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Deutsche Telekom jubelt – aber T-Aktie fällt

| Quelle: finanztreff | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Deutsche Telekom kann vor der angepeilten Milliarden-Übernahme in den USA weiter auf ihr brummendes Geschäft in Nordamerika setzen. Vor allem die US-Mobilfunk-Sparte sorgte erneut für Schwung bei dem DAX-Konzern. Die T-Aktie +0,47% rutschte am Vormittag dennoch ins Minus.

Auch unter dem Strich verdiente die Telekom trotz hoher Kosten für den Personalabbau im zweiten Quartal deutlich mehr als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Donnerstag in Bonn mitteilte. Trotz erneut erhöhter Aussichten bei T-Mobile US -2,49% bleibt das Management um Chef Tim Höttges aber bei seinem Ausblick.

Die Geschäfte liefen vor allem in den USA mit zweistelligen Wachstumsraten rund. T-Mobile-Chef John Legere hatte vor knapp zwei Wochen seine Zahlen bereits vorgelegt. Kurz danach hat das Fusionsvorhaben zwischen T-Mobile US und dem Rivalen Sprint vom US-Justizministerium unter Auflagen endlich die grundsätzliche Erlaubnis bekommen - doch fest in den Händen hält Höttges den Mega-Deal noch nicht. Über ein Dutzend US-Staaten klagen gegen das Vorhaben, weil es angeblich immer noch schädlich für Wettbewerb und Preise ist. Vor einer Lösung will T-Mobile US die Übernahme wegen der rechtlichen Risiken nicht abschließen - und diese könnten sich noch Monate hinziehen. 

Ordentliches Wachstum bei Umsatz und Vorsteuer-Ergebnis

Zusammen mit dem besseren Europa-Geschäft sowie Zukäufen in den Niederlanden und Österreich stand im zweiten Quartal auch dank Hilfe des schwächeren Euro auf Konzernebene ein Umsatzplus von 7,1 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro. Ohne die Zukäufe und Wechselkurse gerechnet hätte das Plus nur 2,9 Prozent betragen. Bei dem um Sondereffekte und die neue Leasing-Bilanzierung bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stand auf dem Papier ein ebenso starkes Wachstum von 7,1 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, die Hälfte des Anstiegs kam aber nicht aus eigener Kraft.

Mit den Werten bei Umsatz und operativem Ergebnis übertraf die Telekom die vom Unternehmen zuvor eingeholten Schätzungen von Analysten leicht. Beim Nettogewinn und dem Barmittel-Zufluss war das aber nicht der Fall. Unter dem Strich wuchs der Gewinn mit 944 Millionen Euro zwar auf fast das Doppelte, weil vor einem Jahr der Vergleich im Rechtsstreit um das Mautsystem Toll Collect mit rund 600 Millionen Euro belastete.

Allerdings fielen diesmal Sonderkosten von 0,4 Milliarden Euro vor allem für den Stellenabbau und für die US-Fusion an. Die hatte bereits im ersten Quartal zu Buche geschlagen, weil Ausgaben für Rechtsanwälte und den komplexen Genehmigungsprozess anfielen. Die Telekom-Aktie lag vorbörslich auf der Handelsplattform Lang & Schwarz nahezu unverändert.

Breitband-Geschäft könnte besser laufen

Im Deutschland-Geschäft und besonders auch im Europa-Segment machte die Telekom weiter Fortschritte. In Deutschland zogen die Umsätze mit Mobilfunk-Dienstleistungen um 2,4 Prozent an. Beim Konkurrenten Telefonica Deutschland war das Plus mit 1,5 Prozent geringer ausgefallen, bei Vodafone sorgte ein Rückgang im Großhandelsgeschäft mit Partnern gar für ein Minus bei der für Marktanteile wichtigen Kennziffer. Das Europa-Geschäft profitiert bei der Telekom weiter von dem ausgeweiteten Angebot von Produktbündeln im Festnetz und Mobilfunk.

Im Breitband-Segment kämpft die Telekom unter anderem gegen den Rivalen Vodafone +3,52%, der kürzlich die Erlaubnis zur Übernahme von Unitymedia erhielt. Telekom-CFO Christian Illek rechnet wegen der IP-Migration im Breitband mit erhöhten Anschlussverlusten. Man werde am Wachstum im Breitband verstärkt arbeiten. 

Das Geschäft der schwächelnden Großkunden-Tochter T-Systems blieb im Wesentlichen stabil. Während der Umsatz leicht zurückging, konnten Auftragseingang und operatives Ergebnis leicht zulegen. Sonderkosten für Personal und Abschreibungen sorgten aber dennoch für Verluste. Die Telekom hatte vor einigen Tagen erst angekündigt, den Bereich weiter umzubauen und das Telekommunikations-Geschäft mit Geschäftskunden und Behörden künftig in die Deutschland-Sparte zu integrieren. T-Systems wird sich dann stärker auf zukunftsträchtigere Bereiche wie den Betrieb von Cloud-Rechenzentren konzentrieren.

Mit Material von dpa-AFX

12-Monats-Chart Deutsche Telekom (in Euro)
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