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Der Blitzschlag

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Märkte haben lange darauf gewartet, bis der Blitz einschlug. Wie immer weiß man nicht, woher er kommt, welche Wolken er mitbringt, aber das Gewicht ist bekannt: Ein Blitz hat so viel Energie, dass eine Großstadt wie New York ein Jahr mit Strom versorgt werden könnte, wenn man ihn denn einfangen könnte. Das ist bis jetzt noch nie gelungen.

 

Knapp 10 % DAX-Verlust in zweieinhalb Tagen lässt ahnen, wie solche Einschläge in das Marktbild erst wirken, dann verarbeitet werden und anschließend nach dem Abzug aller Wolken eine Fortsetzung der bisherigen Trends bewirken. Im Bernecker Tradingclub konnten wir unsere Short-Spekulationen diese Woche mit Gewinn glattstellen.

 

Es genügt ein Rückblick auf den letzten Sommer. Im Juli/August stieg die Rezessionsangst in Deutschland auf den Höhepunkt. Die Ökonomen hatten umfangreich damit zu tun, die deutsche Rezession zu beschreiben, aber am Ende lag keiner richtig. Das kostete den DAX exakt 11,8 % in etwa 18 Börsentagen. Der mittlere Wert lag bei rd. 7 % Verlust in drei Tagen.

 

Diesmal waren die Viren der Auslöser. Niemand konnte dies voraussagen oder ahnen. Deshalb ist es ein Blitz. Der Einschlag hat gesessen. Wie geht es weiter?

 

Das Coronavirus und seine Wirkungen sind nicht zu unterschätzen. Wir reden hier nicht von den menschlichen Problemen oder Schicksalen, doch sie haben eine psychologische Wirkung, die sehr weit reicht, aber auch gut zu steuern ist. Das liegt vor allem an der öffentlichen Wahrnehmung. Die andere Frage ist interessanter:

 

Die wirtschaftlichen Folgen einer Epidemie sind ebenso logisch wie historisch gut nachweisbar. Dass die heutige Pharmazeutik und Chemie das Thema in den Griff bekommen, ist nicht zu bezweifeln, aber: China erwartet den Höhepunkt erst im April und der deutsche Gesundheitsminister kündigt eine breitere Epidemiewelle an. Beides ist ernst zu nehmen. Mithin: In diesem Umfeld bildet sich ein Bodensatz des Vertrauens, und zwar im gleichen Umfang, wie die Meldungen aller Art zu diesem Thema täglich vorliegen. Auch die erfolgreichsten Konzerne der Welt wie Apple und Microsoft nahmen bereits ihre Umsatzziele für dieses Jahr zurück. Um wie viel ist unklar. Fast jede Branche ist irgendwo an irgendeiner Stelle betroffen. Roundabout: Die Wirkung dieser Epidemie kostet der Weltwirtschaft ein halbes Prozent Wachstum. Das wäre in der Summe geschätzt rund 1 Bio. $. Dies einzupreisen ist nun die Aufgabe der Märkte. Dafür gibt es ein Muster oder Modell:

 

Der erste Schreck ist stets der größte, den wir gerade mit den genannten 10 % schon absolviert haben. Nun folgen umfangreiche Auf- und Abbewegungen, die die übliche Volatilität widerspiegeln. Gibt es Grenzwerte? Die genannten 10 % reichen nicht, 15 % sind wahrscheinlicher, aber 20 % wären ein Worst Case. Erkennbar ist dies nur daran, wie die Umsätze täglich mit den jeweiligen Kursveränderungen korrespondieren. Daran erkennt man, wie viel Geld den Markt verlässt und wie viel wieder zurückkommt. In den letzten Tagen lag der DAX-Umsatz über 7 Mrd. € pro Tag und damit doppelt so hoch wie normal. Auch 8 oder 9 Mrd. € sind denkbar, aber sie wären ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass ein Ausverkauf stattfindet. Jeder Verbraucher weiß: Schlussverkauf ist ein begrenztes und kein Dauererlebnis.

 

In einer solchen Situation sind die Unternehmensergebnisse ohne Interesse. Für den deutschen Markt, insbesondere den DAX, spielt dabei das Verhalten der ausländischen Investoren eine große Rolle. Denn sie kontrollieren mehr als 53 % des ganzen DAX. Wahrscheinlich ist deshalb, dass neben dem Virusproblem auch das deutsche Regierungsproblem eine Rolle spielt. Jedenfalls gibt es brauchbare Ansätze dafür, dies zu unterstellen. Damit haben DAX & Co ein doppeltes Problem.

 

Fazit für diese Woche und vorausgehend für die nächste Woche: Die nächsten fünf bis sechs Börsentage liefern den ersten Ansatz dafür, auf welcher Ebene sich die Stabilisierung nach allen Ängsten ankündigt.

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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