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Deregulierung

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Das schwierigste Geschäft haben die Deutschen weitgehend normalisiert und entregelt, die Dieselkrise. Auf der IAA lässt sich dies gut nachvollziehen. Ein bisschen weniger Hektik, ein bisschen weniger Aufsicht und vernünftige Regeln für alle Autobauer. Das steht nun einer weiteren Branche bevor:

 

Mario Draghi wird am Donnerstag seine vorletzte EZB-Sitzung leiten und bestimmend führen. Seine letzte ist dann im Oktober fällig, jedoch nur mit Abschiedsgedanken und Shakehands. Neun Jahre Draghi gehen damit zu Ende, die zu den problematischsten in der Notenbankgeschichte zählen. Lange Rede, kurzer Sinn:

 

Nach der Finanzkrise wurde ein umfangreiches Regelwerk für die Banken aufgebaut, um zu verhindern, dass sie in der nächsten Krise umfallen. Nach Basel II folgte Basel III und demnächst kommt Basel IV. Die EBA-Behörde in London berechnet jedes Jahr das Eigenkapital, das den europäischen Banken fehlt, um krisensicher zu bleiben. Herausgekommen aus allen Regeln ist gar nichts.

 

Alle diese Regeln beruhen darauf, dass man mit theoretischen Überlegungen jede Bankbilanz daraufhin abklopfen kann, wie sicher sie sei. Zwischen Schottland und Sizilien gibt es jedoch mehr als 100 verschiedene Modelle in einzelnen Regionen oder Ländern, die miteinander nicht kompatibel sind. Die italienischen Banken werden in der EZB völlig anders eingeordnet  als die deutschen, obwohl sie alle den gleichen Regeln unterliegen sollten. Das geht auch gar nicht anders, weil das Bankenwesen in jedem Land eben anderen Kriterien folgt.

 

Die Deregulierung wird ein heikles Thema, denn es geht darum, alle Regeln schrittweise zu reduzieren oder aufzuweichen, ohne dass die Banken es selbst merken oder davor Angst haben. Kern aller Regeln war, zu verhindern, dass es in einer erneuten Finanzkrise zu neuen Insolvenzen von Banken kommt. Interessanterweise hat sich bisher niemand gefragt, ob dies überhaupt möglich oder wahrscheinlich sei. Aufgehängt wurde alles am Fall Lehmann. Doch dieser war kein typischer, sondern ein besonderer Fall in New York, wie hinlänglich dokumentiert ist. Natürlich wird es immer wieder Probleme von Banken geben, z. B. demnächst, wenn es im Sektor der Zombieanleihen zu Pleitefällen kommt. Die Vorbilder dafür sind die Junkbonds 1987, die Hedgefundskonstrukte à la LTCM 1998 und der schon erwähnte Fall Subprime mit Lehmann in der Mitte.  Fest steht:

 

Die umfangreichen Vorsorgemaßnahmen für alle Banken gelten als weit überzogen. Sie waren gut gemeint und von Beamten und Juristen hart formuliert, aber sie entsprechen nicht den tatsächlichen Verhältnissen in der Bankenwelt. Die Folge lässt sich absehen:

 

Die Rückführung dieser Regeln gewährt allen Banken schrittweise Freiheiten. Wie sie diese nutzen oder umsetzen, mag offen bleiben, aber sie sind wichtiger als die Zinsregeln der EZB oder der Versuch, mit Bondkäufen den Banken Liquidität zu verschaffen, damit sie Kredite vergeben können. Genau das können sie bislang nur unzureichend, weil die Regeln sie daran hindern. Damit sind wir beim Kreis: Im gleichen Umfang, wie sich diese Regeln lockern lassen, gewinnen die Banken Spielräume für ein konstruktives Kreditgeschäft. Allein darauf kommt es an. So beginnt mit der neuen Chefin der EZB auch eine neue Sicht für alle Banken. Deswegen empfiehlt es sich, alle Bankenkurse und deren Charts genauer  zu betrachten. Es wird sich lohnen.

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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