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DEUTSCHE PFANDBRIEFBANK IM FOKUS: Diesmal krisenfest?

| Quelle: dpa-AFX | Lesedauer etwa 6 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Corona-Krise bringt Kaufhauskonzerne, Modeketten und Hotels in Existenznot. Die Deutsche Pfandbriefbank +2,52% (PBB) +2,52% ist als wichtiger Finanzierer von Gewerbeimmobilien mit in den Strudel geraten. Auch wenn Vorstandschef Andreas Arndt für 2020 keine roten Zahlen fürchtet: An der Börse wurde die Bank längst abgestraft. Was beim Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI DER PFANDBRIEFBANK:

Es könnte besser laufen bei der Deutschen Pfandbriefbank. Hervorgegangen aus der Krisenbank Hypo Real Estate (HRE), die von der Deutschen Regierung in den Krisenjahren 2008 und 2009 mit Milliardensummen gerettet und schließlich notverstaatlicht worden war, steht die PBB in der Corona-Krise schon wieder unter Druck.

Doch Bankchef Arndt, der das Geldhaus 2015 als Co-Chef mit an die Börse geführt hatte, sieht bisher keinen Grund für Alarmismus. Auch wenn die PBB um manchen Kredit fürchten muss, rechnet der Manager für das laufende Jahr mit klar schwarzen Zahlen. Einzig zur Höhe wagt er bisher wenig zu sagen. Zu unsicher ist die Lage, zu unklar, wie sich die Pandemie in den kommenden Monaten entwickelt - und welche Folgen dies für die Eigentümer der von der PBB finanzierten Immobilien und deren Mieter hat.

"Die Corona-Krise beschleunigt die Entwicklung im Einzelhandel und drückt auf den Hotelmarkt", sagte Arndt bei der Vorlage der Halbjahreszahlen vergangene Woche. So erwartet er, dass das Online-Geschäft noch stärker wächst - und das dürfte zulasten des stationären Handels gehen. So hat die wochenlange Schließung von Geschäften infolge der Pandemie bereits einige Kaufhaus- und Modeketten in die Knie gezwungen. Viele Filialen in deutschen Innenstädten wurden oder werden dichtgemacht.

Zudem erwartet Arndt, dass Unternehmen aus den jüngsten Erfahrungen mit der Arbeit im Home Office Konsequenzen ziehen. Das, so schätzt er, dürfte sich auch auf den künftigen Büroflächenbedarf auswirken. Dennoch ist auch für den Manager noch zu vieles offen: "Wie stark sich die Corona-Krise auf die einzelnen Immobilienmärkte auswirken wird, kann man noch nicht vorhersagen."

Fürs eigene Geschäft sieht Arndt das Schlimmste als überstanden an. Das zweite Halbjahr dürfte besser laufen als das erste, sagte er. Für weitere pauschale Abschreibungen auf gefährdete Kredite sieht er derzeit keinen Anlass. Weitere Wertberichtigungen bei einzelnen Krediten etwa im Fall eines zweiten Lockdowns will er jedoch nicht ausschließen.

Im ersten Halbjahr hielt sich die PBB klar in den schwarzen Zahlen - obwohl sie mit 70 Millionen Euro eine stattliche Summe für gefährdete Kredite zurücklegte. Der Vorsteuergewinn sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund drei Viertel auf 31 Millionen Euro zusammen. Unter dem Strich stand gerade noch ein Plus von 23 Millionen Euro - nach 99 Millionen ein Jahr zuvor.

Der Bankchef wagte zwar weiterhin keine konkrete Gewinnprognose für 2020. "Ein Ende der weltwirtschaftlichen Einschränkungen lässt sich nicht prognostizieren." Er rechne jedoch mit einem "soliden" Ergebnis im operativen Geschäft. Dessen Höhe hänge im Wesentlichen davon ab, wie viel Geld die Bank noch für ausfallgefährdete Kredite zur Seite legen müsse.

Mut macht dem Manager das zuletzt wieder gewachsene Neugeschäft, das der Bank auch höhere Margen einbrachte. So stieg die durchschnittliche Bruttoneugeschäftsmarge von 1,7 Prozentpunkten im ersten Quartal auf 1,85 Prozentpunkte im zweiten Jahresviertel. Arndt erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt. Dadurch soll auch das Zinsergebnis in der zweiten Jahreshälfte wieder steigen.

In Sachen Gewinn ist das ursprüngliche Ziel des Vorstands allerdings außer Sichtweite. So hatte Arndt zunächst einen Vorsteuergewinn von 180 bis 200 Millionen Euro angepeilt. Anfang Mai zog er diese Prognose wegen der Corona-Krise zurück. Auch mit Blick auf die Dividende müssen sich die Aktionäre der PBB noch länger gedulden. Die Bank folgt der jüngsten Empfehlung der Europäischen Zentralbank. Das heißt: Noch mindestens bis Januar 2021 gibt es keine Ausschüttungen.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Wer Aktien der PBB schon länger in seinem Depot hat, dürfte damit in den vergangenen Jahren kaum glücklich geworden sein. Am besten wäre es wohl gewesen, die Papiere im Januar 2018 oder im Februar 2020 abzustoßen - bevor die Corona-Krise den Kurs in die Tiefe riss - und die Bank in der Folge aus dem Index der mittelgroßen Werte, dem MDax +0,33% flog. Als SDax-Wert -0,05% konnte sich die PBB-Aktie bisher kaum berappeln.

Dabei hatten die PBB-Aktionäre schon in den Jahren zuvor eine aufregende Berg- und Talfahrt erlebt. Als gesunder Rest der Hypo Real Estate war die Pfandbriefbank Mitte 2015 an die Börse gegangen. Der Platzierungspreis lag mit 10,75 Euro je Aktie damals am unteren Ende der Zielspanne.

Nach einem hoffnungsvollen Börsendebüt ging es erst einmal abwärts. Erst 2017 konnten Anleger nennenswerte Kursgewinne verbuchen, bevor es Anfang 2018 bis auf 15,50 Euro nach oben ging. Doch noch vor Jahresablauf halbierte sich der Kurs nahezu bis auf gut acht Euro - um sich bis Februar 2020 auf 15,74 Euro wieder fast zu verdoppeln.

Im Corona-Crash ging es dann Mitte März auf weniger als fünf Euro nach unten, bis Juni wieder auf über 9 Euro nach oben, und dann wieder um ein Drittel auf noch gut sechs Euro nach unten. Seit dem Jahreswechsel stand zuletzt ein Minus von fast 60 Prozent zu Buche.

Insgesamt wird die PBB an der Börse derzeit mit rund 810 Millionen Euro bewertet. Nach den herben Kursverlusten in diesem Jahr flog das Papier aus dem MDax - und wird seit 22. Juni im SDax gehandelt. Solche Index-Änderungen wirken sich vor allem auf Fonds aus, die Indizes nachbilden. Die Anlagepolitik dieser Fonds kann dann wiederum Einfluss auf die Aktienkurse haben.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Ob sich eine Investition in die PBB lohnt, darin sind sich Analysten alles andere als einig. Von den fünf im dpa-AFX Analyser gelisteten Branchenexperten, die ihre Einschätzung seit April erneuert haben, rät nur einer zum Verkauf der Aktie. Je zwei plädieren für Halten und Kaufen. Im Mittel schreiben sie der Aktie ein Kursziel von knapp acht Euro zu. Doch der Durchschnittswert sagt wenig über die unterschiedlichen Erwartungen aus. Denn drei Analysten haben Kursziele von rund 6 Euro auf dem Zettel, einer tippt auf 10 Euro und einer auf 12 Euro.

Dabei kommt manch durchwachsene Einschätzung in überraschend positiven Worten daher. So habe der erhebliche Einbruch des Vorsteuergewinns im ersten Halbjahr maßgeblich an den Belastungen aus der Corona-Krise gelegen, schrieb Analyst Michael Seufert von der NordLB vergangene Woche. Seine erneuerte "Halten"-Empfehlung begründete damit, dass die Aktie schon jetzt niedrig bewertet sei - und hob sein Kursziel von 5,50 auf 6 Euro an.

Sein Kollege Tobias Lukesch vom Analysehaus Kepler Cheuvreux kommt zu einem ganz anderen Schluss. Auch er sah sich von der jüngsten Zwischenbilanz der PBB bestätigt. Er schrieb von soliden Quartalszahlen, die die Erwartungen getroffen hätten. Die Aktie sieht er daher weiterhin auf dem Weg zu einem Kurs von 12 Euro. Dafür müsste er sich vom jetzigen Niveau aus allerdings nahezu verdoppeln. Doch für starke Kursbewegungen war das PBB-Papier ja schon vor der Corona-Krise bekannt./stw/mne/mis


Quelle: dpa-AFX
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