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Der Umbau

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der deutliche Einbruch der Industrieproduktion im Juni wurde soeben als Schock eingestuft (sowohl Aufträge als auch Produktion). Doch dies war kein Schock, sondern ein eigentlich freudiges Erlebnis. Das wiederum erstaunt, weil es dies in dieser Art rückblickend ganz selten oder nie gegeben hat.

 

Die Deutschen sind bekanntlich nicht die schnellsten, aber in der Qualität die besten. Wer sich den Einbruch näher ansieht, erkennt sofort, worum es geht:

 

Der Umbau von der klassischen Autotechnik zur E-Mobility wird voraussichtlich ein Jahrhundertereignis werden, nicht nur in der Tatsache selbst, sondern in den Begleiterscheinungen. Wir haben uns dies um den sog. Daimler-Schornstein herum bei drei Kleineren erklären lassen bzw. es wurde uns vorgeführt. Unisono gilt:

 

Gut 30 % der bisherigen Produktion wird schrittweise zurückgefahren oder ganz eingestellt und zugunsten der E-Mobility umgebaut. Das bedeutet, dass ebenfalls rd. 30 % der dazugehörigen Werkzeuge und Techniken entweder umgebaut oder total ersetzt werden müssen. Doch gibt es im Markt weder ausreichend neue Werkzeuge noch sind diese genügend erprobt, um für größere Serienfertigungen eingesetzt zu werden. Keiner verfügt über die ausreichende Ausstattung bis zum Bau für Serien oberhalb von 100.000 Stück. Übertragen auf den zitierten Einbruch: Laut Umfragen in Baden-Württemberg und Bayern, den zwei wichtigsten Bundesländern für Autobau, entfallen etwa 62 % dieser Konstellation auf Verzicht von Investitionen, die anschließend neu aufzubauen sind. Nur 16 bis 18 % entfallen auf den Export und davon angeblich die Hälfte auf deutsche Firmen im Ausland, die vor dem gleichen Problem stehen. Dagegen erschreckend, aber verständlich: 12 bis 15 % der Mittelbetriebe haben ihre Investitionen einfach verschoben, indem sie den Medienberichten folgten, wonach der Brexit und der Zollkrieg zu einer nachhaltigen Rezession führen werden. Einen solchen Zusammenhang hat es rückblickend in den letzten 40 Jahren nicht gegeben. Gewisse Ähnlichkeiten gab es im Zuge der Ölkrise mit dem damaligen Umbau in der Motorentechnik. Was macht die Börse daraus?

Alle Zulieferer stecken in der gleichen Situation wie eben beschrieben, ohne Ausnahme. Unterschiedlich je nach Produkt, aber in den gleichen Größenordnungen. Entsprechend fallen zurzeit die Ergebnisse aus und anschließend die Perspektiven. Das eine ist Vergangenheit, das andere ist Zukunft. Darauf wird es ankommen:

 

Die Zulieferer allesamt abzustufen, ist gängige Praxis der Analysten. Ob sie mit den Betreiben ernsthaft über die Problematik diskutiert haben, wie oben dargelegt, ziehen wir in Zweifel. Denn jeder Zulieferer kann vorerst nur reagieren und kaum agieren. Denn die Pläne für neue Produkte kommen von den Autobauern und müssen anschließend umgesetzt werden. Das braucht Zeit. Lohnt es sich, darauf schon zu setzen? Rd. halbierte Kurse sind verlockend. Die technischen Perspektiven sind andererseits schon gut erkennbar. Mit großem Eifer wird daran gearbeitet, aber ohne griffige Perspektiven des Managements wird es nicht gehen. Das erlebten wir in den genannten Fällen aus persönlicher Sicht.

 

Was lässt sich denken? Vor 2021 werden die Großen, wie Bosch oder Continental, keine ganz griffigen Belege für den Umbau liefern können. Kleinere Spezialisten möglicherweise vorher, aber sie wären gut beraten, wenn sie quartalsweise oder halbjährlich solide erklären, wie dieser Umbau läuft und mit welchen Konsequenzen. Andernfalls bleiben sie in der Ecke stehen. 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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