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Bitcoin: Zwei Gründe für den aktuellen Aufschwung

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Euphorie der Bitcoin-Anleger ist wieder da. Am Wochenende knackte die Digitalwährung erstmals seit März 2018 wieder die Marke von 11.000 US-Dollar. Am Dienstag-Nachmittag lag die Kryptowährung bei etwa 11.300 Dollar (beziehungsweise 9.900 Euro).

Zwei große Gründe gelten als Triebfeder für den jüngsten Bitcoin-Aufschwung: Zum Einen die Ankündigung einer neuen Digitalwährung. Der US-Internet-Riese Facebook +1,55% will mit seinem Digitalgeld Libra bald den Markt der Bezahldienstleister aufmischen. Zum anderen verdichten sich die Hinweise, dass es bereits im kommenden Monat "echte" Futures auf den Bitcoin geben wird.

Was macht der Bitcoin-Kurs?

Zu Jahresbeginn dümpelte der Kurs noch bei etwa 4.000 Dollar vor sich hin. Anfang April brach er das erste Mal über 5000 Dollar aus. Im Mai nahm der Aufwärtstrend dann richtig Fahrt auf: Innerhalb des Monats knackte der Bitcoin gleich mehrere Tausender-Marken.

Danach erhielt er im Juni zunächst einen kleine Dämpfer unter die 8.000 Dollar, war damit aber noch doppelt so viel Wert wie zu Jahresstart. Mit der Libra-Ankündigung von Facebook zog der Kurs kräftig an. Mitte Juni kletterte er über die 9.000 Dollar, gefolgt von der 10.000 Dollar-Marke, bis hin zu den jüngsten Höchstständen über 11 000 Dollar. Am Dienstag notierte er erneut über diesem Wert.

Damit nähert sich der Kurs der Digitalwährung wieder den Hochs von Anfang 2018. Das Rekordhoch von rund 20.000 Dollar Ende 2017 ist jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

Libra soll ohne Kursschwankungen auskommen

Grundsätzlich unterliegt der Bitcoin hohen Kursschwankungen. Für die jüngste Kursrallye machen Analysten vor allem Facebooks Ankündigung einer eigenen Digitalwährung namens Libra aus. Das Digitalgeld basiert zwar ähnlich wie Bitcoin auf der Blockchain-Technologie, soll aber ohne Kursschwankungen auskommen. Denn es ist geplant, die Libra durch Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Dollar, Euro und Yen zu decken. Der Kurs soll damit stabil gehalten werden. Anders als der Bitcoin soll Libra nicht dezentral erstellt, sondern zentral verwaltet werden.

Zunächst ist Libra vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen gedacht. Damit würde die Ditigalwährung eher Paypal oder Western Union Konkurrenz machen als dem Bitcoin. Ziel sei aber, Libra zu einem vollwertigen Zahlungsmittel auszubauen. Um das Digitalgeld zu verwalten, hat Facebook bereits eine Allianz mit Finanzdienstleistern wie Paypal, sowie Visa und Mastercard ±0,00% geschlossen, aber auch Vodafone -0,18%, Ebay +0,76% und Spotify +1,22% sind mit von der Partie.

Für Aufwind sorgt zudem die zunehmende Beliebtheit der Digitalwährungen. Die dahinter stehende Blockchain-Technologie will etwa auch die US-Großbank JPMorgan +3,52% für sich nutzen. So soll eine eigens geschaffene Kryptotechnik für Zahlungen zwischen Geschäftskunden verwendet werden. Die interne Rechnungseinheit wird als "JPM Coin" bezeichnet.

Bitcoin bald auf Termin

Hoffnungsvoll stimmt die Szene außerdem eine mögliche Zulassung von börsengehandelten Fonds (ETFs) auf Bitcoins. Die Erwartung nährte seit Monaten immer wieder den Kurs, denn mit einer ETF-Zulassung würde den Anlegern mehr Sicherheit versprochen. Jedoch hat die amerikanische Börsenaufsicht SEC sich noch nicht zu einer Entscheidung durchgerungen und sie auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auch Bitcoin-Futures wurden mehrmals verschoben. Doch nun will Bakkt - eine Tochter der Intercontinental Exchange - tatsächlich "echte Bitcoin Futures testen. Ab 22. Juli soll es mit dem Beta-Test losgehen. Bakkt vergleicht seinen Produktstart mit der Mondlandung von Apollo 11 und auch in der Community sind die Hoffnungen groß, dass Bakkt dem Bitcoin-Kurs den erhofften "Moonshot" ermöglicht.

Bitcoin-Futures erlauben es Investoren auf den Bitcoin-Kurs der Zukunft zu spekulieren - ohne dabei tatsächlich Bitcoin besitzen zu müssen. Viele glauben, dass sich sowohl die Marktdynamik als auch die Zusammensetzung der Interessenten verändert haben, seit die Chicago Board Options Exchange (CBOE) und die Chicago Mercantile Exchange (CME) erste BTC-Futures Handelsinstrumente 2017 initiierten.

Facebook-Vorstoß wird kritisch gesehen

Staatliche Regulierungen oder auch nur deren Ankündigung haben den Bitcoin hingegen immer wieder belastet. So bleibt abzuwarten, wie Wettbewerbshüter den Vorstoß Facebooks in die Finanzwelt betrachten. Wegen ihrer umfassenden Marktposition stehen Digitalkonzerne unter Beobachtung. Notenbanken wie die Bank of England oder auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatten die Pläne Facebooks kritisiert und vor den Risiken der Cyberdevisen gewarnt.

Auch vor einem erneuten Absturz des Bitcoin wird gewarnt. Zu den weiteren Kritikpunkten an der Digitalwährung zählt ihr hoher Energieverbrauch. Für die Herstellung von Bitcoin sind komplexe Rechenprozesse notwendig. Wissenschaftler der Technischen Universität München hatten den Verbrauch der für die Generierung von Bitcoins nötigen Energie jüngst berechnet. Mit dem Stand November 2018 verbrauchten Rechner, die Bitcoins erstellen, etwa 45,8 Billionen Wattstunden pro Jahr, wie die Forscher rund um Christian Stoll in der Fachzeitschrift Joule schrieben. Dies führt der Studie zufolge zu einem jährlichen Ausstoß von 22 bis 22,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2). Damit liege der Ausstoß zwischen dem der Länder Jordanien und Sri Lanka.

Das sagen die Analysten

"Der Bitcoin ist - für seine Verhältnisse - in den vergangenen Monaten langsam gestiegen, aber die Einführung von Facebooks Libra war ein klarer Katalysator für den kürzlichen Anstieg", schrieben die Analysten der Devisen-Plattform Oanda. Die Aufmerksamkeit, die der geplante Start der Kryptowährung bekommen habe, habe die Fangemeinde begeistert.

Die Unterschiede zwischen dem von Facebook geplanten Digitalgeld und dem Bitcoin sind Marktbeobachtern zufolge aber groß. Die Analysten der BayernLB etwa sind der Ansicht, dass Libra im Grunde keine neue Kryptowährung ist, sondern einem Zahlungssystem wie Paypal +0,24% näher kommt.

Bitcoin-Analyst Timo Emden zufolge beweise das Projekt des Tech-Giganten, dass Kryptowährungen als alternatives Zahlungs- und Tauschmittel ernst genommen werden. Bitcoin rücke nun zusehends in den Fokus institutioneller Anleger, die angesichts des erheblichen Zukunftspotenzials langfristige Investmentziele verfolgen könnten.

Mit Material von dpa-AFX

12-Monats-Chart Bitcoin (in US-Dollar)

Hinweis: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der finanztreff-Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation resultierende Kursentwicklung profitieren: Bitcoin.

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