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Deutsche Bank: Kritik für mickrige Dividende und fette Boni

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Dank weiterhin gut laufender Geschäfte macht die Deutsche Bank ihren Anteilseignern zunehmend Hoffnung auf die erste Gewinnausschüttung nach zwei Nullrunden. Es sei "realistisch ..., dass wir nächstes Jahr wieder eine Dividende an unsere Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten können", sagte Konzernchef Christian Sewing bei der digitalen Hauptversammlung am Donnerstag.

Schon vor der Hauptversammlung hatte Sewing berichtet, dass der Aufwärtstrend nach dem besten Jahresstart seit 2014 anhalte. Ein "weiterhin guter Geschäftsverlauf im zweiten Quartal" bestärke den Vorstand in der Erwartung, 2021 Erträge "auf dem hohen Niveau des vergangenen Jahres" (24 Milliarden Euro) zu erreichen.

Lichtblick nach langer Krise

Analysten und Investoren bescheinigen dem Management große Fortschritte beim Konzernumbau. "Lange galt die Deutsche Bank am Kapitalmarkt als angezählt, heute wird sie als spannende Turnaround-Story gesehen", befand Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. "Wir sehen endlich Licht am Ende des Tunnels."

Der im April 2018 auf den Chefposten beförderte Sewing hat Deutschlands größtem Geldhaus einen grundlegenden Umbau verordnet inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Ein wichtiges Ziel: Die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft verringern, das in der Vergangenheit mit Skandalen und etlichen teuren Rechtsstreitigkeiten für Negativ-Schlagzeilen sorgte.

Investmentbanking weiter Renditetreiber 

Trotz eines Rückzugs aus dem weltweiten Aktienhandel trug die Investmentbank zuletzt den Löwenanteil zum Gewinn der Deutschen Bank bei. Vor allem die sprudelnden Geschäfte im Kapitalmarktgeschäft bescherten dem Institut 2020 den ersten Jahresüberschuss seit 2014.

Üppige Boni-Zahlungen stoßen auf Kritik

Die üppigen Boni etwa für Investmentbanker kommen bei Aktionären nicht gut an. "Die variablen Vergütungen sind 2020 um 29 Prozent gestiegen. Das ist zu viel in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat", kritisierte Andreas Thomae von Deka Investment. Der Bonustopf für 2020 war auf 1,9 Milliarden Euro angeschwollen. Die Vergütung des Vorstands stieg von 36 Millionen Euro im Vorjahr auf 50 Millionen Euro.

Es gebe bei dem Institut seit Jahren "ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden", bemängelte Annecke. "Auch der Vorstand der Deutschen Bank wird im Vergleich zu anderen europäischen Banken überdurchschnittlich entlohnt, während die Profitabilität unterdurchschnittlich ist." 

Klaus Nieding als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte, es gehe nicht an, milliardenschwere Boni auszuschütten und andererseits den Eigentümern ihren Anteil vorzuenthalten. Nieding betonte: "Wir rechnen fest mit einem Gewinn und auch mit einer Dividende für das laufende Geschäftsjahr." 

Sewing verteidigte den Sprung bei der variablen Vergütung: "Insgesamt hätten unsere Geschäftsergebnisse für sich betrachtet eine noch höhere variable Vergütung gerechtfertigt." Die Bank habe entsprechend der Erwartung der Aufseher aber einen "maßvollen Ansatz angewendet". Sewing betonte, angesichts des Wettbewerbs um Talente sei es "notwendig und richtig", Mitarbeiter "marktkonform und entsprechend ihrer herausragenden Leistung zu vergüten": "Nur so können wir langfristig wieder nachhaltig profitabel werden und auch wieder Dividenden (...) ausschütten." 

Das macht die Aktie der Deutschen Bank 

Die Papiere der Deutschen Bank +0,21% legten am Donnerstag um fast 1,5 Prozent auf 12,30 Euro zu. Damit setzte die Aktie ihre seit Februar andauernde Kursrallye weiter fort. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um rund 40 Prozent zugelegt. Gegenüber dem Corona-Tief im März vergangenen Jahres steht sogar ein Plus von mehr als 140 Prozent zu Buche.  

Sechs-Monats-Chart Deutsche Bank
Mit Material von dpa-AFX.
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