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Blindes Vertrauen wird an der Börse fast immer bestraft

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Im Fernsehen und im Radio waren die Aktienmärkte gestern nach langer Zeit mal wieder ein Thema. Fast den ganzen Tag über wurde von dem „größten Verlust aller Zeiten“ beim Dow Jones Industrial Index berichtet, was natürlich nur in Bezug auf die eingebüßten Punkte stimmt und nicht prozentual gesehen. Wie üblich, suchen die in Börsensachen meist wenig erfahrenen Redakteure dann nach den „Gründen“ für den plötzlichen Kurseinbruch. Natürlich mussten da die „steigenden Zinsen“ herhalten, obwohl die Renditen der US-Staatsanleihen am Montag nach langer Zeit sogar mal wieder gefallen waren. Gestiegen sind die Renditen seit September, und zwar recht deutlich, was dem Aufschwung der Aktienmärkte aber nichts anhaben konnte. Das passt also irgendwie nicht als Erklärung.

Deutlich griffiger sind da Berichte, nach denen massive Verluste bei so genannten Short-Vola-Strategien den Kursrutsch zum Ende des US-Handels ausgelöst haben könnten. Dabei spekulieren Anleger auf eine geringe implizite Volatilität, was sich zuletzt als sehr rentabel erwiesen hatte. In den vergangenen Jahren konnte sich ein entsprechendes Produkt der Credit Suisse mehr als verachtfachen. Diese Gewinne lösten sich am Montag dann innerhalb kürzester Zeit komplett in Luft auf, weil der Volatilitäts-Indikator der US-Börsen massiv anstieg. Angeblich sollen hier mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar vernichtet worden sein.

Eine nicht direkt vergleichbare, von der Tendenz her aber ganz ähnliche Strategie wird auch in dem wikifolio „ProReturn“ umgesetzt, wo der verantwortliche Trader kurzlaufende Capped Bonuszertifikate (klassisch und Reverse) auf den Dax mit einem sehr hohen Aufgeld kauft und darauf baut, dass die jeweilige Barriere bis zur Fälligkeit nicht verletzt wird. Im Erfolgsfall können dann zumeist kleinere Gewinne generiert werden, die sich auf Dauer zu einer attraktiven Performance summieren. Das lief aufgrund der lange Zeit extrem geringen Kursschwankungen (Stichwort Volatilität) ebenfalls richtig gut, so dass der Kurs des im Sommer 2015 eröffneten wikifolios innerhalb von zwei Jahren um rund 80 Prozent gestiegen war. Der in diesem Zeitraum erlittene Maximum Drawdown lag zudem bei lediglich 9 Prozent. Diese eindrucksvolle Bilanz hat natürlich viele Investoren neugierig gemacht. Anfang Oktober waren in dem entsprechenden Zertifikat auf dieses wikifolio über 16 Millionen Euro investiert.

Aktuell sind es nur noch rund 5 Mio. Euro, was größtenteils daran liegt, dass das im September markierte Allzeithoch nicht mehr ausgebaut werden konnte und der Kurs von Montag auf Dienstag um rund 40 Prozent eingebrochen ist. Dabei können investierte Anleger sogar noch froh sein, dass der Einbruch nicht heftiger ausfiel. Hätten sich die vorbörslichen DAX-Taxen von 11700 Punkten in den offiziellen Handel „hineingerettet“, wären bei sämtlichen Zertifikaten in dem wikifolio die Barrieren (lagen zwischen 11900 und 12200 Punkten) gerissen worden, was zu einem Verlust des gesamten Aufgelds geführt und noch größere Verluste zur Folge gehabt hätte.

Überraschend kam das Ganze jetzt nicht, weil die Risiken dieser Strategie auf der Hand lagen und von wikifolio.com selbst Anfang Oktober sogar detailliert beschrieben wurden. Dennoch muss man wohl davon ausgehen, dass sich einige Anleger mit der Strategie an sich kaum beschäftigt (oder die Chancen und Risiken nicht in Gänze verstanden) und voll auf die zurückliegende Erfolgsbilanz des wikifolios vertraut haben. Dieses „blinde“ Vertrauen wird an der Börse fast immer bestraft. Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings auch, dass das wikifolio gestern Nachmittag mal eben um 20 Prozent gestiegen ist. Durch die Erholung beim DAX ist die Wahrscheinlichkeit eines Barriere-Bruchs bei den Bonuszertifikaten wieder gesunken, was zu entsprechenden Kursgewinnen geführt hat. In diesem wikifolio ist zurzeit also wirklich „gut was los“ (WKN: LS9H38).

Thomas Koch

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