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Covestro an der DAX-Spitze – was ist da los?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Befürchtungen vor neuen Quartalszahlen gingen Richtung Gewinnwarnung. Doch es kam weniger schlimm als erwartet. Der Kunststoffspezialist Covestro bekommt zwar weiterhin eine schwächere Nachfrage der wichtigen Autobranche und einen harten Wettbewerb zu spüren. Der Gewinn brach ein, allerdings etwas weniger deutlich als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten.

Covestro-Chef Markus Steilemann sprach im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa-AFX von "einem sehr herausfordernden Umfeld in der Automobilindustrie." Zwar sei es dank der breiten Aufstellung gelungen, das teilweise durch die Geschäfte mit der Möbel- und Bauindustrie sowie in Teilen mit der Elektroindustrie zu kompensieren. Allerdings werde sich "die herausfordernde Zeit" kurzfristig auch nicht ändern. Bei den Jahreszielen sieht der Manager Covestro aber auf Kurs.

Die Covestro-Aktien -0,31% knüpften am Mittwoch kurz nach dem Handelsstart mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 45,02 Euro an ihre jüngste Erholung an. Seit dem Mehrjahrestief von 38,43 Euro im Juni haben sie nun um rund 17 Prozent zugelegt. Allerdings hatten sie Anfang 2018 noch mehr als 95 Euro gekostet. Anschließend ging es wegen der sich eintrübenden Geschäftsperspektiven bergab (siehe Chart unten).

Für Anleger der ersten Stunde steht aber immer noch ein Gewinn zu Buche: so hatte der Bayer-Konzern +0,51% seine Kunststoff-Sparte 2015 für 24 Euro an die Börse gebracht. Mittlerweile ist der Agrarchemie- und Pharmakonzern bis auf einen kleinen Restbestand an Aktien ausgestiegen.

Beruhigender Ausblick

Covestro-Chef Markus Steilemann stellte am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal für das Gesamtjahr unverändert ein Mengenwachstum im Kerngeschäft im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Nach einer Delle im ersten Quartal konnte der DAX +0,58%-Konzern hier im zweiten Jahresviertel zumindest leicht zulegen. Ein Trend, der sich laut Steilemann ungeachtet der Autoflaute fortsetzen dürfte. Covestro erziele vier Fünftel des Umsatz außerhalb der Autobranche, betonte der Manager.

Trotz der gestiegenen Verkaufszahlen sank der Umsatz im zweiten Quartal wegen eines Preisverfalls bei den Schaumstoffvorprodukten MDI und TDI sowie bei harten Polycarbonat-Kunststoffen um knapp 17 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Beide Sparten verzeichneten heftige Gewinnrückgänge. Besser schlug sich derweil die kleinere Sparte CAS für Lacke, Klebrohstoffe und Spezialanwendungen: sie hielt den Umsatz fast stabil und legte beim Gewinn auch dank eines Zukaufs etwas zu.

Ausblick auf Q3 unter Markterwartungen

Auf Konzernebene spielte die CAS-Entwicklung aber nur eine untergeordnete Rolle. Hier wirkten vor allem der Preisrückgang für MDI, TDI und PC. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) brach denn auch im Vergleich zum - allerdings außergewöhnlich starken Vorjahreswert - um mehr als die Hälfte auf 459 Millionen Euro ein. Unter dem Strich verdienten die Leverkusener 189 Millionen Euro nach 604 Millionen vor einem Jahr.

Das Ebitda sei weniger stark eingebrochen als erwartet, erklärte Analyst Chetan Udeshi von der Bank JPMorgan. Der Ausblick für das dritte Quartal von ungefähr 410 Millionen Euro liege zwar unter der offiziellen durchschnittlichen Marktschätzung, allerdings dürfte viele Experten infolge der jüngsten Gewinnwarnung des Chemieriesen BASF -0,37% sich gedanklich schon darauf eingestellt haben.

Vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung, des Quartalsausblicks sowie eines saisonal üblicherweise eher schwächeren Schlussviertels hält Udeshi 2019 ein operatives Ergebnis von etwa 1,6 Milliarden Euro für wahrscheinlicher als die durchschnittliche Markterwartung von zuletzt noch 1,7 Milliarden.

Breite Spanne bei Gewinnerwartungen

Covestro selbst peilt unverändert ein Ebitda von 1,5 bis 2 Milliarden Euro an. Das wäre deutlich weniger als in den beiden außergewöhnlich starken Vorjahren. Analyst Michael Schäfer von der Commerzbank warnte aber vor zu viel Optimismus angesichts der immer noch breiten Spanne, da auch er Indizien für einen Wert von 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro sieht. Aktuell gebe es mit Blick auf eine Verbesserung des Marktumfeldes noch keinen Silberstreif am Horizont.

Der freie operative Mittelzufluss dürfte laut Covestro 2019 auf 300 bis 700 Millionen Euro sinken, nachdem er im Vorjahr 1,67 Milliarden erreicht hatte. Bei der auch für die Dividende wichtigen Kenngröße fiel im zweiten Quartal abermals ein Minus an. Für das erste Halbjahr bedeutet das ein Minus von 100 Millionen Euro. Das lag aber vor allem an einmaligen Belastungen, die sich so im zweiten Halbjahr nicht wiederholen werden.

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Covestro nach den Zahlen auf "Overweight" mit einem Kursziel von 55 Euro belassen. Das zweite Quartal des Kunststoff-Spezialisten sei besser, die Zielsetzung für das dritte Jahresviertel aber schwächer als von ihm erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Chetan Udeshi in einer Studie. Allerdings dürften die Flüsterschätzungen für das dritte Quartal bereits gedämpft gewesen sein.

Mit Material von dpa-AFX

Drei-Jahres-Chart Covestro (in Euro)
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