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Deutsche/Commerzbank: Mischen auch noch Franzosen mit?

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 5 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Seit Deutsche Bank und Commerzbank am 17. März ihre Gespräche zum Ausloten einer Fusion begonnen haben, vergeht kaum ein Tag ohne Gerüchte zum Stand der Verhandlungen. Während Berater, Politiker und Bankvorstände den Zusammenschluss dringend umsetzen wollen, sind etwa Arbeitnehmervertreter oder einige Großaktionäre – etwa das Emirat Katar – dagegen. Nun hat sich auch die französische Großbank Société Générale (SocGen) zu Wort gemeldet. Der Commerzbank-Aktie -4,16% bekommt das Ringen in der Banken-Branche offenbar gut. Mit einem Tagesplus von zeitweise 2,3 Prozent führte sie die Liste der MDax-Werte an.

Beim Ringen um die Zukunft der großen deutschen Privatbanken hatte sich kürzlich die italienische Unicredit mal wieder ins Spiel gebracht. Die Großbank, die bereits seit der Übernahme der HypoVereinsbank im Jahr 2005 in Deutschland vertreten ist, erwägt ein Gebot für die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank -4,16% – aber nur, wenn die derzeitigen Gespräche zwischen der Deutschen Bank -2,74% und der Commerzbank scheitern sollten.

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat sich gerade in einer Intranet-Mitteilung an die Mitarbeiter gewandt. Ein Deal könne der Bank helfen, die nötigen Investitionen zu finanzieren, heißt es da. "Organisches Wachstum hat einen Nachteil: Sie brauchen Zeit, um Ihren Marktanteil erheblich zu steigern", schrieb Zielke in einem Memo, das die Agentur Bloomberg einsehen konnte. "Deshalb suchen wir derzeit auch nach alternativen Wachstumsmöglichkeiten."

"Was Sie mitnehmen sollten: Die Alternative, nichts zu tun, ist keine Option", schrieb Zielke. "Wir werden weitere Schritte unternehmen, um unser Wachstum und unsere Profitabilität zu steigern. Am Ende stellt sich die Frage, ob eine potenzielle Verbindung strategisch und wirtschaftlich sinnvoll ist und wie ein solches Modell aussehen könnte."

Die Unicredit galt in den vergangenen Jahren immer wieder als möglicher Käufer der Commerzbank. Wegen der wirtschaftlichen Krise in Italien ist sie jedoch selbst angeschlagen, konnte sich aber zuletzt berappeln. Sollte sie bei der Commerzbank zum Zuge kommen, würde sie diese wohl mit ihrer Tochter HypoVereinsbank verschmelzen.

Unicredit will die Commerzbank in diesem Fall zudem nicht komplett übernehmen, sondern nur die Kontrolle über das Geldhaus erlangen. Es sei denkbar, dass das italienische Institut die Mehrheit an der fusionierten HypoVereinsbank/Commerzbank halten würde und die übrigen Anteile der Bank weiter an der Frankfurter Börse gehandelt werden, hatte die Financial Times kürzlich geschrieben.

Eine Unicredit beratende Person sagte der Zeitung laut Bericht: "Diese Kombination hätte für Deutschland Sinn." Man könnte es als "nationalen Champion" verkaufen. Das könnte den politischen Unmut hierzulande im Falle eines Gebots aus Italien verringern. DZ-Bank-Analyst Christian Koch hält ein solches Gebot zwar für möglich, aber derzeit nicht sonderlich wahrscheinlich.

Auch für den Vorsitzenden der französischen Großbank Société Générale -1,14% sind die Voraussetzungen für das Eintreten grenzübertretender Fusionen in Europa aufgrund politischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Hürden noch nicht gegeben. Mit Blick auf die Unicredit-Spekulationen sagte SocGen-Chef Lorenzo Bini Smaghi am Mittwoch vor Journalisten, sowohl der italienische als auch der deutsche Bankenmarkt seien zu fragmentiert und müssten konsolidiert werden.

Doch er sagte auch, dass Europa grenzüberschreitende Bankfusionen brauche, um große Spieler zu schaffen, die mit den Rivalen der USA konkurrieren könnten. Und: "SocGen will ein Protagonist dieses Konsolidierungsprozesses sein."

Interessanter Nebenaspekt: Die SocGen war immer wieder selbst Gegenstand von Spekulationen über eine mögliche Verbindung mit der italienischen UniCredit. Politische Querelen zwischen Italien und Frankreich ließen mögliche Fusionsbemühungen aber immer wieder im Sande verlaufen.

Planen die Franzosen auf lange Sicht etwa einen ganz großen Deal? Eine europäische Superbank? Erst lassen sie Unicredit und Commerzbank zusammengehen und verbinden sich später mit dem neuen Institut? Derzeit nur Gedankenspiele…

Die SocGen verfügt über eine Marktkapitalisierung von 21,6 Milliarden Euro, während Unicredit derzeit auf gut 27 Milliarden Euro Börsenwert kommt. Wenn der italienische Konzern mit der Commerzbank, die rund 9 Milliarden Euro auf die Börsenwaage bringt, in Deutschland einen neuen Player schaffen würde, entstünde eine Einheit von etwa 36 Milliarden – und damit mehr als das Doppelte an Marktkapitalisierung der Deutschen Bank, die auf gut 15 Milliarden Euro kommt.

Eine Commerzbank-Übernahme wäre für die Unicredit leichter zu stemmen als für die Deutsche Bank. Deutschlands Bankenprimus würde auf jeden Fall eine milliardenschwere Kapitalerhöhung benötigen. Eine Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro könnte man relativ leicht von Investoren bekommen, sagte ein Insider. Gebraucht würden für den Deal jedoch wohl zehn Milliarden Euro, was den Anteil der Altaktionäre viel zu stark verwässern würde.

Die Süddeutsche Zeitung hat den Deal einmal durchgerechnet: "Würde Unicredit die Commerzbank übernehmen, würde sie maximal zwanzig Prozent Aufschlag zahlen, also acht bis neun Euro. Mehr würden ihr die eigenen Aktionäre kaum erlauben." Doch da ist ja noch die 15-prozentige Beteiligung des deutschen Staats an der Commerzbank. Um sein Engagement ohne Verluste beenden zu können, "wäre aber ein Gebot von 26 Euro nötig. Bei einem Komplettausstieg des Bundes würde sich der Verlust auf mindestens 3,7 Milliarden Euro belaufen. Zudem müsste die Bundesregierung erklären, warum sie den wichtigsten Kreditgeber des deutschen Mittelstandes ohne Druck an eine ausländische Bank verkauft."

Die Causa Commerzbank/Deutsche Bank bleibt spannend. Laut Wirtschaftswoche treffen sich die Verwaltungsräte der Deutschen Bank und der Commerzbank am Dienstag, 9. April, um die Vorschläge auf dem Tisch zu prüfen. Der Vorstand von Unicredit wird ebenfalls am Dienstag in Vorbereitung der für Donnerstag geplanten Mitgliederversammlung zusammenkommen. Ob während des Treffens in Mailand auch eine französische Akte erscheinen wird?

mmr mit Material von dpa-AFX

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