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Der falsche Fuß

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

An der Börse ist der falsche Fuß eines der schlimmsten Vergehen, dessen man sich schuldig machen kann. Manchmal auch nur, weil man Pech hat. Was in den letzen Tagen passiert ist, ist so ein Fall, der auch ein Lehrfall ist.

 

Vor drei Tagen hätte niemand darauf gewettet, dass Madame Lagarde künftige EZB-Chefin wird. Sie stand auf keiner Liste, aber sie steht dafür, dass die EZB eine ganz saubere Gelddruckmaschine sein wird. Um Europa zu retten, wird sie jedes geldpolitische Mittel einsetzen, was sie schon in der Griechenkrise unzweideutig formuliert hat. Damals war sie Finanzministerin in Paris. Das bedeutet billiges Geld; wenn es geht, endlos, und solange es nötig ist. Mehr ist im Moment noch nicht zu sagen, aber: Stabilität à la Jens Weidmann ist vorerst kein Thema.

 

Vor einigen Wochen veröffentlichte die Bank of America das eigentlich sensationelle Ergebnis der üblichen monatlichen Umfrage bei 230 Fondsmanagern, die rund 645 Mrd. $ verwalten. Es ist die größte Gruppenumfrage dieser Art, die es gibt. Einige Schlaglichter, worüber die Börsen-Zeitung berichtete: 87 % der Befragten sehen die Weltwirtschaft in einem späten Stadium. Die Cash-Quote lag nach dem größten Anstieg seit August 2011 bei 5,6 %. Netto 21 % der Befragten waren in der Asset Allokation mit einer Untergewichtung in Aktien unterwegs. In der relativen Gewichtung von Aktien zu Anleihen ergab sich die niedrigste Gewichtung seit März 2009. Das war damals der tiefste Marktstand in der bekannten Finanzkrise.

 

Die Shortseller im DAX und MDAX haben sich in den letzten vier Wochen spektakulär quergestellt. Die Shorts sind geradezu explodiert. Eine Begründung gibt es nicht, aber die Fakten sind eindeutig. Laut DZ-Bank befürchten sie eine weitere Verschlechterung der Gewinnerwartungen, also umgedreht Gewinnwarnungen. Einige Zahlen, über die die Börsen-Zeitung inkl. Daten von IHS Markit berichtete: Bei Daimler stieg der Anteil der verliehenen Aktien (als Indikator für Short-Engagements am Markt) um 326 % auf 3,6 % des Marktwertes, bei Bayer um 112 %, bei Conti und Lufthansa um 75 % bzw. 73 %, bei HeidelCement sogar um 369 % etc., etc.

 

Im MDAX sprangen die Anteile von verliehenen Aktien bei Metro um 205 % auf 8,3 % und für Rocket Internet sogar um 859 % auf 5,6 % des Marktwertes. Bei Osram sind 17,4 % aller Aktien verliehen bzw. short. Gestern boten zwei Finanzinvestoren für Osram 3,4 Mrd. € und werden demnächst wohl etwas drauflegen müssen. Wie auch immer:

Shorts müssen eingedeckt werden. Mit dem Hintergrund, der sich nun an den Märkten darstellt, kann sich jeder denken, wo die jeweiligen Aktien mit ihren Kursen landen werden. Das nennt man „auf dem falschen Fuß erwischt“.

 

Dafür gibt es keine Statistik: Die Relation von Pessimisten zu Optimisten in der beginnenden Berichtssaison liegt in Frankfurt bei etwa 70 zu 30. Überwiegend werden negative Ergebnisse für das erste Halbjahr erwartet und ein sehr vorsichtiger Ausblick für das zweite Halbjahr. Die Optimistenquote ist etwas unklarer, weil es einige helle Köpfe gibt, die diesem Stimmungsbild misstrauen. Darin liegt die Wahrscheinlichkeit, dass erstere jetzt schon auf dem falschen Fuß stehen. Börsentechnisch gesprochen heißt das: Sie erwarten fallende Kurse. Doch alle Kurse der Qualitätstitel habe noch immer ein weitaus größeres Erholungspotenzial als ein Restrisiko. Die berühmten Prozentpunkte können Sie jeden Tag in den Tabellen ablesen. Im gleichen Umfang, wie sie also in den kommenden 6 Wochen (Berichtssaison) ihre Meinungen korrigieren müssen, dreht sich auch das Meinungsbild. Mithin:

 

Eine Hochrechnung des DAX ist zurzeit etwas schwierig. Doch die zwei wichtigsten Gruppen im DAX, nämlich Chemie und insbesondere Auto, werden durchweg negativ beurteilt. Hält dieses Bild? Wehe, wenn sich die Meinung zu den Autos dreht. Denn in diesem Falle geht es alleine um Meinungen und keine Fakten. Bei einem KGV von 5 bis 6 per 2020 kann man von Fakten nichts mehr erwarten. Falsch liegen können nur noch die Meinungen.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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