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Deutsche Post erhöht Porto – Ausmaß wird überschätzt

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Das Briefporto wird in Deutschland teurer. Um 10 Cent erhöht die Deutsche Post -0,14% das Porto für einen Standardbrief. Das Versenden einer Postkarte soll ein Drittel mehr kosten. Die Erhöhung ist umstritten – Experten entlasten jedoch die Deutsche Post.

Stefan Schulz-Hardt verweist auch auf die Vergangenheit der Deutschen Post. "Die Tatsache, dass die Post ein ehemaliger Staatskonzern ist, könnte hier eine wichtige Rolle spielen", sagt der Professor für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an der Universität Göttingen. "Im Verbund mit anderen Preiserhöhungen wie etwa bei der Deutschen Bahn sowie Steuerlasten, die als zu hoch empfunden werden, stellt sich so leicht beim Bürger das Gefühl ein, der Staat schröpfe ihn und ziehe diese Schraube immer weiter an."

Dabei geben die Haushalte in Deutschland gar nicht so viel Geld für das Porto aus - vor allem, weil sie immer weniger Briefe schreiben. Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Post nur noch eine Milliarde Briefe und Postkarten von privaten Absendern zugestellt, zehn Jahre zuvor war es etwa ein Drittel mehr.

Die Ausgaben eines Durchschnittshaushalts für das Porto sind entsprechend gesunken: von monatlich 3,32 Euro im Jahr 2009 auf 2,34 im Jahr 2017, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Zum Vergleich: Für Telekommunikationsdienstleistungen hat der Durchschnittshaushalt den Statistikern zufolge 2017 pro Monat 53,27 Euro ausgegeben, darin sind 18,44 Euro für den Mobilfunk enthalten.

Dass die Verbraucher dennoch sensibel auf Portoerhöhungen reagieren, hat aus Sicht des Wirtschaftspsychologen Schulz-Hardt vor allem zwei Gründe. Bei der Reaktion auf Preiserhöhungen mache es erfahrungsgemäß einen Unterschied, "ob man die Preise direkt wahrnimmt, indem man sie bar oder mit der Karte im Laden bezahlt, oder ob sie mehr oder weniger automatisch und kontinuierlich abgebucht werden". Bei Bar- und Kartenzahlungen, wie etwa beim Briefporto, "ist die Reaktion stärker, weil man direkter mit der Preissteigerung konfrontiert ist".

Außerdem werde "bei kleineren Beträgen stärker auf die relative als auf die absolute Preissteigerung geachtet", betont der Wissenschaftler. Die absoluten Mehrausgaben seien zwar eher gering, "aber prozentual sieht das schon anders aus". Beim Standardbrief bedeutet die Erhöhung um 10 Cent immerhin ein Plus von fast 15 Prozent, bei Postkarten steigt das Porto sogar um ein Drittel. Schon bei der Portoerhöhung von 62 auf 70 Cent im Jahr 2016 hatte die Post kräftig zugelangt. Erstmals seit 2010 sei damit der Briefpreis stärker als der Verbraucherpreisindex gestiegen, stellte die Bundesnetzagentur fest.

Die Bundesnetzagentur wollte der Post ursprünglich nur einen Preiserhöhungsspielraum von 4,8 Prozent zugestehen. Das war der Post zu wenig, das Bundeswirtschaftsministerium ließ die ihm unterstellte Behörde neu rechnen. Heraus kam ein mit 10,6 Prozent mehr als doppelt so großer Rahmen für Erhöhungen, innerhalb dessen die Post die einzelnen Briefarten verteuern kann.

Der frühere Staatsmonopolist wiederum stellt die Erhöhung als angemessen dar, auch weil er als Universaldienstleister zur schnellen Beförderung verpflichtet ist und entsprechend hohe Kosten hat für zahlreiche Briefkästen und viel Personal. Aktuell stellt der Bonner Konzern rund 57 Millionen Briefsendungen am Tag in der Bundesrepublik zu. Das höhere Briefporto soll den Bonnern auch Rückenwind für das Erreichen ihrer Gewinnziele geben.

Die Aktie der Deutschen Post -0,14% zeigt sich dagegen unbeeindruckt von der Portoerhöhung.

Mit Material von dpaAFX erstellt.

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Deutsche Post.

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