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Der Warren-Buffett-Effekt

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der berühmteste Investor der Welt, Warren Buffett, überraschte die Wall Street mit einer klaren Wende seiner strategischen Investments. Er baut Positionen in Chevron und Verizon auf und reduziert seine Anteile an Apple und anderen. Was nun?

Über die Tech-Blase ist ausreichend diskutiert worden. Die Bewertung der großen Techs und auch der Mid Caps (zusammen im Nasdaq) bedarf einer Korrektur um etwa 20 % als Daumengröße. Vielleicht auch 25 %, je nach Produktportfolio. Inwieweit die Robinhoods dabei mitgeholfen haben, wird zurzeit im amerikanischen Kongress diskutiert. Immerhin: Die Tagesumsätze in den Penny-Stocks und Optionen beliefen sich in den letzten Wochen auf über 1 Bio. Dollar, zeitweise sogar über 3 Bio. Dollar. Wie diese Marktseite bereinigt wird, gehört indirekt dazu, wie falsche Erwartungen gestreut wurden, um daraus große Spekulationspakete zu bilden. Dazu gehören umfangreiche Optionen auch in den großen und bekannten Techs. Ganz genaue Beträge gibt es nicht.

Warren Buffett eröffnet damit den Wandel, der zu einer Normalisierung der Märkte führen wird. Dieses Modell funktionierte zuverlässig in den vergangenen 60 Jahren. Sämtliche Techs müssen zurückgebaut werden und die Alternative heißt dann: Rückkehr zur normalen Bewertung bekannter Unternehmen in fast allen Brachen quer durch die amerikanische Wirtschaft.

Chevron und Verizon gelten normalerweise als nicht sehr kreative Konzerne. Die einen fördern Öl und die anderen sind mit Telefon (Festnetz und mobil) unterwegs. Beide Märkte sind stabil, aber große Fantasien hinsichtlich der weiteren Geschäfte und ein Ausbau der Kundschaft sind nicht anzunehmen. Aber: Chevron ist neben Exxon die wichtigste amerikanische Adresse dafür, wie sich die dortige Energieszene ändert. Statt Öl geht es um Wasserstoff in großer Menge und weitreichenden Verwendungen. Über die Perspektiven braucht nicht lange diskutiert zu werden: Der Bedarf an Wasserstoff wird sich in den nächsten 10 Jahren mindestens versechs- bis verachtfachen. Das entspricht etwa dem gleichen Wachstum wie dem des Smartphones in den vergangenen 10 bis 12 Jahren. Das ist die neue Perspektive.

Verizon ist immer noch der größte Telefonkonzern der USA neben AT&T. Mit der neuen Technologie 5G geht es um das Gleiche: Mit dieser Technologie erweitert sich das Arbeitsfeld aller Telefongesellschaften der Welt in Richtung Kommunikationstechniken in Größenordnungen, wofür es verdoppelte Zahlen gibt. Sowohl in der Anwendung wie Verwendung oder anderweitiger Nutzung. Exponentielle Entwicklungen lassen sich daraus nicht errechnen, aber zuverlässige Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Das ist die Welt der Value Investments.

Der Wechsel von Tech zu Value funktioniert deshalb wie ein Pendel. Aus der Übertreibung zur einen Seite wechselt der Markt zur anderen Seite mit der möglichen Übertreibung gleicher Art. Das ist noch nicht vorauszusehen, aber im Trend erkennbar. Der Wechsel auf der Zeitschiene benötigt dafür etwa 2 Jahre, wie an den letzten Zyklen der vergangenen 30 Jahre gut ablesbar ist. Vereinfacht gesagt: In den Techs kaufe ich jetzt ein Risiko von 20 % und auf der Gegenseite ein Potenzial von plus 20 %.

In der Actien-Börse habe ich diesen Warren-Buffet-Effekt schon vor etwa 4 oder 6 Wochen angekündigt. Ob Warren Buffet die Actien-Börse gelesen hat, weiß ich nicht, aber seine Begründung liest sich fast wörtlich so, wie in der Actien-Börse formuliert. Warum? Jeder erfahrene Börsianer kennt diese Wechselwirkungen. Wie dagegen Robinhoods umfallen werden, hatte ich im Bernecker.tv diesen Mittwoch erklärt. Auch das ist nicht neu, sondern lediglich die Folge des beschriebenen Pendels. Alte Hasen können sich noch an 1987 erinnern. Damals war der Optionsschein eine neue Entdeckung für alle deutschen Kleinanleger. Das Tagesvolumen in den Optionsscheinen und deren Gesamtwert überstieg bei Weitem das Handelsvolumen aller Blue Chips (damals FAZ-Index). Am 25. Oktober lief der bekannte Crash mit einem Abschlag von etwa 20 % sowohl im Dow wie anschließend im FAZ-Index und innerhalb von drei Stunden waren alle Optionsscheine komplett wertlos.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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