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Boeing: Wie hart wird die monatelange Zwangspause?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nach dem Startverbot für alle Boeing 737 MAX auch in den USA ist ein Großteil der weltweiten Flotte des Flugzeugtyps vorübergehend lahmgelegt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA begründete das Verbot am Mittwochabend mit neuen Erkenntnissen zum Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Crash eines baugleichen Flugzeugs im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen. Diese Informationen erforderten weitergehende Untersuchungen, ob es sich möglicherweise um dieselbe Absturzursache gehandelt habe, hieß es in einer Dringlichkeits-Anordnung der FAA.

Die FAA stellt sich auf eine längere Stilllegung der Maschinen des Typs Boeing 737 MAX ein. Er rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge "innerhalb von ein paar Monaten", sagte der amtierende Behördenchef Daniel Elwell vor Journalisten, wie unter anderem das Wall Street Journal in der Nacht zum Donnerstag berichtete.

Am Mittwoch hatten schließlich auch die US-Behörden beschlossen, Boeing ±0,00% der neuen Typen MAX-8 und MAX-9 am Boden zu lassen, nachdem sie sich zunächst trotz Flugverboten in anderen Ländern dagegen entschieden hatten. Es habe jedoch neue Erkenntnisse gegeben, dass der Absturz einer 737 MAX in Äthiopien am vergangenen Wochenende Ähnlichkeiten mit dem Crash eines baugleichen Flugzeugs im vergangenen Oktober in Indonesien aufwies, hieß es zur Begründung für die Kehrtwende. Damit bleibt der Großteil der weltweiten 737-Max-Flotte am Boden.

Experten vermuten, dass eine Assistenz-Software in den neuen Boeing-Maschinen eine Rolle bei beiden Abstürzen gespielt haben könnte. Bei den neuen Erkenntnissen dürfte es sich um Daten der Firma Aireon gehandelt haben, die Flugzeugbewegungen mit Hilfe von Satelliten überwacht. Der Aireon-Bericht habe deutlicher als alle bisherigen Informationen gezeigt, dass es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Abstürzen gebe, sagte Elwell. Aireon sammelt in kurzen Abständen von den Maschinen übertragene Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Position.

Auch die Experten bei Flightradar24.com hatten analysiert, dass es nach dem Start einen ungewöhnlichen Steigflug-Verlauf gegeben hatte (siehe hellblaue Linie im Screenshot). Zudem hatten US-Piloten schon vor Monaten über Probleme mit der Software der neuen Boeing – und zwar mit dem Autopiloten – berichtet. Laut dem Nachrichtensender n-tv beschrieben sie seltsame Manöver nach dem Start.

Quelle: Flightradar24.com 10.03.19


Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines sind die beiden Flugschreiber in Frankreich angekommen. Die sogenannten Blackboxes seien am Pariser Flughafen Charles de Gaulle eingetroffen, teilte die französische Luftsicherheitsbehörde Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) am Donnerstag mit. Sie sollen am Nachmittag zur Auswertung in die Büros der BEA gebracht werden.

Das Flugzeug war am Sonntag abgestürzt und hatte 157 Menschen in den Tod gerissen. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten. Bei dem Crash der Boeing 737 Max 8 der indonesischen Lion Air waren im vergangenen Oktober 189 Menschen gestorben.

Die FAA zieht mit dem Startverbot für die 737 Max erst zum dritten Mal eine gesamte Baureihe eines Flugzeugtyps in den USA vorübergehend aus dem Verkehr. Nach einem Absturz in Chicago im Jahr 1979 hatte die FAA ein vorübergehendes Flugverbot für die McDonnell Douglas DC-10 erlassen. 2013 folgte nach dem Brand von Batterien ein vorübergehendes Startverbot für die Boeing 787 Dreamliner.

Boeing teilte am Mittwoch mit, die Empfehlung, die Maschinen vorübergehend am Boden zu lassen, sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. "Boeing hat weiterhin volles Vertrauen in die Sicherheit der 737 Max." Der Konzern sicherte zu, man unternehme alles, um der Ursache für die Abstürze in Äthiopien und Indonesien auf den Grund zu gehen.

Die meisten Flugzeuge der Boeing-737-Max-Reihe in den USA hat Southwest Airlines, die Fluggesellschaft verfügt über 34 Boeing 737 Max 8. American Airlines – die größte US-Fluggesellschaft – hat 24 Boeing 737 Max 8 in der Flotte. United Airlines besitzt 14 Maschinen vom größeren Typ Boeing 737 Max 9. Nach dem Absturz in Äthiopien hatten Flugbegleiter von Southwest Airlines und von American Airlines ein Startverbot für die Boeing 737 Max 8 gefordert.

Für den Flugzeugbauer könnte das 737-Desaster Milliarden-Verluste nach sich ziehen – weniger durch das vorübergehende Flugverbot als vielmehr durch ausbleibende Bestellungen. Kurz nach dem ersten Absturz Ende Oktober hatte bereits die betroffene indonesische Lion Air erklärt, ihre 737-Max-Bestellung im Wert von 22 Milliarden Dollar zu überdenken. Hinzu kommen Überlegungen etwa von Kenya Airways, statt der avisierten 737 doch lieber das Modell A320 des Rivalen Airbus +0,24% zu nehmen. Insgesamt wackeln damit Aufträge im Wert von etwa 55 Milliarden Dollar. Zudem könnten Boeing Schadenersatzzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe von den derzeit betroffenen Fluggesellschaften drohen.

Analysten wie etwa Morgan Stanley glauben indes, dass die langfristigen Auswirkungen des Desasters für Boeing überschaubar bleiben. Sollte es sich tatsächlich um einen Software-Fehler als Absturz-Auslöser handeln, ließe sich dieser in einem absehbaren Zeitraum (wenige Wochen) beheben. Die Boeing-Aktie ±0,00% hatte am Mittwoch in New York nach einem vorübergehenden Rückfall bis auf 363,30 Dollar leicht erholt bei gut 377 Dollar geschlossen (siehe Chart). Im deutschen Handel zeigt sich der Dow-Jones-Wert am Donnerstag-Mittag stabil bei 332 Euro.

mmr mit Material von dpa-AFX

Sechs-Monats-Chart Boeing in US-Dollar (Stand: 13.03.19)
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