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Der Huawei-Schreck

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Ausgrenzung von Huawei aus dem amerikanischen Telekommarkt, ob ganz oder teilweise, eröffnet eine neue Dimension für den internationalen Verkehr. Autos kann man hin und her liefern, es  auch unterlassen oder ganz ausgrenzen, aber: Als größter Abnehmer von Industrieprodukten aller Art in der Welt und als jeweils lukrativster Markt der Welt aus der Sicht aller anderen, ergeben sich umfangreiche Kombinationen und Konsequenzen.

 

Die internationale Verflechtung ist inzwischen so eng, dass jedes Unternehmen in diese Zange geraten kann, wenn die Amerikaner meinen, dass sie gegen chinesische Firmen vorgehen müssen. Von der Huawei-Ausgrenzung ist angeblich Infineon am meisten berührt, wenn auch die Prozentsätze strittig sind. Die Dimension geht in eine andere Größe oder Richtung:

 

Das Kräfteverhältnis zwischen USA und China ist durch die jüngsten Größenordnungen der betroffenen Zölle schon klar geworden. 300 Mrd. $. Für China-Exporte nach USA gegen 60 Mrd. $ US-Exporte nach China, die mit Zöllen belegt sind. Schwieriger wird es, wie man die wichtige Lücke füllt, die unter dem Sammelbegriff Kommunikationsindustrie eingeordnet ist. Das ist der Punkt, an dem die Chinesen nicht nachgeben können oder wollen und der kürzlich vom Leiter der China-Delegation als bittere Pille beschrieben wurde. Um sich durchzusetzen sind die Amerikaner letztlich gezwungen, alle China-Unternehmen, die in diesem Umfeld tätig sind, also auch Huawei als Ausrüster und Handyhersteller, unter den gleichen Zwang zu stellen, unter dem Google, Facebook, Apple oder Amazon in China stehen. Wie geht man damit um?

 

Welche europäische Regierung den Mut haben wird, Huawei dennoch zuzulassen, etwa bei der Ausrüstung der 5G-Netze, wissen wir nicht. Dazu bedarf es einer Courage. Wer diese in Berlin aufbringen soll, ist völlig unbekannt. Denn: Es handelt sich um ein sehr klares technisches Problem, wie beschrieben, womit eigentlich nur die Amerikaner und die Chinesen zu tun haben. Es ist sehr wohl möglich, sich aus diesem Disput zurückzuziehen, ohne das Gesicht zu verlieren und ohne Geschäfte aufzugeben. Darin wird die diplomatische Kunst liegen, wie die Vertreter Deutschlands in Washington ihre Stellung verteidigen. Klar ist jedenfalls:

 

Da die Chinesen nicht über so viele Produkte verfügen, die sie mit Zöllen belegen können, sind sie mit der Ausgrenzung von Huawei und demnächst auch anderen sehr wahrscheinlich empfindlicher zu packen. Denn die Amerikaner verfügen wiederum über keine so gewaltigen Produkte, auf die die Chinesen angewiesen sind. Die Ausnahme ist Boeing, wo es einen besonderen Konsens gibt, der regelmäßig ausgeblendet wird.

 

Ergebnis: Der Huawei-Schreck ist ein Schreck oder ein Warnschuss. Es scheint jedoch ratsam, die Firmen vorerst als Investment auszublenden, die in diesem Zusammenhang unter Zugzwang geraten könnten. Die Autolieferanten sind nur der absolut kleinere Teil. Durchgerechnet für alle drei großen Konzerne beträgt der Anteil der echten Exporte aus Deutschland nach USA etwa 5 – 6 %. Der überwiegende Teil der Verkäufe in den USA wird bereits in den USA montiert. Spitzenreiter ist BMW. Aber: Die Deutschen kann man am besten dadurch schrecken, dass man mit dem Autozoll winkt. Eine kompetente Persönlichkeit in Berlin könnte diesen Sachverhalt sehr wohl zurechtrücken. Leider gibt es den nicht.

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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