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Brasilianischer Markt vor Temer-Koller

| Quelle: Schroders

Im Zuge der jüngsten Wendung in der brasilianischen Korruptionssaga sind Berichte aufgetaucht, die besagen, dass Präsident Temer angeblich gemeinsam mit dem inhaftierten ehemaligen Sprecher des Unterhauses im Kongress, Eduardo Cunha, in eine Vertuschungsaktion verwickelt ist.

Wie eine brasilianische Zeitung meldete, legten Führungskräfte des Fleischverpackungsunternehmens JBS dem Obersten Gerichtshof im Rahmen einer Verständigung im Strafverfahren entsprechende Beweise vor. Diese enthalten offenbar eine Aufnahme, auf der zu hören ist, wie Temer eine illegale Zahlung genehmigt. Für Brasilien könnte dies weitreichende Folgen haben. Die Renten- und Arbeitsmarktreformen sind möglicherweise gefährdet, wobei erstere von besonderer Bedeutung sind.

Bereits zuvor lag die durchschnittliche Zustimmungsquote von Präsident Temer bei 10 %, und diese Anschuldigungen werden seine Position weiter schwächen. Diese Bedenken spiegeln sich bereits teilweise an den Aktienmärkten wider, was sich z. B. im schlagartigen Abverkauf von 8 % bei einem brasilianischen ETF¹ zeigte.

Ein weiterer Belastungstest für die Wirtschaft

Und nicht nur die Aktienmärkte könnten von diesen Entwicklungen betroffen sein. Der wirtschaftliche Optimismus hatte nach der Amtsenthebung der ehemaligen Präsidentin Dilma Rousseff einen Aufschwung verzeichnet. Dieser hatte offenbar zu einer verhaltenen Konjunkturerholung geführt, die nun mit einiger Sicherheit in Gefahr geraten könnte.

Die sich verlangsamende Preissteigerung und der Spielraum für eine geldpolitische Lockerung seitens der Zentralbank sollten hiervon hingegen weniger betroffen sein. Eine erhebliche Währungsschwäche ist indes wahrscheinlich. Das dürfte zu einer gewissen Neubewertung der Erwartungen führen.

In diesem Zusammenhang wird die Zentralbank gezwungen sein, den voraussichtlich schwächeren Konjunkturverlauf auszutarieren, dem sich die Wirtschaft gegenübersieht, wenn die Reformen verpuffen und Temer entweder seines Amtes enthoben wird oder den Rest seiner Amtszeit damit verbringt, ums Überleben zu kämpfen.

Wenn man Überlegungen anstellt, was dies für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2018 bedeutet (oder je nach den weiteren Entwicklungen möglicherweise bereits 2017), dann besteht eine Sorge darin, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Präsidentschaft von Lula da Silva steigt. Obwohl dem ehemaligen Präsidenten strafrechtliche Ermittlungen drohen, gilt er den Umfragen zufolge weiterhin als einer der größten Favoriten. Darüber hinaus unterscheiden sich seine politische Agenda und seine Politik sehr deutlich von Präsident Temer.

Es scheint völlig plausibel, dass die Brasilianer zu der Ansicht gelangen könnten, dass ohnehin alle Politiker korrupt sind, und dann vorzugsweise einen Politiker wählen, der nicht auch noch schmerzhafte Reformen und Sparmaßnahmen durchzusetzen versucht. Temer selbst hatte bereits gelobt, nicht zur Wiederwahl anzutreten, obgleich diese Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr in seiner Hand liegen dürfte.

Rückenwind für Außenseiter?

Optimistischer betrachtet könnte man auch davon ausgehen, dass die Anschuldigungen gegen Temer die Wut der Brasilianer über die Korruption weiter anfachen und den Außenseitern größeren Zulauf bescheren werden. Der Bürgermeister von São Paulo und politische Newcomer João Doria wird bereits als potenzieller Kandidat gehandelt. Entscheidend ist, dass Doria (soweit uns bekannt ist) nicht in den Korruptionsskandal verwickelt ist, der immer weitere Kreise innerhalb der etablierten politischen Klasse zieht.

Allerdings kann die Suche nach einem Außenseiter, wie wir bereits gesehen haben, auch zu weniger günstigen Ergebnissen führen.

Brasilien befindet sich damit erneut in ausgesprochen schwierigem Fahrwasser.

 

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