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Daimler will vor allem bei Mercedes sparen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Update: Chef Ola Källenius will beim Auto- und Lkw-Bauer wegen hoher Kosten spürbar die Zügel anziehen und vor allem beim Personal sparen. Hohe Kosten für das Senken des CO2-Ausstoßes und höhere Abschreibungen dürften dafür sorgen, dass der DAX-Konzern im kommenden Jahr beim operativen Gewinn noch schwächer abschneidet als in diesem Jahr, sagte Källenius am Donnerstag auf einer Kapitalmarkt-Veranstaltung in London.

Um wieder in die Spur zu kommen, will der seit Mai amtierende Nachfolger von Dieter Zetsche allein die Personalkosten um rund 1,4 Milliarden Euro senken, vor allem in der Autosparte Mercedes-Benz. Zusätzlich sollen die Investitionen gedeckelt und gesenkt werden.

Daimler-Aktie unter Druck

Am Markt kam das lange angekündigte Maßnahmenbündel aber nicht gut an, Experten hatten sich offenbar von den neuen Renditezielen mehr versprochen. Die Daimler-Aktie -0,67% sackte nach Handelsbeginn um bis zu 4,7 Prozent ab, zuletzt lag sie noch gut drei Prozent im Minus bei 51,89 Euro. In den vergangenen Wochen hatte das Papier ordentlich Boden gut gemacht vom Jahrestief im August dieses Jahres bei gut 40 Euro.

JPMorgan-Analyst Jose Asumendi wertete die Gewinnziele des Autobauers als enttäuschend. Das untere Ende der Zielspanne für das bereinigte operative Ergebnis 2020 liege rund eine Milliarde Euro unter seiner Erwartung von 9,4 Milliarden Euro, schrieb er in einer ersten Reaktion. Der Ausblick für das kommende Jahr sei schwach, urteilte NordLB-Experte Frank Schwope. Mit dem dringend notwendigen Sanierungsprogramm versuche Källenius nun den Befreiungsschlag.

Zielrenditen von mindestens vier Prozent

Für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars & Vans streben die Stuttgarter 2020 vor möglichen Zöllen eine Umsatzrendite (Ebit) von mindestens vier Prozent an, 2022 soll sie sich auf mindestens sechs Prozent belaufen. Sollten neue Zölle hinzukommen, dürfte die Rendite sogar noch einen Prozentpunkt niedriger liegen, sagte Källenius. Aktuell liege die bereinigte Umsatzrendite 2019 noch bei über fünf Prozent.

In der Kernsparte mit Pkw - also ohne die Vans - hatte Daimler bisher immer eine Zielrendite von acht bis zehn Prozent angepeilt, lag auch wegen der flauen Autokonjunktur und Kosten für die Dieselaffäre zuletzt aber schon deutlich darunter. Bisher hatte der Konzern erklärt, frühestens 2021 wieder zu dieser alten Stärke zurückkehren zu können. Daraus wird nun voraussichtlich nichts. Zu einem detaillierten Renditeziel allein für das Pkw-Geschäft nannte Daimler an diesem Donnerstag keine explizite Zahl. Seit Anfang November gilt im Konzern die neue Struktur, die Pkw und Vans unter der Mercedes-Benz AG zusammenfasst.

12-Monats-Chart Daimler (in Euro)


Im Geschäft mit Lkws und Bussen peilt Daimler 2020 eine Umsatzrendite von mindestens fünf Prozent an, 2022 soll sie auf mindestens sieben Prozent klettern. Bereits mit den Zahlen zum dritten Quartal hatte Daimler vor einer Verschlechterung der Bedingungen gewarnt, weil die Weltkonjunktur lahmt und die Trucksparte stark davon abhängig ist. In diesem Jahr habe die Sparte noch eine Umsatzrendite von rund sechs Prozent aufzuweisen.

Die Renditeziele der Sparten für die kommenden Jahre seien offensichtlich für einige enttäuschend, dessen sei sich das Management bewusst, sagte Finanzchef Harald Wilhelm. Die Unternehmensführung wolle den Anlegern aber so viel Transparenz wie möglich geben.

Hohe Investitionen

Daimler muss viel Geld aufwenden für die Erfüllung der CO2-Emissionsziele ab dem kommenden Jahr. Man komme in Reichweite dieser Ziele durch den Einsatz von Techniken wie 48-Volt-Bordnetz-Systemen und dank neuer Elektro- und Hybridmodelle, sagte Källenius. Die von der EU gesetzten Grenzen beim Ausstoß von Kohlendioxid zu unterschreiten, sei aber unrealistisch. Weil Daimler in den vergangenen Jahren viel in neue Modelle und Technik investiert hat, lasten künftig auch höhere Abschreibungen auf dem Gewinn.

Bis 2022 sollen mehr als 20 neue elektrifizierte Modelle auf den Markt kommen. 2021 soll der Anteil 15 Prozent am Verkauf ausmachen. Das belaste die operative Marge in den Jahren 2019 bis 2022 um rund einen Prozentpunkt.

Källenius will mit einem strikten Sparkurs gegensteuern. Bis Ende 2022 sollen die Personalkosten in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars um mehr als eine Milliarde Euro sinken. Dazu soll im Management jede zehnte Stelle wegfallen. Im Geschäft mit Trucks und Bussen habe der Konzern in Europa ein Programm in die Wege geleitet, um die Personalkosten um 300 Millionen Euro zu senken. Bei den Vans sollen die Personalkosten um 100 Millionen runter.  (Mit Material von dpa-AFX)


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