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Der zweite Gang

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Seit Montag schalten die deutschen Autobauer den zweiten Gang ein. Der erste Gang lief ab Mitte März bis Anfang Mai und brachte Kursgewinne zwischen + 100 % für Daimler und um rd. 50 – 60 % für die anderen. Dem folgte die Verschnaufpause und jetzt schalten die Chinesen hoch.

7,9 % mehr PKW-Absatz in China führt nach aktuellen Schätzungen zu einem Ergebnis in etwa der Größenordnung von 2019, gemessen an den Stückzahlen. Wo liegen dann die nächsten Kursziele für Daimler, BMW und VW und teilweise auch Porsche? Das wird noch zu klären sein. Wichtiger ist:

Der Autobau ist für Deutschland die wichtigste Branche. Rd. 20 – 22 % der Wirtschaftsleistung entfallen auf Autos, vom Bau bis zur Nutzung. Vor einem besonderen Hintergrund: Seit 2016 streiten sich die Deutschen infolge des VW-Skandals um die Schuldigen oder Nichtschuldigen, um Bestrafungen und Schadensersatz. Letzteres für theoretische Schäden, die gar nicht eingetreten sind. Das ist nun mal deutsch. Anschließend folgte der CO2-Sturm mit ähnlichen chaotischen Vorschriften und Bestimmungen, woran sich alle Autobauer per Termin orientieren müssen. Als Drittes kam die E-Mobility in ähnlichem Umfang und am Ende schließlich die Coronakrise. Das Ergebnis lässt sich rechnen:

Alle diese Themen kosteten der deutschen Wirtschaft Jahr für Jahr rd. 0,5 bis 0,7 %-Punkte Wachstum. Anders gedreht: Ohne diese Misere hätte das deutsche BIP im Schnitt um diese Größenordnung höher gelegen. Eine exakte Abrechnung lässt sich dafür nicht geben, weil die Einflüsse sehr unterschiedlich sind. Neu:

Der größte PKW-Markt der Welt setzt zweifellos neue Maßstäbe. Mindestens zwei- oder dreifach: a) in der Größe, b) in der Definition der Technik und mithin c), wie dies auf die Deutschen Autobauer durchschlägt. Denn:

Jeder der drei Großen verfolgt unterschiedliche Ziele. VW am klarsten in Richtung E-Mobility, BMW eher zweideutig mit Verbrenner und E-Mobility und Daimler hat sich noch nicht endgültig entschieden, wo die Schwergewichte liegen. Dafür sitzt aber in Stuttgart ein Chinese mit am Tisch, der mit der höchsten Aktienquote (angeblich 11,5 %) indirekt schon das Sagen hat. In Stuttgart gibt dies freilich niemand zu. Was lässt sich für die Zukunft voraussagen?

Das Autogeschäft ist zunächst eine Sache der Stückzahlen, gleichgültig mit welcher Technik. Der eigentliche Hebel steckt in den Kollateralfolgen für Zulieferer und auch dem technischen Stand der deutschen Industrie. Denn mit den Themen CO2 und E-Mobility bzw. Brennstoffzelle verbindet sich auch die Einschätzung von Deutschland als Technikland. Tesla ist der Vorreiter. Inzwischen werden die Tesla-Autos als Computer mit vier Rädern beschrieben. In jedem Tesla steckt so viel neue Technik und Software, wie es für alle anderen Autos der Welt neuer Maßstab wird. Darauf wird es ankommen.

Wie weit reicht der zweite Gang? Zunächst überschaubar mit einem vermuteten Potenzial von 20 – 25 %. Dann wird sowohl in der Produktion/Umsatz als auch im Gewinn und mithin in den Gewinnschätzungen eine Art Gleichstand erreicht sein. Taxe dafür Januar/Februar.

Der Autozyklus ist ein Vorbild für viele anderen. Natürlich war es eine Herausforderung und es war kühn, zum tiefsten Kurs des Jahres, am 20. März, Autos als Investment zu empfehlen. Dieser Mut wurde bis jetzt umfangreich belohnt. So funktioniert Börse: Frühzeitig dabei sein, Geduld aufbringen, aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Ihr

Hans A. Bernecker

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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