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Commerzbank: Jetzt geht's den Kunden ans Portmonnaie

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Commerzbank-Kunden müssen sich auf höhere Gebühren einstellen. Das Geldhaus werde "Preisänderungen vornehmen" und manche Dienste anders bepreisen, sagte Chef Martin Zielke am Freitag. Dies sei nötig im aktuellen Marktumfeld, sagte er mit Blick auf das andauernde Zinstief. Die Commerzbank-Aktie drehte am Vormittag in den grünen Bereich.

Da die Europäische Zentralbank (EZB) Strafzinsen auf Geld erhebt, das die Banken bei ihr parken, enstehen für die Banken-Branche Milliarden-Kosten. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden halte der Konzern aber fest. "Das ist nicht der Einstieg in den Abschied vom kostenlosen Girokonto", betonte Zielke.

Abschied von inaktiven Kunden

Änderungen im Preismodell hatte die Commerzbank bereits am Donnerstag angedeutet, nachdem der Aufsichtsrat einem Konzernumbau mit Stellenabbau und Filialschließungen zugestimmt hatte. "Künftig wird die Commerzbank (...) Leistungen differenzierter bepreisen", hieß es.

Zugleich will die Commerzbank bis Ende 2023 unterm Strich mehr als eine Million neue Kunden gewinnen - das ist allerdings eine Drosselung des aktuellen Wachstumstempos. Zugleich will die Bank eine Million inaktive Kunden loswerden. Die Klienten, die teils noch aus der Zeit vor der Dresdner-Bank-Übernahme stammten, kosteten die Commerzbank Geld, sagte Zielke.

Abschied von kurzfristigen Renditezielen

Die Commerzbank rechnet bis 2023 nun nur mit einer schrittweisen Steigerung ihrer Rentabilität. Die Bank investiere in ihre Zukunft, "und indem wir dieses Geld in die Hand nehmen, stellen wir bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele", sagte Vorstandschef Martin Zielke am Freitag bei der Vorstellung der neuen Geschäftsstrategie in Frankfurt.

Die Rendite auf das materielle Eigenkapital werde in den kommenden drei Jahren voraussichtlich bei 2 bis 4 Prozent liegen, erläuterte der scheidende Finanzchef Stephan Engels. Er sei überzeugt, dass im Jahr 2023 eine Rendite von über vier Prozent erreichbar sei. "Im günstigsten Fall wäre eine Rendite von über fünf Prozent möglich."

Trotz der Reduzierung der Renditeziele stieg die Commerzbank-Aktie -1,19%. Am Vormittag betrug das Plus fast zwei Prozent auf 5,44 Euro, nachdem der CoBa-Kurs am Morgen noch deutlich im Minus notierte. Damit näherte sich die MDAX-Aktie wieder ihrer 50-Tage-Linie.

Sechs-Monats-Chart Commerzbank (in Euro)

Comdirect bleibt wohl nur als Produktname

Die Commerzbank will nach der Komplettübernahme ihrer Direktbank-Tochter Comdirect nicht mehr mit zwei Marken agieren. Im aktuellen Geschäftsumfeld mache das keinen Sinn mehr, sagte Zielke. Als Produktmarke bleibe Comdirect aber wohl erhalten.

Das Geldhaus werde die Kräfte von Commerzbank und Comdirect bündeln "und im Vertrieb sowie im Marketing auf eine Marke setzen". So habe der Frankfurter MDAX -0,68%-Konzern einen noch stärkeren Hebel bei der Entwicklung von Smartphone-Apps. Die Banken sollten verschmolzen werden, betonte Finanzchef Stephan Engels.

Die Commerzbank will die Comdirect mit Sitz in Quickborn bei Hamburg, an der sie gut 82 Prozent hält, ganz übernehmen, da sich mit der Digitalisierung die Geschäftsmodelle angleichen. Den übrigen Aktionären der Comdirect bietet die Commerzbank nun 11,44 Euro je Anteilschein an. Der Preis liegt 25 Prozent über dem letzten Comdirect-Schlusskurs vor Bekanntgabe der Pläne. Am Freitag-Vormittag notierte die Comdirect-Aktie -0,49% leicht abgeschwächt bei 11,94 Euro.

Filialschließungen und Stellenabbau

Der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Geldhauses hatte am Vortag dem neuen Strategieprogramm des Vorstands zugestimmt, im Zuge dessen die Bank netto 2.300 Stellen streichen und jede fünfte ihrer rund 1.000 Filialen schließen will.

Zudem investiert sie in eine noch stärkere Digitalisierung ihres Geschäfts. Unterdessen beerdigte der Vorstand sein Ziel, die bereinigten Erträge der Bank im laufenden Jahr zu steigern. Bis 2023 sollen die Erträge wieder zulegen - durch die Anwerbung weiterer Kunden und teilweise höhere Gebühren.

Die Commerzbank ist - wie die gesamte Branche - unter Druck: Bei Privatkunden sowie bei Mittelstand und Firmenkunden - den beiden Hauptgeschäftsfeldern des Instituts - herrscht harter Preiskampf. Die von der Branche herbeigesehnte Wende zu höheren Zinsen hat die EZB auf unbestimmte Zeit verschoben, der Strafzins für geparkte Gelder kostet die Branche Milliarden.

Mit Material von dpa-AFX

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