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DEPOT_UPDATE: MDAX bleibt der bessere deutsche Index

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Nun ist es also amtlich. Am 24. September steigt Wirecard wie erwartet (siehe IE von gestern) in den Dax auf und schubst die Commerzbank in die zweite Börsenliga. Aber dies ist eigentlich die weniger bedeutende Neuigkeit in Hinblick auf die an diesem Tag anstehenden Veränderungen in den wichtigsten deutschen Indizes. Denn am selben Tag tritt auch das neue Indexregelwerk der Deutschen Börse in Kraft, in dem Mdax und TecDax völlig neu aufgestellt wird. Vieles ist hierzu schon gesagt, deswegen hier nur noch das Wesentliche in aller Kürze:

Mit der nächsten Indexanpassung entfällt die Trennung zwischen Technologiewerten und Unternehmen aus sogenannten „klassischen“ Branchen. Stattdessen wird der Mdax in seiner Logik dem Dax angepasst und enthält künftig  einfach die nächstgrößeren Unternehmen nach den 30-Dax-Titeln. Die „dürfen“ dann also auch in Hightech-Branchen aktiv sein und können trotzdem mit einer Mdax-Mitgliedschaft geadelt werden.

Der TecDax wird derweil zum Branchenindex, der alle deutschen Unternehmen zusammenfasst, die sich in den von der Deutschen Börse als „Technologie“ eingestuften Sektoren tummeln. In deren Denke gilt dies etwa für die Deutsche Telekom, nicht aber für Rocket Internet oder Zalando. In der Denkwelt der Deutsche Börse ist Telekommunikation nämlich per se „Technologie“, die Finanzierung oder der Betrieb von Online-Plattformen aber nicht. Demnach hätte eine Amazon in Deutschland wohl keine Chance in den TecDax zu kommen, weil die eben – wie Zalando – auch nur klassischen Einzelhandel betreiben. Oder so ähnlich. Kurzum: der TecDax war in der Vergangenheit kein wirklich relevanter Index und er wird es wohl auch künftig nicht werden. 

Ganz anders sieht es da beim Mdax aus. Der auch in dem Basis-Musterdepot eingesetzte und schon länger favorisierte Index für die Abbildung deutscher Aktien, wird künftig noch reizvoller. Und das obwohl (oder gerade weil?) Wirecard als künftiger Dax-Wert erst einmal nicht dabei sein wird. Dafür aber vor allem viele relevante und hochinteressante Unternehmen aus den Boombranchen Medizintechnik und Biotechnologie. Die durften bislang nämlich nicht in den Mdax, weil das eben zu viel mit Technologie zu tun hat.

Tatsächlich zeigt sich beim Blick auf die Zusammensetzung des seit Juni simulierten neuen Mdax(60)-SIMU und der jetzt verkündete Auswahlliste für den dann echten Mdax-60, dass die wichtigsten Neuaufnahmen aus eben diesen Segmenten kommen: Qiagen, Siemens Healthineers, Sartorius, Morphosys , Evotec. Die ersten drei davon werden auch bei der Gewichtung zu den größten Wechselkandidaten vom Tec- in den neuen Mdax gehören und dann vermutlich auch gleich in der Top-10 starten.

Ob all dies dann tatsächlich dazu führt, dass der Mdax-60 künftig volatiler sein wird als der alte Mdax wird sich noch zeigen. Denn neben den Unternehmen aus den genannten Wachstumssegmenten wird ja auch eine Reihe von echten Dividendenperlen in den neuen Nebenwerte-Index wechseln. Und solche gelten gemeinhin ja als weniger schwankungsfreudig: Telefónica Deutschland und Freenet werden derzeit mit Dividendenrenditen von mehr als 7% ausgewiesen. Auch 1&1 Drillisch und Siltronic stehen mit Werten weit über 3% in den Statistiken.

Soll heißen: Die Verstärkung des Mdax durch wichtige Zukunftsbranchen einerseits und ein paar solide ausschüttungskräftige Klassiker andererseits, dürfte den Index insgesamt noch reizvoller machen, als er sowieso schon war. Und dies alles vor dem Hintergrund, dass es im Dax derzeit von Unternehmen  wimmelt, die zwar sehr groß sind, aber bei denen es aus unterschiedlichsten Gründen knirscht und knackt.

Dazu gehören zum Beispiel die Autogiganten, die in den nächsten Jahren erst noch beweisen müssen, dass sie nicht nur bei der Manipulation sondern auch bei der Innovation weiter zur Elite gehören – und die derzeit offensichtlich niemand haben will (dies nämlich ist die andere Interpretation der niedrigen Bewertungskennzahlen bei den deutschen Autobauern). Hier wäre noch Continental zu ergänzen, die gerade mit einer doppelten Gewinnwarnung die Börsianer verstreckt haben.

Ebenfalls frisch in den Rang der Sorgenkinder aufgestiegen ist Bayer, deren Zukauf Monsanto noch allerlei Probleme bereiten kann. Und dann sind da noch die bereits etablierten Problem-Kandidaten aus der Energieversorgung und der Stahlindustrie und natürlich allen voran die Deutsche Bank.

Allein diese kleine Auswahl kommt im Dax auf eine Gewichtung von beinahe 30 Prozent. Würde man noch die beiden Versicherer – wegen der ungünstigen Rahmenbedingung der andauernden Nullzinspolitik – hinzunehmen, würde der Anteil auf nahezu 40 Prozent des Dax ansteigen. Und dann kommt ja noch die Börsenrakete Wirecard dazu, bei der viel Potenzial für allerhand Gewinnmitnahmen im Kurs enthalten ist.

Alles in allem bleibt der Mdax damit kurz- und mittelfristig erste Wahl. Und dies nicht trotz, sondern gerade wegen der Neuordnung der Indexfamilie…

Ralf Andreß

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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