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Daimler, BMW, VW: Haben Auto-Aktien die Talsohle hinter sich?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Ab Freitag treffen sich die Regierungs-Chefs zum G20-Gipfel im japanischen Osaka. Das Treffen dürfte entscheidend werden für die Entwicklung im Handelsstreit zwischen China und den USA, der eine Gefahr für die Weltwirtschaft ist.  US-Präsident Donald Trump will sich mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zusammensetzen.

Heute Vormittag kamen mal wieder Entspannungssignale: US-Finanzminister Steve Mnuchin hatte dem US-Finanzsender CNBC gesagt, dass ein Deal zwischen den USA und China zu 90 Prozent ausverhandelt sei. Er hoffe, dass es bald zu einer Einigung komme.

Auto-Aktien steigen

Am deutschen Aktienmarkt machte sich diese Hoffnung durch einen ordentlichen Dax-Anstieg -1,15% um mehr als 80 Punkte bemerkbar. Vor allem die Aktien stiegen daraufhin, die von einem Ende des Handelskriegs profitieren. Dazu gehörten auch die Auto-Aktien Daimler -3,97%, Volkswagen -1,95% und BMW -2,95% sowie Zulieferer wie Continental -2,65%. Allesamt legten sie im Dax zeitweise um gut ein bis 2,5 Prozent zu.

Noch zu Wochenbeginn sorgte Daimler mit einer Gewinnwarnung für Missstimmung. Wegen hoher Rückstellungen im Zusammenhang mit der Affäre um mutmaßlich manipulierte Dieselmotoren sehen die Stuttgarter ihren operativen Jahresgewinn nun nur noch auf Vorjahresniveau. Das stieß das Anlegern bitter auf und die Aktien gaben deutlich nach. Die Papiere der Konkurrenten BMW und Volkswagen fielen ebenfalls.

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius hat keinen leichten Einstand. Mit einer Absatzflaute ohnehin schwach ins Jahr gestartet, wird der Autobauer erneut von der Affäre um mutmaßlich manipulierte Diesel-Motoren eingeholt.

Spitzentreffen im Kanzleramt

Am Montag-Abend traf man sich dann in großer Runde mit Spitzenvertreter der Regierung sowie der Zulieferindustrie in Berlin, um über die Zukunft der für Deutschland so wichtigen Branche zu beraten. Was herausgekommen ist, zeigt folgender Überblick:

Die deutschen Autobauer sehen sich bei der Elektromobilität gut aufgestellt. "Wir sehen uns in einer Wettbewerbsposition, die stark ist", sagte etwa der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes im "Deutschlandfunk". "In den nächsten drei Jahren investiert die deutsche Automobilindustrie 40 Milliarden alleine in die Elektromobilität, in neue Produkte." Man werde das Produktangebot verdreifachen, die Reichweite der Fahrzeuge werde deutlich höher. "Wir tun unseren Beitrag um die Klimaschutzziele zu erreichen, eindeutig", sagte Mattes.

Bund und Autobranche hatten sich darauf verständigt, den Ausbau des Ladenetzes für Elektro-Fahrzeuge in Deutschland weiter voranzutreiben. Mit einem engeren Ladenetz für E-Autos soll der schleppende Absatz elektrischer Pkw angekurbelt und der Klimaschutz voran gebracht werden. Das Laden solle "immer für alle und überall möglich" sein, um "die letzten Bedenken" zu E-Autos zu zerstreuen, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Viel mehr Ladepunkte für E-Autos

Es solle unter anderem einfacher werden, in Tiefgaragen Ladepunkte einzubauen, sagte Scheuer. Ein Gesetzentwurf werde nun in der Regierung abgestimmt. Um die deutschen und europäischen Ziele beim Klimaschutz zu erreichen, sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2030 auf deutschen Straßen 10 Millionen Elektro-Pkw unterwegs sein und 500.000 Elektro-Nutzfahrzeuge. Den Strom sollen sie aus 300.000 Ladepunkten ziehen. Die deutschen Autobauer müssen den Anteil von E-Autos in ihren Flotten steigern, um EU-Vorgaben zu erfüllen.

Bisher kommt der Absatz von E-Autos nur langsam in Gang - trotz Anreizen wie einer Kaufprämie, die gerade bis 2020 verlängert wurde. Nach amtlichen Zahlen gab es zu Jahresbeginn 83.000 Elektro-Pkw und 341.000 Hybrid-Pkw - bei einem Gesamtbestand von 47,1 Millionen Pkw. Eigentlich hatte die Bundesregierung das Ziel, bis 2020 eine Million E-Pkw auf der Straße zu haben.

Zumindest VW -1,95% wirft alles zu Gunsten der Elektroautos in die Waagschale. BMW -2,95% und Daimler -3,97% hingegen sind etwas zurückhaltender und wollen auch andere Antriebsarten nicht aus dem Blick verlieren. Laut einem Zeitungsbericht will BMW seine Elektromodelle nun allerdings schneller auf den Markt bringen. Bereits 2023 - zwei Jahre früher als bisher geplant - sollen 25 elektrifizierte Modelle zu haben sein, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Was den Herstellern bei den teuren Wetten auf die Zukunft so gar nicht hilft: Aktuell herrscht in vielen Teilen der Welt Flaute in den Autohäusern. Die Marke Volkswagen -1,95% hat bislang in diesem Jahr weltweit 5 Prozent weniger Autos verkauft als von Januar bis Mai 2018. Bei Audi ±0,00% waren es fast sechs Prozent weniger, bei Daimlers Kernmarke Mercedes-Benz 4,7 Prozent. Nur BMW liegt mit 1,6 Prozent im Plus.

Krise könnte sich noch verstärken

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Branche weltweit vor einer tiefen Krise. Laut einer Studie seines Forschungsinstituts CAR an der Universität Duisburg-Essen könnte im laufenden Jahr der globale Absatz neuer Autos um gut fünf Prozent auf 79,5 Millionen Stück sinken. Ein derart starker Einbruch war nicht einmal nach der Finanzkrise 2008 beobachtet worden.

Und auch wenn die Gründe für die aktuelle Lage mit Handelskonflikten, einem schwachen Markt in China, Modellwechseln oder neuen Abgasteststandards vielfältig und unterschiedlich sind, ist die Konsequenz doch bei allen Herstellern gleich: sparen, sparen, sparen.

Hinzu kommen diverse strafrechtliche Ermittlungen und zivilrechtliche Verfahren, nicht nur in Deutschland. Das Verbraucher-Musterverfahren gegen VW, das Ende September beginnt, dürfte den Konzern wohl auf Jahre beschäftigen. Ein anderes, in dem es um einen möglichen Schaden für VW-Aktionäre geht, läuft bereits. Im Fall von Daimler wollen Anwälte ebenfalls ein solches Verfahren erreichen.

Offen ist auch noch, wie es im Kartellverfahren der EU weitergeht. Die Wettbewerbshüter werfen BMW, Daimler und VW vor, illegale Absprachen zu Technologien der Abgasreinigung getroffen zu haben. BMW hat als einziger Konzern vorsichtshalber mehr als eine Milliarde Euro für mögliche Strafen zurückgelegt. Daimler hingegen setzt auf die Kronzeugenregelung und erwartet für sich keine Bestrafung.

mmr mit Material von dpa-AFX

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