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Der Weg in eine bargeldlose Zukunft?

| Quelle: FIN | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der Umgang mit Geld unterliegt einem stetigen Wandel. Besonders in den letzten zehn Jahren hat sich das weltweite Zahlungsverhalten stark verändert. Die voranschreitende Digitalisierung der Finanzbranche führt zu einem weltweiten Anstieg bargeldloser Transaktionen. Skandinavische und asiatische Länder machen vor, wie eine allmähliche Abschaffung oder zumindest eine deutliche Reduktion des Bargeldes aussehen kann. Bleibt zu fragen, ob und wann auch in Deutschland das Bargeld aus dem Alltag verschwinden wird.

Internationaler Anstieg des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

Weltweit steigt die Anzahl der bargeldlosen Transaktionen kontinuierlich an. Prognosen zufolge wird sich dieser Trend auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. Wenngleich in Europa derzeit noch nach Nordamerika am häufigsten bargeldlos gezahlt wird, ist von einem deutlichen Anstieg der bargeldlosen Transaktionen bis 2020 in den asiatischen Schwellenländern auszugehen. Indien gilt auf dem asiatischen Markt neben China, das eine relativ konstante Zunahme bargeldloser Transaktionen erwartet, als Beispiel für den Versuch flächendeckend bargeldlose Bezahlmöglichkeiten einzuführen. Mit einem maximalen Anstieg von bis zu 6 Prozent ist in Nordamerika sowie Europa im direkten Vergleich ein deutlich geringerer Anstieg bargeldloser Transaktionen bis 2020 zu erwarten.

 

Differenzierte Bewertung der bargeldlosen Transaktionen in Europa

Trotz eines weltweiten Anstiegs muss die Entwicklung der bargeldlosen Transaktionen auf kleinerer Ebene differenziert betrachtet werden. Ein Blick auf Europa bestätigt diese Einschätzung. Während vor allem die skandinavischen Länder Schweden und Dänemark als Vorreiter betrachtet werden können, kann in Deutschland keine vergleichbare Begeisterung bei Zahlungen mit der Giro- oder Kreditkarte geschweige denn über das Smartphone, etwa über Near Field Communication (NFC) konstatiert werden.

Auch wenn in Schweden oder Dänemark weiterhin Bargeld im Umlauf ist, nimmt der Einzelhandel insgesamt 95 Prozent des Umsatzes bargeldlos ein. Viele skandinavische Läden verweigern mittlerweile die Annahme von Bargeld und praktisch jede Alltagssituation kann ohne Bargeld gemeistert werden – selbst die Kollekte in der Kirche kann bargeldlos gezahlt werden. Wegen des geringen Bedarfs an Bargeld verzichtet die dänische Notenbank seit 2017 darauf neue Banknoten zu drucken.

In Deutschland stellt Bargeld hingegen mit 79 Prozent weiterhin das meistgenutzte Zahlungsmittel dar. Durchschnittlich werden erst Zahlungen ab 30 Euro beziehungsweise 59 Euro mit der Giro- oder Kreditkarte beglichen. In kaum einem anderen Land wird so viel mit Münzen und Scheinen gezahlt wie in Deutschland. Dies gilt vor allem, wenn es um die Bezahlung von Lebensmitteln oder Restaurantbesuchen geht. 2016 zahlte der deutsche Verbraucher durchschnittlich 49-mal im Jahr bargeldlos, während schwedische Verbraucher mehr als 300-mal Zahlungen mit der Karte vornahmen.

Probleme bei bargeldlosen Transaktionen

Dass das bargeldlose Zahlen in Deutschland noch nicht derart verbreitet ist wie beispielsweise in den skandinavischen Ländern hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Einerseits stehen viele Verbraucher bargeldlosen Transaktionen aus Sicherheitsgründen kritisch gegenüber: Bezahl- Apps können gehackt werden, Daten der NFC-Chips können von Dritten ausgelesen werden und die Anonymität bei bargeldlosen Bezahlungen geht verloren. Bisweilen sind jedoch keine Fälle von Datenmissbrauch bei bargeldlosen Transaktionen öffentlich bekannt geworden. Dass Münzen und Scheine viel eher geklaut oder verloren werden können, spielt bei der Präferenz vieler Verbraucher in Deutschland für Bargeld eine eher untergeordnete Rolle.

Trotz vieler Vorbehalte gegenüber der voranschreitenden Digitalisierung des alltäglichen Lebens und Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes zeigt das Verhalten vieler Verbraucher eine allmähliche Affinität für digitale Finanzdienstleistungen. Deutlich wird dies beispielsweise daran, dass immer mehr Verbraucher Online-Banking nutzen oder online Kredite vergleichen und direkt abschließen. Andererseits ist die vornehmliche Nutzung des Bargeldes auch auf den Einzelhandel sowie den Gastronomiesektor zurückzuführen. Eine Vielzahl von Geschäften, aber vor allem Restaurants, akzeptiert lediglich Bargeld oder erlaubt bargeldloses Zahlen erst ab einem Mindesteinkaufswert. Vor allem kleinere Beträge können in Deutschland meist gar nicht bargeldlos bezahlt werden – man denke etwa an den Kauf eines Kaffees oder Brötchens in der Bäckerei. Damit in Deutschland wie in Schweden oder Dänemark häufiger bargeldlos bezahlt wird, müsste folglich die Infrastruktur weiterausgebaut werden und zum Beispiel die Anzahl der Terminals für bargeldloses Bezahlen in den Geschäften deutlich erhöht werden.

Wird Deutschland bald bargeldlos?

Die skandinavischen Länder machen vor wie gut auf Bargeld verzichtet werden kann. Theoretisch ist also die Entwicklung einer bargeldlosen Welt vorstellbar. Trotz bestehender Möglichkeiten der bargeldlosen Transaktionen in Deutschland und vor allem unter Berücksichtigung der vorhandenen infrastrukturellen Probleme ist eine weitgehende Verdrängung des Bargelds durch bargeldlose Transaktionen in Deutschland in naher Zukunft jedoch äußerst unwahrscheinlich, wenngleich die bargeldlose Infrastruktur definitiv weiter ausgebaut und auch hierzulande zu einem Anstieg bargeldloser Zahlungen führen wird.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/ec-cash-kartenzahlung-geld-1750490/

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