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'Deutsche Commerz'? Auch Aktionärsschützer dagegen

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Aktionärsvereinigung DSW hält nichts von einer "politisch offenbar gewollten Fusion" von Deutscher Bank -0,68% und Commerzbank -0,53% zu 'Deutsche Commerz'. "Die beiden Banken haben aus meiner Sicht viel zu viele überlappende Geschäftsfelder, als dass ein Zusammenschluss Sinn machen würde", sagte der Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, am Mittwoch in Frankfurt.

"Ich halte diese Idee schlicht für wirtschaftlich unsinnig, sie würde nur auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen", sagte Nieding. Seit Monaten wird über eine Fusion der beiden Großbanken spekuliert – befeuert durch das Werben des Bundesfinanzministeriums um starke heimische Banken. Der Bund hält gut 15 Prozent an der Commerzbank.

Fusion würde massiven Stellenabbau nach sich ziehen

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank zudem bis zu 30.000 Stellen kosten. Der Abbau von 20.000 bis 30.000 Arbeitsplätze wäre notwendig, um eine Fusion zum Erfolg zu führen, berichtete Bloomberg unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Beide Banken hatten zuletzt zusammen rund 140.000 Mitarbeiter – davon fast 80.000 in Deutschland.

Um diese Größenordnung sei es schon bei den informellen Gesprächen über einen möglichen Zusammenschluss vor fast drei Jahren gegangen. Ein Abbau in dieser Höhe wäre auch jetzt notwendig, selbst wenn beide Banken ihre Stellenzahl inzwischen schon reduziert haben. Vertreter der beiden Institute wollten die Informationen nicht kommentieren, wie es in dem Bericht heißt.

Unter anderem wegen des möglicherweise deutlichen Stellenabbaus stoßen bereits die vagen Pläne beziehungsweise Spekulationen über eine Fusion auf massiven Widerstand der Gewerkschaften, etwa Verdi. Auf der anderen Seite sehen Experten den Stellenabbau als wichtige Voraussetzung für das Gelingen eines möglichen Zusammenschlusses.

Bankenprimus zu wenig rabiat?

Einem Bericht der Financial Times zufolge teilen diese Einschätzung auch einige Vertreter des Aufsichtsrats, die eine Fusion genehmigen müssten. Sie bezweifeln, dass der Deutschen Bank eine erfolgreiche Übernahme gelingen könnte. Dem größten deutschen Geldhaus könnte es an der "rabiaten Brutalität" mangeln, die für eine erfolgreiche Übernahme notwendig sei.

Bei einem Zusammenschluss in dieser Größenordnung müsse man rabiat vorgehen, um erfolgreich zu sein, sagte ein Topvertreter einer Aufsichtsbehörde der Zeitung. Aus Sicht der Aufseher sei es auf jeden Fall zu vermeiden, dass ein möglicher Zusammenschluss misslingt. "Dann hätten wir aufsichtsrechtliche Fragen, die wir unbedingt vermeiden wollen."

Ein möglicher Zusammenschluss könnte daher nur genehmigt werden, wenn die Pläne "glaubhaft und machbar sind", hieß es in dem FT-Bericht. Es gebe unter den Aufsehern Sorge, dass sie selbst bei einer gescheiterten Fusion ein größeres Problem hätten als derzeit. Verdi-Vertreter und Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Jan Duscheck steht der Bankenfusion kritisch gegenüber, weil diese das Geldhaus noch attraktiver für eine feindliche Übernahme aus Frankreich machen würde. Nach Bloomberg-Informationen hat die Deutsche Bank bereits informell Kontakt zu den Aufsehern aufgenommen, um in puncto Strategie und Kapitalausstattung nach einer möglichen Fusion vorzufühlen.

Durch einen möglichen Zusammenschluss der beiden Banken würde gemessen an der Bilanzsumme von 1,9 Billionen Euro die zweitgrößte Bank der Eurozone entstehen. Ein möglicher Zusammenschluss müsste von der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der deutschen Behörde BaFin genehmigt werden. Weder die EZB noch die Bafin hätten den FT-Bericht kommentiert, hieß es.

Deutsche Bank unter den größten Kapitalvernichtern

Ihren Anteilseignern machen Commerzbank und Deutsche Bank seit Jahren wenig Freude: Die Aktienkurse sind im Keller, Dividende gibt es nur selten und dann nur Mini-Beträge. Nach DSW-Berechnungen hat die Deutsche Bank 2018 so viel Kapital verbrannt wie wenig andere börsennotierte Unternehmen in Deutschland: Papiere des Dax -1,61%-Konzerns verloren rund 56 Prozent an Wert. Damit liegt die Deutsche Bank auf Platz 10 der DSW-Liste der "50 größten Kapitalvernichter". Am Mittwoch notierten sowohl die Deutsche Bank -0,68% als auch die Commerzbank -0,53% wieder leicht im Plus.

Angeführt wird die Jahres-Negativliste vom Pharma-Unternehmen Mologen -2,73% mit einem Kurs-Minus von gut 85 Prozent binnen eines Jahres. Es folgen der angeschlagene Möbelkonzern Steinhoff ±0,000% und der Modehersteller Gerry Weber +7,090%, der im Januar Insolvenzantrag gestellt hatte.

Mit Material von dpa-AFX

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