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Der Energiekollaps

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die deutsche Energiewende steht vor einer einschneidenden Zäsur. Alles war wunderbar geplant, aber leider falsch. Nun drücken sich die Termine, die Kapazitäten und die politische Meinungsbildung auf engstem Raum zusammen. Inzwischen klar und technisch bewiesen, aber von der Politik hartnäckig unterdrückt. Jeder kann es nachvollziehen.

Der Ausstieg aus Atomstrom und der schnelle Ausstieg aus dem Kohlestrom mit den bisherigen Terminen ist unmöglich, weil eine Versorgungslücke entsteht, die zwischen 15 bis 18 % der deutschen Stromversorgung ausmacht, die im Inland nicht zu schließen wäre und nur über Import von Strom überbrückt werden kann. Einige bekannte Manager, so die Chefs von VW und Linde, hatten auf diesen Sachverhalt kürzlich bereits hingewiesen. Denn:

Der Ausbau der Windkraft ist bereits gestoppt. Die dafür zuständige Netzagentur hat mit ihrer eigenen Ausschreibungspolitik dafür gesorgt, dass die Verfahren für die Ausschreibung seit zwei Jahren schrittweise zurückgefahren oder abgebrochen wurden, weil die Bedingungen für die Ersteigerung von Baugenehmigungen zwar politischen, aber völlig unsachlichen Zielen unterlagen. Das Stichwort sind die Bürgergemeinschaften, denen Genehmigungen erteilt wurden, obwohl sie weder über die Finanzierung noch über technische Ausrüstungen verfügen. Man wollte damit verhindern, dass die großen Bieter ihre dominierende Stellung behalten. Ergebnis: Es wird etwa 1 ½ bis 2 Jahre brauchen,  um diesen Knoten zu lösen.

Die Solartechnik wurde mutmaßlich getötet. Den früheren Subventionen folgten alle Verbote, so dass die deutsche Inlandsproduktion fast völlig zum Erliegen kam. Aus dem Führungsanspruch der Deutschen in der Solartechnik wurde eine Null gebaut.

Der Ausstieg aus dem Kohlestrom ist technisch jederzeit möglich, aber in den Kapazitäten nicht zu ersetzen. Nur ein Rückbau des Kohlestroms über etwa 10 bis 15 Jahre erfordert den Aufbau einer alternativen Energiequelle in der gleichen Größenordnung, wofür die Schätzungen für die Investitionen bei 30 – 35 Mrd. Euro liegen. Mithin: Ohne die Verlängerung der Genehmigungen für Atomenergie um vermutlich fünf bis sieben Jahre wird es also nicht gehen. Das ist ein Politikthema, ein Stimmungsthema in Deutschland und eine ökonomische Frage, deren Größenordnung im Bereich von 10 – 12 Mrd. Euro liegt, die nötig sind, um Nachinvestitionen oder Neukosten zu decken.

Damit ist der Energiekollaps hinreichend beschrieben. Bis zur Stunde gibt es jedoch keinen Politiker in Berlin, der diesen Sachverhalt eindeutig darlegt, begründet und über die politischen Konsequenzen zu debattieren bereit ist. Wie ist dies aus der Sicht der Börse zu betrachten?

Die Neuordnung der deutschen Energiekonzerne ist hinreichend gelöst, aber unzureichend in den Zielsetzungen, die neu formuliert werden müssen. Ob es also bei den bisherigen Gliederungen bleibt, ist vorerst offen. Aber: Eine neue Bundesregierung wird nicht umhin können, sich dieses Themas unbedingt und kurzfristig anzunehmen. Dann ergibt sich lediglich die Annahme, dass jede Verlängerung der genannten Ausstiegsdaten grundsätzlich einen Vorteil für die Altversorger bzw. deren Abkömmlinge  bietet. Denn:

Über allem steht die Tatsache: Die deutschen Strompreise sind bereits die höchsten in Europa und im internationalen Industrievergleich. Jede Änderung der geschilderten Verhältnisse beinhaltet sowohl das Risiko noch deutlich erhöhter Strompreise oder das Gegenteil davon. Das wird spannend.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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