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Commerzbank: Warum das Wunder ausgeblieben ist

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Commerzbank erwartet trotz eines überraschend guten Sommerquartals einen Gewinnrückgang im Gesamtjahr. Der Frankfurter MDAX-Konzern -0,54% kassierte nun das Ziel, den Konzernüberschuss in diesem Jahr leicht zu steigern. Der Vorstand erwartet nun, dass der Überschuss unter den 865 Millionen Euro von 2018 landen wird.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten zunächst mit leichten Kursverlusten quittiert. An der Börse verlor die Commerzbank-Aktie -4,85% am Vormittag über zwei Prozent an Wert. "Niemand hat erwartet, dass die Commerzbank ihr Gewinnziel aufrechterhält", schrieb ein Aktienhändler am Morgen. Wenn der Aktienkurs nun dennoch abtauche, dürfte das nur von kurzer Dauer sein, schätzt er.

Grund für die pessimistischere Gewinnprognose des Vorstands ist nach Angaben des Instituts, dass die Bank im vierten Quartal mit einer "deutlich höheren Steuerquote" rechne.

Schon bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Anfang August hatte Vorstandschef Martin Zielke eingeräumt, es werde "deutlich ambitionierter", das bis dato geltende Jahresziel einer leichten Gewinnsteigerung zu erreichen: "Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu." Das Zinstief setzt der Branche zu, zudem müssen Investitionen in Digitalisierung gestemmt werden. Von dem Ziel, die Erträge - also die gesamten Einnahmen - in diesem Jahr zu steigern, hatte sich das Management bereits verabschiedet.

Wie die Geschäfte im Sommer gelaufen sind, hatte die Bank, dessen größter Anteilseigner seit zehn Jahren der deutsche Staat ist, bereits Ende Oktober mitgeteilt: Der Überschuss kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 35 Prozent auf 294 Millionen Euro. Dies jedoch vor allem dank des Verkaufs der Tochter ebase. Auch gesunkene Kosten und weniger Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite schlugen sich positiv in der Bilanz nieder.

Im Tagesgeschäft lief es im dritten Quartal ebenfalls besser als vor Jahresfrist: Die Erträge legten um zwei Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn erhöhte sich um knapp 30 Prozent auf 448 Millionen Euro. Noch im zweiten Quartal hatte die Commerzbank nur dank einer geringeren Steuerlast einen Gewinneinbruch verhindern können.

Ende September hatte Zielke seine Strategie vorgestellt, mit der er das Geldhaus wetterfest machen will: Unter dem Strich sollen 2300 weitere Stellen gestrichen werden, zudem wird jede fünfte der etwa 1.000 Filialen geschlossen. Die Online-Tochter Comdirect -0,30% will die Commerzbank komplett übernehmen, bis Anfang Dezember läuft dort ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre.

Die Analysten sind sich über die weiteren Aussichten der CoBank-Aktie uneinig. Während die US-Bank JPMorgan ihre Einstufung für Commerzbank -4,85% auf "Neutral" mit einem Kursziel von 6,00 Euro belassen hat, bleibt Goldman Sachs bei einem Kursziel von 9,60 Euro. Die Bank habe eine solide operative Entwicklung verzeichnet, schrieb GS-Analyst Jernej Omahen in einer Ersteinschätzung. Die Kernkapitalquote von 12,8 Prozent habe die durchschnittliche Markterwartung leicht übertroffen und liege auch etwas über dem Jahresziel. (Mit Material von dpa-AFX)

Sechs-Monats-Chart Commerzbank (in Euro)
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