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Deutsche Bank: Schlimmer als gedacht

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Der Radikalumbau samt Streichung tausender Jobs hat die Deutsche Bank im zweiten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen gerissen als gedacht. Der Konzernverlust lag bei 3,15 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 401 Millionen ein Jahr zuvor, wie der DAX-Konzern -1,01% am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Zudem bekam die Bank ihren geplanten Ausstieg aus dem Aktienhandel bereits vor dem eigentlichen Beschluss dazu zu spüren.

Die Bank hatte am 7. Juli bekanntgegeben, dass sie weltweit aus dem Aktienhandel aussteigt. Im Zuge des Umbaus wird die hauseigene Investmentbank, die der Bank in der Vergangenheit milliardenschwere Strafen einbrockte, kräftig gestutzt. Konzernweit stehen bis zum Jahr 2022 rund 18.000 Jobs auf der Streichliste. Wie viele Jobs auf dem Heimatmarkt wegfallen sollen, ist weiterhin offen. Ende Juni beschäftigte die Bank weltweit noch knapp 90.900 Mitarbeiter.

Quartalsverlust höher als gedacht

Der Konzernumbau, der insgesamt 7,4 Milliarden Euro kosten soll, zog das Ergebnis im zweiten Quartal bereits um 3,4 Milliarden Euro nach unten - mehr als bei Bekanntgabe der Pläne angekündigt. Entsprechend fiel auch der Quartalsverlust höher aus als zunächst vorgesehen.

"Ohne diese Belastungen für den Umbau wäre die Deutsche Bank profitabel gewesen", sagte Vorstandschef Christian Sewing. Die Bank hätte dann nach eigenen Angaben unter dem Strich 231 Millionen Euro verdient und vor Steuern 441 Millionen Euro. Vor allem die Fondstochter DWS -1,47% verdiente deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich stand bei ihr ein Gewinn von 112 Millionen Euro und damit 22 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die gesamten Erträge der Deutschen Bank sanken im zweiten Vierteljahr um sechs Prozent auf 6,2 Milliarden Euro, bereinigt um Sondereffekte verringerten sie sich um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Erträge im weltweiten Aktienhandel, aus dem die Bank sich zurückzieht, brachen um fast ein Drittel ein. Besser lief es im Bereich Privat- und Firmenkundenbank sowie der Vermögensverwaltung. Für das Gesamtjahr rechnet die Bank mit niedrigeren Erträgen als 2018.

Die Gesamtkosten des Umbaus will die Bank aus eigener Kraft stemmen und eine Kapitalerhöhung vermeiden. Der Großteil der Lasten fällt im laufenden Jahr an.

Auch im Gesamtjahr drohen wieder rote Zahlen

Nach drei Verlustjahren in Folge und einem Mini-Gewinn 2018 drohen der Deutschen Bank daher auch im Gesamtjahr 2019 tiefrote Zahlen. Kern der neuen Deutschen Bank soll nach Sewings Willen die neue Sparte Unternehmensbank werden, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmern soll. Im Kapitalmarktgeschäft will sich die Bank auf das Geschäft mit Krediten, Anleihen und Währungen sowie auf Beratung konzentrieren. Aus dem weltweiten Aktienhandel steigt das Institut komplett aus.

Details zum Stellenabbau in ihrem Heimatmarkt nannte die Deutsche Bank auch bei der Vorlage der Quartalsbilanz nicht. Sewing hatte jedoch den Wegfall einer "substanziellen Zahl" angekündigt. Dabei sei "der schon zuvor geplante Abbau im Zuge der Integration der Postbank bereits in der Gesamtzahl enthalten", hatte er dem "Handelsblatt" gesagt. Im Privatkundengeschäft, zu dem die Postbank gehört, war erst kürzlich ein weiterer Abbau von gut 2.000 Vollzeitstellen vereinbart worden. Den Abbau weiterer Stellen will die Bank möglichst "sozialverträglich" umsetzen, wie Sewing mehrfach bekräftigte.

Deutsche-Bank-Aktie wieder unter 7 Euro

Die Aktien der Deutschen Bank -2,54% haben am Mittwochmorgen selbst auf endgültige Quartalszahlen noch einmal deutlich negativ reagiert. Vorbörslich sackten sie bis auf 6,78 Euro ab, in der ersten Xetra-Stunde betrug das Minus dann gut vier Prozent auf 6,75 Euro. Nach den Anfang des Monats im Zusammenhang mit dem Konzernumbau gemeldeten Eckdaten waren sie in zwei Tagen bereits um 11,5 Prozent abgerutscht. Vom Zwischentief bei 6,35 Euro aus konnten sie sich zuletzt etwas stabilisieren.

Nun aber hatten die endgültigen Quartalszahlen selbst die gesunkenen Erwartungen nochmals enttäuscht, sagte ein Marktteilnehmer. Es werde in der Telefonkonferenz sicher noch einmal viele Fragen geben.

Mit Material von dpa-AFX

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