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CEOs gegen GroKo

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Auf dem Parteitag der SPD wird über die  GroKo entschieden. Das ist ausschließlich eine politische Entscheidung, deren wirtschaftliche Bedeutung begrenzt ist. Über einige Gesetze, insbesondere im Sozialbereich, oder Absichtserklärungen der Politiker ist nicht weiter zu diskutieren. Nichts ändert daran, dass eine Fortsetzung der GroKo eine weitere Lähmung der deutschen Wirtschaftspolitik bedeutet und mindestens für die Wirtschaft keine Stimulanz darstellt. Denn klar ist: GroKo bis zum September 2021 bedeutet, dass noch ca. 15 – 16 Monate Zeit bleibt, um das eine oder andere Gesetz im Kabinett oder im Bundestag durchzubringen. Die letzten Monate vor der Wahl werden vom Wahlkampf bestimmt und sind mithin wertlos.

 

Die Spitzenmanager der deutschen Unternehmen - sowohl CEO wie CFO, um diese Abkürzungen zu verwenden - sind die Gegenpartei. Sie alleine haben es in der Hand, aus der gegenwärtigen Lage die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dabei steht die Autoindustrie exemplarisch im Mittelpunkt. Vor drei Jahren war unklar, ob es überhaupt eine E-Mobility gibt. Vor zwei Jahren näherte man sich diesem Thema und inzwischen sind es rund 100 Mrd. €, die für den  Umbau des deutschen Autobaus bereitstehen. Demnächst mehr. Die Berger-Stiftung liefert am Donnerstag die Ergänzung: „Die deutsche E-Technik ist spitze.“ Was auch immer im Einzelnen darunter zu verstehen ist, aber sicher ist, dass man entweder zu vorsichtig war oder aber selbst daran zweifelte, dass der künftige Automarkt weltweit zweispurig läuft.

 

Was die Manager vieler anderer Sektoren wie Chemie oder auch Energietechnik/Elektrik und irgendwann vielleicht auch die Banker denken und entscheiden, ist wesentlich maßgeblicher als das, was in einer Politikerrunde ausgeknobelt wird. Im Industrieland Deutschland wahrscheinlich nachhaltiger als in einem großen Flächenland wie die USA und einer anderen Rollenverteilung einzelner Sektoren.

 

Erwartungen spielen in der Wirtschaft eine größere Rolle als die anschließenden Fakten. Das müsste eigentlich jeder Ökonom wissen, der sich täglich damit beschäftigt. Nur nachhaltige Erwartungen führen zu nachhaltigen Investitionen. Nie umgekehrt. Deshalb ist das Stimmungsbild in diesen Schlüsselgrößen weitaus wichtiger als die anschließende Statistik, die die Erwartungen bestätigt.

 

Keine Partei in Deutschland beschäftigt sich mit diesem Thema. Kein Unternehmer von Rang ist als Berater für irgendeine Partei tätig und äußerst sich dazu öffentlich. Verdeckte Kommentare sind ungültig. Die Art und Weise, wie im sogenannten Wirtschaftflügel der CDU diskutiert wird, ist dafür typisch: Die Damen und Herren sitzen mehr oder weniger verschwiegen an runden Tischen oder bequemen Sesseln und diskutieren heftig. Aber keiner steht auf, um öffentlich und nachhaltig die politische Szene zu ermuntern oder anzuregen, über gravierende Themen nicht nur nachzudenken, sondern sie auch umzusetzen.

 

Die Entscheidungsträger der Industrie und auch der Finanzmärkte sind deshalb die Entscheidungsträger für die Zukunft. Gab es dies schon einmal? Die jeweiligen politischen Wenden in Deutschland waren begleitet von Politikern, deren wirtschaftspolitische Qualität äußerst mangelhaft war. Das war zu allen Regierungswechseln der Fall (ohne Wahlentscheidung) und so auch jetzt: Ob GroKo noch die begrenzte Spielzeit hat oder nicht, ist nicht mehr entscheidend. Wichtiger ist, dass die Unternehmer die Hand heben und wirklich etwas in ihren jeweiligen Unternehmen tun.

 

Zwei Verbandschefs treten in diesen Tagen zurück. Der eine mit der Bemerkung bezüglich der Autoindustrie, dass der Weg für die Autobauer sehr steil, steinig und beschwerlich werden wird. Für 2020 prophezeit er dafür einen Rückgang der Autoproduktion weltweit um 1 %. Der andere äußerte sich zur Chemie. Danach nimmt die Produktion in diesem Jahr um etwa 6 % ab, aber bereinigt um einige Besonderheiten (die nicht genannt wurden) um 2 %. Eine Prognose für 2020 gibt es nicht, aber die Bemerkung: Es bleibt nebelhaft.

 

Das Schöne an der Sache: Beide Loser treten ab. Auch darin steckt eine Erwartung.

 

Ihr

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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