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Deutsche Autos – Jetzt die hohen Dividenden sichern

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die deutsche Vorzeigebranche steckt knietief in Problemen. In der mittelfristigen Perspektiven rächt sich längst, dass die Hersteller den Trend zu alternativen Antriebsformen verschlafen haben, weil es offenbar lohnender war, sich um „fantasievolle“ Software-Lösungen für den vom deutschen Staat steuerlich geförderten Diesel zu bemühen, als kostspielige Investitionen für Elektromobilität oder andere CO2-arme Techniken voranzutreiben. Schon dies sorgt dafür, dass die deutschen Hersteller im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten sind und der Nimbus der „besten Autobauer der Welt“ verloren gegangen ist.

Um den alten Status wieder zu erlangen, müssen die Entwicklungskosten nun nachgeholt werden und werden in den kommenden Jahren die Ergebnisse von BMW, Daimler & Co. belasten. Dummerweise fällt dies nun in eine Zeit, da auch von allerlei anderen Seiten hohe Belastungen auf die Unternehmen zukommen. Als da wären die Zolldrohungen aus den USA und die in Deutschland anstehenden Dieselfahrverbote, die nun offenbar doch noch dazu führen, dass zumindest ein Teil der Altflotte nachgerüstet werden soll. Und – oh Wunder! – das seit fast 10 Jahren von der CSU irgendwie gemeinsam mit der Auto-Lobby geführte Verkehrsministerium ringt sich nun scheinbar doch dazu durch, einen Teil der Kosten tatsächlich den Herstellern aufzuladen. Hinzu kommen aber offenbar auch noch Marktverwerfungen im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Prüfverfahrens WLTP, das nach Aussage von BMW derzeit zu einer Rabattschlacht führt, weil einige Hersteller versuchten ihre alten Modelle noch in den Markt zu drücken (bevor es nach den neuen Prüfvorgaben zu spät ist).

Ergebnis all dessen ist nun die nächste Gewinnwarnung bei einem der deutschen Branchenvertreter. Nach Daimler und Continental hat gestern auch BMW die bisherige Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt und wurde von der Börse entsprechend abgestraft. Bemerkenswert ist der drastische Kurseinbruch von mehr als 5 Prozent auch deshalb, weil die deutschen Autobauer ohnehin schon vergleichsweise niedrig bewertet sind.

VW kommt auf ein KGV von 6, bei Daimler und BMW zahlen Börsianer das 7-fache des für 2018 erwarteten Gewinns. Zum Vergleich: Beim Börsenüberflieger Wirecard sind Anleger bereit das 60-fache des Jahresgewinns zu bezahlen! So viel zur Aussagekraft solcher Bewertungskennzahlen, die eben immer unterschiedliche Interpretationen zulassen. Denn ob die deutschen Autobauer damit jetzt sehr billig sind oder ob sie einfach nur keiner haben will, liegt einfach im Auge des Betrachters.

Strategische Möglichkeiten eröffnet die aktuelle Gemengelage aber trotzdem. Denn die Autoaktien sind derzeit wie gemacht für eine vorübergehende Anlage in Bonuszertifikaten: Die Aktien sind eh schon so weit unten, dass weitere drastische Kurseinbrüche zwar möglich, aber weniger wahrscheinlich sind. Gleichzeitig fehlt jede Fantasie für eine zeitnahe massive Erholungsrallye. Und schließlich werden bei den Autos derzeit – Krisen hin oder her – für die nächsten Jahre noch immer sehr hohe Dividenden prognostiziert. Ob diese dann aber tatsächlich gezahlt werden können, ist zumindest ungewiss. Denn wenn die Gewinne zurückgehen und gleichzeitig Kapital für die nötige Aufholjagd bei den alternativen Antrieben gebraucht wird, dann könnten irgendwann auch die Ausschüttungsbeträge reduziert oder sogar ganz gestrichen werden.

Beim Bonus-Ansatz wäre dies insofern kein Problem, weil der Dividendenanspruch im Voraus gegen einen gewissen Absturzschutz eingetauscht wird. Denn bei diesen Papieren gilt: Solange die jeweilige Aktie nicht unter ein bestimmtes Kursniveau absinkt, erfolgt am Ende eine Rückzahlung die (mindestens) dem sogenannten Bonuslevel entspricht.

Bei einem BMW-Bonus der LBBW (LB1KYW) sieht dies beispielsweise so aus: Wenn die Aktie bis September 2021 nie unter 53,60 Euro abstürzt, dann werden am Ende mindestens 97,90 Euro zurückgezahlt. Bezogen auf den aktuellen Preis von Aktie und Zertifikat ergibt dies einen Absturzschutz von 32 Prozent und einen Bonusertrag von 22,3 Prozent oder 6,95 Prozent pro Jahr. Sollte BMW trotz aller Widrigkeiten doch wieder durchstarten und am Ende über 97,90 Euro notieren, gäbe es einen entsprechend höheren Rückzahlungsbetrag!

Stürzt die Aktie indes tatsächlich bis unter 53 Euro ab, verlieren Anleger mit Aktie und Zertifikat etwa gleich viel Geld. Aktionäre stehen nur dann etwas besser da, wenn bis dahin die eine oder andere Dividende gezahlt wird.

Ralf Andreß

 

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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