DAX ®11.364,17-1,61%TecDAX ®2.641,57-1,22%Dow Jones25.502,32-1,77%NASDAQ 1007.326,06-2,23%
finanztreff.de

Branche: Regierung verfehlt Ziel von 400.000 Wohnungen

| Quelle: dpa-afx topthemen | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Quelle: dpa-AFX

Über Jahrzehnte sind in Deutschlands Städten zu wenig Wohnungen gebaut worden, die Folgen sind Mietpreisexplosion und Wohnungsmangel. Und der von der Bundesregierung geplante ehrgeizige Kraftakt im Wohnungsbau ist missglückt.

München (dpa) - Im Kampf gegen Mietexplosion und Wohnungsmangel verfehlt die Bundesregierung nach Ansicht der deutschen Bauwirtschaft ihr Ziel von bis zu 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr.

Dies sei nicht erreichbar, auch die Zahl der neu genehmigten Wohnungsbauanträge liege weit unter der Zielmarke, hieß es aus der Branche. «320.000 Wohnungen halten wir für realistisch, es können auch 330.000 sein», sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, am Donnerstag auf der Münchner Handwerksmesse.

Die Bauunternehmen arbeiteten die neu genehmigten Wohnungen ab. «Wir gehen davon aus, dass wir noch zwei, drei Jahre starke Nachfrage im Wohnungsbau sehen.» Danach werde die Nachfrage sicher zurückgehen.

Im Berliner Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD 1,5 Millionen neue Wohnungen bis zum Ende der vierjährigen Wahlperiode 2021 zum Ziel gesetzt; im rechnerischen Schnitt wären das alljährlich 375.000 neue Wohnungen. 2018 wurden nach Zahlen der Bauwirtschaft aber nur rund 305.000 neue Wohnungen fertig gestellt.

Demnach müssten es in den Folgejahren deutlich mehr werden, um das Ziel noch zu erreichen. Die kommunalen Behörden genehmigten nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts aber 2018 nur rund 302.800 Anträge für Neubauwohnungen - im Vergleich zu 2017 zwar ein leichtes Plus von 0,7 Prozent, aber zu wenig, um den Bedarf zu decken.

«Der Wohnungsmangel in Deutschland wird zur Dauersituation», kommentierte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Die Baugenehmigungszahlen seien «kein gutes Zeichen für die Zukunft des bezahlbaren Wohnens».

Auch von der IG Bau kam scharfe Kritik. «Keine Spur von der Wohnraum-Offensive der Bundesregierung», sagte der Vizevorsitzende der Gewerkschaft, Dietmar Schäfers. Die Zahlen müssten im Bauministerium und im Kanzleramt «alle Alarmglocken schrillen lassen». Die Gewerkschaft forderte ein Sofortprogramm für mehr Wohnungsbau.

Einen Rückgang der Bauanträge gab es laut Statistischem Bundesamt bei Ein- und Zweifamilienhäusern, während der Geschosswohnungsbau zulegte. Die Zahlen der Behörde spiegeln sich in der Einschätzung der Bauwirtschaft wider: Gebaut werden vor allem mehrstöckige Häuser mit Miets- und Eigentumswohnungen, wie Verbandschef Marcus Nachbauer berichtete. «Der klassische Eigenheimbau stagniert auf Vorjahresniveau.»

Die im vergangenen Jahr von manchen Fachleuten prophezeite Abschwächung der Baukonjunktur jedoch ist bislang ausgeblieben. 2018 legten die Umsätze der 370.000 Mitgliedsfirmen des Verbands um 6,6 Prozent auf knapp 340 Milliarden Euro zu.

Dabei spielten allerdings Preissteigerungen eine maßgebliche Rolle. Teurer geworden sind unter anderem Stahlbeton und das für den Straßenbau benötigte Bitumen. In diesem Jahr erwartet die Bauwirtschaft ein Umsatzplus von gut zehn Milliarden Euro, ebenfalls hauptsächlich aufgrund des Preisanstiegs.

Die Branche ist angesichts des langen Immobilienbooms stark ausgelastet, Hausbauer warten oft Monate auf Handwerker. Ein großes Problem sind fehlende Arbeitskräfte. Das entwickle sich in Teilen der Branche zu einem echten Wachstumshemmnis, sagte Nachbauer.

«Die Handlungsspielräume von Bauherren und Investoren sind ausgeschöpft», kritisierte der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Bauland sei in den Ballungsräumen kaum noch erhältlich, und langwierige Genehmigungsverfahren sowie zahlreiche Vorschriften bremsten den Neubau.

Schlagworte:
, , , , , , ,
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Nachrichten

Rubrik: Topthemen Banken
23.03. Banken-Mitarbeiter wollen gemeinsam gegen Fusion kämpfen
22.03. Gemeinsamer Mitarbeiterprotest gegen Bankenfusion geplant
22.03. Gut gefüllter Bonustopf bei Deutscher Bank
Rubrik: Topthemen Börsen
22.03. Dax verliert 1,6 Prozent - Konjunktursorgen verstärken sich
21.03. Levi's-Börsengang: Kultmarke kehrt an die Wall Street zurück
21.03. Konjunktursorgen drücken die Anlegerstimmung - Dax im Minus
Rubrik: Topthemen Finanzen
22.03. Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fällt unter null
18.03. Bundesbank: Nutzen von Bargeldobergrenzen fraglich
15.03. Forscher mahnen Überprüfung komplexer Regeln für Banken an
Rubrik: Topthemen Konjunktur
24.03. Frühjahrsbelebung lässt Arbeitslosenzahlen sinken
21.03. Erneut weniger Privatpleiten in Deutschland
19.03. «Wirtschaftsweise» senken Wachstumsprognose auf 0,8 Prozent
Rubrik: Topthemen Unternehmen
20.03. 85 Prozent der Unternehmen gegen neue Brexit-Zugeständnisse
19.03. Paris droht Start-up-Hochburg Berlin zu überholen
07.03. Deutsche Firmen sehen No-Deal-Brexit mit Sorgen
Rubrik: Topthemen Wirtschaft
24.03. Software-Panne bei Flugsicherung: Lufthansa streicht Flüge
24.03. Schlichter erwarten schwierigen Flug-Sommer
24.03. Gaspreise ziehen kräftig an
Rubrik: Topthemen Zentralbanken
22.03. Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fällt unter null
20.03. US-Notenbank signalisiert 2019 keine weiteren Zinserhöhungen
07.03. Zinserhöhung im Euroraum in diesem Jahr vorerst vom Tisch
Werbung

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclubschliessen
Börse Stuttgart

Wir machen Sie fit für die Börse!

Aktuelle Nachrichten, umfangreiche
Hintergrundinformationen und essentielles
Finanzwissen rund um das Thema Börse.

Jetzt kostenfrei zum Anlegerclub anmelden.
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook, Google+ oder Twitter
Aktuelle Umfrageschliessen
Wie, glauben Sie, wird der DAX am Ende dieser Woche - KW 13 - stehen?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen