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Der Unterschied

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Dass der deutsche Autobau die Kernfrage der deutschen Konjunktur darstellt, ist inzwischen weitgehend angekommen. Weder Chemie noch Elektrotechnik oder ein anderer Sektor haben dieses Gewicht. In einer solchen Situation geht es nicht um Autozyklen, sondern um strategische Entscheidungen von größtem Wert. Der Unterschied zwischen den drei Autokonzernen könnte jedoch kaum größer sein.

 

Ich erlaube mir in dieser Sache die Situation so darzustellen, wie sie in der aktuellen Actien-Börse nebst Chart nachzulesen ist. Deshalb ausnahmsweise als Zitat:

 

„Der Schnellste und Konsequenteste wird der Gewinner sein. Das ist die Situation der drei großen Autokonzerne nach den angekündigten Statements der letzten Wochen. VW befindet sich mit 60 Mrd. € Investitionsvolumen in der Poleposition. Dabei geht es nicht um einen Firmenkauf, sondern um echte Industrie-Investitionen rund um die E-Mobility. Schwerpunkt ist China als Standort, aber mit einem Anteil von etwa 70 % deutscher Maschinen als Produktionsgrundlage. In München und Stuttgart treten zwei neue Chefs mit unterschiedlichen Profilen und Plänen an, die wir wie folgt beurteilen und als Investorenwette einordnen:

 

Daimler hat den falschen Chef. Seine Ausführungen auf dem Kapitaltag in New York vor ca. 10 Tagen sind der Aufhänger. Herr Källenius will 1 Mrd. € Gehälter sparen und 1.000 Manager nach Hause schicken. Die Investitionen werden reduziert, um zu sparen. Vorbeugend hatte er bereits im Juli für mehr als 1,5 Mrd. € Vorsorge getroffen. Alle weiteren Ausführungen in New York sorgten für Entsetzen und die erste Reaktion im Markt waren - 5 %.

 

Damit dokumentiert der CEO, dass er vielleicht aufräumen kann, was sein Vorgänger zurückließ, aber nicht weiß, wie er einen Weltkonzern der Autoklasse für die künftigen Herausforderungen aufstellen will. Auch wir sind betroffen. Hinter ihm steht ein Aufsichtsrat, dessen Meinungen wohl ähnlich sein müssen wie die des AR-Chefs kurz vor der Rente oder Paul Achleitners bzw. Joe Kaesers und des zweimal erfolglosen Autochefs Pischetsrieder beweisen, deren strategische Qualitäten schon an anderen Stellen zu beurteilen waren. Ergebnis:

 

Daimler benötigt eine Vorwärtsstrategie und keinen Rückspiegel. Kenner dieses Marktes beziffern den Aufwand für Daimler auf mindestens 30 bis 35 Mrd. € für fünf Jahre, um seine Marktposition insgesamt zu halten. Selbstverständlich gehören dazu Sparprogramme, aber nicht in der Größenordnung von 0,5 % des Geschäftsvolumens.

 

BMW macht es seit 1959 anders. Mit den beiden Aktionären Herbert und Harald Quandt und deren aktuellen Nachfolgern ist BMW regelmäßig schneller und konsequenter unterwegs und nur ein einziger Manager griff daneben, der kürzlich entsorgt wurde. Der Neue macht es richtig:

 

Zwei Jahre wurden verschlafen und sind aufzuholen. Weniger in der technischen Entwicklung als in der Mutfrage, das Thema E-Mobility konsequent anzugehen. Der Ausbau der Produktion wird voraussichtlich noch unterschiedlich interpretiert werden, insbesondere die geografischen Schwergewichte mit dem ehrgeizigen Anspruch: BMW steht auf zwei Beinen, Verbrenner und E-Mobility, und mit beiden Techniken soll von Anfang an Geld verdient werden.

 

Das 14-Mrd.-$-Investitionsprogramm in den USA steht. Ob die deutschen Standorte ausgebaut werden können, ist eine Frage der Arbeitskräfte. Denkbar ist deshalb ein neuer Standort im Ausland. Darüber wird in ca. 6 Monaten entschieden werden.

 

Welche dieser beiden Renommieradressen des deutschen Autobaus mit Weltgeltung für die deutsche Industrie ist unter diesen Bedingungen das bessere Investment?

 

Daimler bringt rund 54 Mrd. € für ca. 175 Mrd. € Umsatz auf die Börsenwaage. BMW schafft 44 Mrd. € Marktwert für ca. 100 Mrd. € Umsatz. Beide liegen im KGV auf der gleichen Ebene um rund 8. Wer in drei Jahren vorne liegen will, muss voraussichtlich zwei Drittel des eigenen Börsenwertes für Investitionen aufwenden, ähnlich wie VW es macht, um in die Poleposition der bekanntesten Luxusmarken der Welt zu kommen oder zurückzukehren. Die Auswahl lautet: Für mutige Investoren steht VW. Für die sicherste Investition in diesem Rahmen steht BMW und für die Mitläufer unter den Investoren bleibt es vorerst bei Daimler. Alle drei fahren auf der gleichen Rennbahn.“

Ihr

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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