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Bonuszertifikate mal anders: So geht das mit dem Extrem-Hebel

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die ganze Aufregung rund um den (Mini)-Crash an den Aktienmärkten hat sich schnell wieder gelegt. Zumindest bei denen, die am Dienstagmorgen nicht panikartig alles verkauft haben. Die großen Indizes in Deutschland und den USA lagen gestern fast schon wieder auf dem Niveau, von dem aus der Absturz am Montagabend begonnen hatte. Auch das gestern hier angesprochene wikifolio „ProReturn“, das in der „Crash-Nacht“ 40 Prozent an Wert verloren hatte, hat einen Großteil der Verluste wieder wettgemacht. Auf der einen Seite hat der verantwortliche Trader extrem viel Glück gehabt (weil die Barrieren der Zertifikate in seinem wikifolio so gerade eben gehalten haben). Auf der anderen Seite ist er aber auch ruhig geblieben, hat die Papiere nicht am Tief verkauft und sogar weitere Zertifikate mit sehr attraktiven Konditionen hinzugekauft. Das hat sich schon am Dienstagnachmittag und erst Recht gestern gelohnt wie die Kursentwicklung belegt (WKN: LS9H38).

Doch über was für Papiere sprechen wir hier überhaupt? Bonuszertifikate wurden früher doch als „Die bessere Aktie“ beworben, die durch den Verzicht auf Dividendenausschüttungen bei vergleichbaren Risiken nicht nur die Partizipation an steigenden Kursen bieten, sondern on top auch noch eine Seitwärtsrendite garantieren. Voraussetzung dafür ist nur, dass die jeweilige Barriere während der Laufzeit nicht gerissen wird. Und diese Zertifikate sollen jetzt dafür verantwortlich sein, dass das wikifolio erst 40 Prozent an Wert verliert und am Tag danach fast genauso stark ansteigt? Da passt doch irgendetwas nicht.

Und tatsächlich haben die hier gehandelten Papiere mit der ursprünglichen Form der Bonuszertifikate relativ wenig zu tun. Und das liegt nicht nur daran, dass es sich um die Sonderform der „Capped Bonuszertifikate“ handelt, bei denen die Rückzahlung auf einen Höchstbetrag beschränkt ist. Die dadurch begrenzte Möglichkeit der Partizipation nach oben wird in der Regel durch eine höhere Seitwärtsrendite kompensiert. Der extreme Hebeleffekt entsteht aber erst dadurch, dass die hier genutzten Zertifikate mit einem massiven Aufgeld versehen sind. Ein in knapp zwei Wochen fälliger Capped Bonus der Deutschen Bank auf den Dax mit einer Barriere bei 11900 Punkten (gut 5 Prozent „Puffer“) kostet aktuell zum Beispiel fast 520 Euro, was einem Indexstand von 52000 Punkten entsprechen würde. Damit zahlen Anleger hier ein Aufgeld von über 300 Prozent gegenüber einem ganz „normalen“ Zertifikat. Wird die Barriere während der Laufzeit verletzt, wandelt sich das Bonuszertifikat faktisch in einen solchen „normalen“ DAX-Tracker. In dem Fall würde also das komplette Aufgeld verloren gehen, was dem Zertifikat ein Minus von um die 80 Prozent einbrocken würde.

Halbwegs normal denkende Menschen werden sich jetzt die Frage stellen, warum man so ein Produkt kaufen sollte. Die Antwort lautet „über 150 Prozent p.a.-Rendite“! Anlegern, die ein solch hohes Verlustrisiko eingehen, werden dafür natürlich belohnt. Und zwar mit der Chance auf einen Kursgewinn von fast 6 Prozent innerhalb weniger Tage, was aufs Jahr gerechnet der o.a. Rendite entspricht. Möglich ist das alles, weil der Höchstbetrag hier einfach auf einen sehr hohen Wert von 550 Euro festgelegt wurde. Die Frage, ob der Dax bis zum finalen Bewertungstag am 16. Februar (Ende nächster Woche) auf/unter die Barriere bei 11900 Punkten fällt oder nicht, entscheidet also darüber, ob die Rückzahlung eine Woche später knapp 119 Euro (1/100 vom Dax) oder 550 Euro (Höchstbetrag) beträgt. Was für ein Unterschied! Und weil das Verlustrisiko so hoch ist und ein Barriere-Bruch nie ganz ausgeschlossen werden kann, notiert das Zertifikat selbst wenige Tage vor dem Ende noch ein „gutes Stück“ unter dem Höchstbetrag und beschert mutigen Anlegern damit attraktive Renditechancen (WKN: DS01D2).

In dem o.a. wikifolio werden solche Produkte (auch mal in der Reverse-Variante und mit unterschiedlichen Barrieren) laufend gekauft. Bislang ist das immer gut gegangen und der Trader hat regelmäßig die Renditen eingefahren oder aber die Zertifikate frühzeitig verkauft, wenn die Barriere in Reichweite geriet. Das wäre diesmal um ein Haar aber nicht mehr möglich gewesen, weil der Kursrutsch außerhalb unserer Handelszeiten erfolgte. Hätte der Dax am Montag nicht bei 12230 Punkten, sondern auf/unter 12200 Punkten eröffnet, dann wäre zumindest bei einem seiner Zertifikate die Barriere gerissen worden. Genau solche „Gaps“ (Eröffnungskurs liegt deutlich über oder unter dem Schlusskurs des Vortags) sind aus diesem Grund das größte Risiko für alle Anleger, die solche Zertifikate kaufen. Dann können sich mit einem Schlag sämtliche Gewinne in Luft auflösen, die in den Monaten oder auch Jahren zuvor mühsam erwirtschaftet wurden.

Thomas Koch

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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