DAX ®12.754,69+0,05%TecDAX ®2.828,72-0,26%Dow Jones26.788,10-0,15%NASDAQ 1007.874,62-0,83%
finanztreff.de

Covestro: Hoffentlich gibt das kein Debakel

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Beim Spezial-Kunststoff-Konzern Covestro steht nach zahlreichen Gewinnwarnungen aus der Chemie- und der Autobranche bei der Vorlage der Quartalszahlen vor allem der Jahresausblick im Fokus. An diesem Mittwoch (24. Juli) berichtet der Dax-Konzern +0,05% über die Entwicklung im zweiten Jahresviertel.

Nach zwei außergewöhnlich starken Jahren bekommt die ehemalige Kunststoff-Sparte von Bayer 2019 die Schwäche der Autobranche, wachsende Konkurrenz und die Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China vollends zu spüren. Der Spezialist für Grundstoffe für Hart- und Weichschäume (Polyurethane) sowie für harte Kunststoffe (Polycarbonate) leidet vor allem unter sinkenden Verkaufspreisen. Der Covestro-Aktienkurs -1,59% hat sich seit Anfang 2018 mehr als halbiert. 

Maue Autonachfrage und China-Schwäche schlagen durch

Der Trend hatte sich bereits gegen Ende 2018 bemerkbar gemacht, schlägt nun aber immer stärker durch. So erzielt Covestro rund ein Fünftel des Umsatzes mit der Autoindustrie. Bereits 2018 war der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 3,4 auf 3,2 Milliarden Euro gefallen, was allerdings immer noch ein außerordentlich hohes Niveau war.

2019 könnte davon nun weniger als die Hälfte übrigbleiben. Damit läge das operative Ergebnis in etwa auf dem Niveau von 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro, was Covestro-Chef Markus Steilemann als "resilient" bezeichnet. Damit ist der Anteil des Gewinns gemeint, der nicht von eher kurzfristig, stark vom Konjunkturzyklus getriebenen Nachfrageschwankungen abhängt.

Langfristig bleibt das Management denn auch trotz der zuletzt holprigen Entwicklung zuversichtlich und steckt viel Geld in den Ausbau der Produktion. Die Investitionen sollen auch helfen, die Produktionskosten zu reduzieren. Geringere Kosten stärken die Marktstellung oder erlauben höhere Gewinnmargen.

Hohe Einsparungen geplant

Steilemann will den Dax-Konzern zudem durch Zukäufe im kleinsten Unternehmensbereich für Lacke, Klebrohstoffe und Spezialanwendungen (CAS) robuster aufstellen. Auch mit einem Sparprogramm vor allem in der Verwaltung steuert er gegen. Spätestens 2021 sollen so jährlich rund 350 Millionen Euro eingespart werden.

Covestro rechnet 2019 mit einem Mengenwachstum im Kerngeschäft im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich und einem operativen Ergebnis von 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Für das abgelaufene zweite Quartal stellte Covestro-Chef Steilemann ein Ebitda auf dem Niveau des ersten Quartals in Aussicht, also etwa 442 Millionen Euro.

Der operative Mittelzufluss soll 2019 auf 300 bis 700 Millionen Euro sinken, nachdem er im Vorjahr 1,67 Milliarden erreicht hatte. Die Kenngröße ist unter anderem für die Dividende wichtig.

Bei seinen nach Ende des ersten Quartals bestätigten Prognosen hatte Manager Steilemann allerdings auf eine Erholung des Autobranche im zweiten Halbjahr gesetzt. Ob diese kommt, scheint derzeit offen.

Das erwarten die Analysten

Die Branchenexperten der Banken rechnen für das zweite Quartal laut einer von Covestro zur Verfügung gestellten Erhebung im Durchschnitt mit einem Rückgang des Umsatzes um fast 16 Prozent auf 3,26 Milliarden Euro sowie mit einem Ebitda-Einbruch um mehr als die Hälfte auf 443 Millionen Euro.

Der Lagerabbau in der Branche dürfte sich fortgesetzt haben, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. Zudem habe Steilemann bei einer Investorenveranstaltung unlängst darauf hingewiesen, dass sich in der Autobranche noch keine Erholung abzeichne. Mayer rechnet zudem mit einer schwachen Nachfrage aus China. Er rechnet daher damit, dass Covestro das obere Ende seiner für 2019 angepeilten angepeilten Ebitda-Spanne senken wird.

Analyst Tim Jones von der Deutschen Bank hält das obere Ende der Spanne tendenziell ebenfalls für zu hoch. Angesichts der weiter bestehenden Unsicherheiten mit Blick auf die Entwicklung der Weltwirtschaft könnte Covestro mit einer Einengung aber bis zur Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal warten, glaubt Jones.

Drei-Jahres-Chart Covestro (in Euro)

Beschleunigte Talfahrt vor einem Jahr

Bayer hatte seine Kunststoff-Sparte 2015 unter dem Namen Covestro für 24 Euro je Papier an die Börse gebracht. Nach wechselhaften ersten Monaten ging es ab Sommer 2016 nach oben. Anfang 2018 erreichte der Kurs angesichts glänzend laufender Geschäfte die Höchstmarke von 95,78 Euro. Anschließend bröckelte der Kurs ab.

Als sich Mitte 2018 eine schwächere Geschäftsentwicklung abzeichnete, folgte ein Talfahrt. Sie fand ihr - zumindest vorläufiges Ende - erst im Juni bei 38,43 Euro. Zuletzt fing sich der Kurs zumindest ein wenig. Zuletzt kosteten die Covestro-Papiere -1,59%  um die 42,50 Euro. In dem Bereich verläuft aktuell auch die 50-Tage-Linie.

An der Börse bringt es Covestro derzeit noch auf einen Wert von rund 7,8 Milliarden Euro. Das bedeutet den drittletzten Platz im deutschen Leitindex Dax. Einen Abstieg aus der ersten Börsenliga halten Experten wegen des hohen Streubesitzes, also frei handelbarer Aktien, aber für eher unwahrscheinlich. So hatte sich Bayer in den vergangenen Jahren schrittweise von Covestro-Anteilen getrennt und hält nur noch einen Restbestand, um eine Umtauschanleihe bedienen zu können.

Mit Material von dpa-AFX

Schlagworte:
, , , , , , ,
Werbung

Passende Hebelprodukte von

WKN Bezeichnung Hebel
Long  DC4ZDN COVESTRO AG O. Wave S 51 2019/12 (DBK) 7,405
Werbung

Das könnte Sie auch interessieren

News-Suche

Suchbegriff:

Aktuelle Videos

zur Mediathek
Werbung

Werbung
Diese Seite empfehlenschliessen
Interessant, oder?
Teilen Sie diese Seite auf Facebook oder Twitter
Wenn Sie auf die Teilen-Buttons klicken und sich bei den Betreibern einloggen, werden Daten an den jeweiligen Betreiber übermittelt. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.
Aktuelle Umfrageschliessen
Glauben Sie, dass der Brexittermin tatsächlich noch einmal verlegt wird?
Jetzt abstimmen!
Alle Umfragen ansehen