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Das Lehrstück

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Das Lehrstück

 

Das Börsenjahr 2019 war ein Lehrstück dafür, wie Gefühle und Stimmungen ins Leere laufen und die Realitäten das Bestehende korrekt abbilden. Das hat es in dieser Form selten gegeben und darin liegt die Lehre:

 

Donald Trump und Brexit waren jeden Tag in allen Medien präsent, gleich in welcher Form, doch stets mit umfangreichen Meinungen, aber wenig Fakten. Vom Biertisch bis zum Kabinettstisch in Berlin lief alles in Richtung Ängste und Befürchtungen, aber ohne nachhaltige Belege. Eine Zahl kann man schätzen: Über die Sozialen Netzwerke waren wohl alleine in Deutschland permanent 50 bis 60 Mio. Menschen reihum unterwegs. Dazu gehören Doppelzählungen, wie nicht anders möglich. Für Europa lässt sich dies multiplizieren. Doch es bleibt dabei: Sehr viele Meinungen, aber wenig Fakten. Das hatte Folgen:

 

Jeder, der Angst hat oder bestimmte Dinge befürchtet, wird zurückhaltend. Insbesondere die Unternehmer, die darauf verzichten, zu investieren, ihr Geld zusammenhalten, die Vorräte reduzieren und damit die Nachfrage sowohl nach Maschinen wie Rohstoffen automatisch auf den tiefstmöglichen Punkt zurückfahren. Das gab es schon einmal für ganz kurze Zeit. Ein Beispiel aus 2009: Ein großer Autokonzern fuhr seine Realtime-Zulieferungen von seinen Systemlieferanten bis auf einen 4-Stunden-Takt zurück, was als völlig unmöglich galt, aber für ein paar Tage dennoch richtig war. Daraus folgte dann der massive Einbruch im Autobau. Soweit bisher bekannt, fuhr der gleiche Konzern in diesem Jahr die gleiche Zulieferung zeitweise von bislang 10 bis 12 Stunden auf etwa 5 Stunden zurück. Normal ist - inklusive Pufferzeiten - eine Karenzzeit um 12 bis 24 Stunden, je nach Entfernungen. Was ist daraus entstanden?

 

Ein massiver Einbruch in den Lieferbeziehungen inklusive Investitionen alleine aus den Befürchtungen eines Einbruches. Zusätzlich wurde dies gefördert von umfangreichen Warnungen aller Art der Verbandspräsidenten und Chefvolkswirte bis zu den Konjunkturgurus in den letzten 8 Wochen.

 

Alle Konjunkturforscher waren noch im August/September auf der Talfahrt des Wirtschaftswachstums mit + 0,5 % per 2020. Ohne größere Erklärungen wurden sie vor 8 Tagen plötzlich munter und liegen aktuell bei + 1 %. Es ist unschwer anzunehmen, dass diese Prognose schon in zwei Monaten wieder falsch sein wird. Dann geht es in Richtung 1,5 %. Warum?

 

Der genannte Lieferstrom schlägt nach der massiven Abmagerungskur ins Gegenteil um. In diesem Effekt steckt die ebenso völlig überraschende Wende bis zur Normalität. Vor exakt 10 Jahren dauerte es etwa 3 – 5 Monate, um das ursprüngliche Niveau wieder zu erreichen. Das lässt sich aus den Grafiken, die durchweg vorliegen, leicht erkennen.

 

Der Markt fuhr völlig anders. 27 % DAX-Plus per heute hätte ich auch nicht vorausgesagt. Doch dass dies der richtige Kurs war, konnte man Woche für Woche an den Engagementverhältnissen ablesen. Wer waren die Investoren, die immerhin bei Größenordnungen um 3 Mrd. € Umsatz pro Tag im DAX oder brutto um 3,6 Mrd. € investiert haben? Zum einen die kontinuierlichen Investoren, die über sogenannte Sparprogramme aller Art von klein bis groß permanent ihre Strategie umsetzten, in Qualitätsaktien investiert zu sein. Faktisch gleichartig von A bis Z oder Adidas bis Wirecard im DAX. Darin zeigt sich die Qualität nachhaltiger Investitionen, wie sie von vielen Fonds plausibel durchgeführt werden. Die zweite Partei waren ausländische Investoren, die Deutschland als grundsätzlich solide eingestuft haben. Es gab kaum eine Besonderheit bis auf den Sonderfall Wirecard oder die schwierige Einschätzung der zwei deutschen Banken mit besonderem Hintergrund und schließlich die Problematik des Umbaus des Autosektors in E-Mobility. Das Ergebnis ist unschwer zu formulieren:

 

An der Börse zählt Kontinuität. Wer nur 250 € pro Monat regelmäßig in Aktien investiert (es brauchen nur zwei oder drei sein) und dies über 45 Arbeitsjahre hinweg durchzieht, hat gute Chancen, als Millionär in Rente zu gehen. Wer etwas weniger monatlich beiseitelegt, kann mit etwas weniger rechnen. Die Deutschen benötigen pro Monat 14 % ihres Nettogehaltes für Nahrungsmittel aller Art, aber über 28 % für den Sektor Freizeit/Urlaub. Dazu gehört auch Spaß. Legt man diese Zahl als Maßstab an, käme man auf monatliche Beträge um etwa 150 € für die genannte Kapitalanlage zur Altersvorsorge. Dann wäre man am Ende der Arbeitszeit ggf. nicht Millionär, aber vielleicht ein Beinahe-Millionär. Denn der Anspruch jedes Rentners in Deutschland gegenüber dem Staat für die Zeit „nach der Arbeit“ addiert sich zurzeit, gemessen an der Demographie, auf etwa 300.000 €. Dieser Betrag ist sogar einklagbar. Jedenfalls: Kein Investment ist sinnvoller als eine kontinuierliche Investition in Aktien.

 

Das Weihnachtsgeschenk sieht natürlich anders aus. Wer in diesem Jahr lediglich den DAX regelmäßig gehandelt hat, was jeder jeden Tag nachvollziehen kann, und dafür für die TBD 3,95 € pro Ausgabe bzw. 76,€ pro Monat bei einem Abonnement aufwendete, machte per heute einen Gewinn von über 600 % addiert. Das hat in Deutschland nur eine geschafft: Die TB-Daily.

 

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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