil viele andere Analysten die Befürchtungen des Kollegen nicht teilten. Die DZ Bank wies sogar darauf hin, dass es für Apple sinnvoller wäre, den Zulieferer direkt komplett zu übernehmen.

Eine gewisse Verunsicherung blieb jedoch, so dass die alten Hochs nicht mehr erreicht wurden. Gestern nun wurden die Gerüchte durch einen Bericht in der Zeitung Nikkei noch mal aufgewärmt, was die Aktie in der Spitze wieder um 23 Prozent einbrechen ließ. Hintergrund sei laut „Branchenkreisen“, dass Apple seine Abhängigkeit vom Halbleiter-Hersteller Dialog verringern wolle. Damit würde der Spieß also einfach umgedreht. Auch diesmal kam es anschließend zwar wieder zu einer Erholung des Aktienkurses, die diesmal allerdings weniger stark ausfiel. Je öfter solche Spekulationen aufkommen, desto eher scheinen die Marktteilnehmer wohl daran zu glauben. Selbst die DZ Bank reduzierte den fairen Wert der Aktie von 49 auf 37 Euro, obwohl der verantwortliche Analyst es weiterhin für „wenig wahrscheinlich“ hält, dass Apple diesen Weg geht. Das deutlich geringere Kursziel wird stattdessen mit einem Risikoabschlag angesichts der Unsicherheit begründet.

Für Anleger ist es jetzt letztendlich eine Glaubensfrage. Wenn Dialog auch nur einen größeren Teil der Apple zu verdankenden Umsätze verliert, dürfte es die Aktie in Zukunft relativ schwer haben. Ist das nicht der Fall oder gelingt es dem Unternehmen frühzeitig, andere Großkunden zu gewinnen, erscheint die Bewertung der Aktie nach dem erneuten Kursrutsch vergleichsweise günstig. Das Ergebnis dieser Unwägbarkeiten könnte zunächst einmal eine relativ volatile Seitwärtsbewegung der Aktie sein. Dass Bonuszertifikate in einem solchen Umfeld nicht die optimale Lösung sind, dürften einige Anleger spätestens gestern gespürt haben, weil zahlreiche Barrieren und damit auch die entsprechenden Bonusträume zerstört wurden. Pro-Varianten mit einer nur am Ende aktivierten Barriere sind aktuell am Markt leider ebenso wenig zu finden wie Expresszertifikate auf die Aktie.

Bleiben noch die klassischen Discounter, bei denen es erst gar keine Barriere gibt und damit ausschließlich der Aktienkurs am finalen Bewertungstag über die Höhe der Rückzahlung entscheidet. Dank der massiven Verunsicherung sind deren Konditionen aktuell auch entsprechend spannend. Bei einer Laufzeit von 13 Monaten und einem Cap in der Nähe des aktuellen Aktienkurses liegen die maximalen Renditen zum Beispiel bei rund 18 Prozent (WKN: PR1RSM). Wer noch ca. 15 Prozent zusätzlichen Puffer haben möchte, kommt bei einem Cap von 25 Euro und identischer Restlaufzeit auf gut 11 Prozent Renditechance (WKN: CE9VAD).

Thomas Koch

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08.03. DEUTSCHE BANK Neutral
Nachrichten
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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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