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DiaMonTech AG: Interview zum Börsengang mit CEO Thorsten Lubinski

| Quelle: Deutsche Börse | Lesedauer etwa 6 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Herr Lubinski, die DiaMonTech AG, ein Medizintechnikunternehmen, geht demnächst an die Börse. Warum ist die Firma für Anleger interessant?

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir den Markt für Blutzuckermessgeräte revolutionieren werden. Unser Schwerpunkt ist aktuell die Entwicklung von Geräten zur nicht-invasiven Blutzuckermessung, also Messen ohne Stechen. Unsere patentierte photothermische Technologie kann verschiedene Biomarker erkennen, wir fokussieren uns mit unseren Produkten derzeit auf die Blutzuckermessung, welche für Diabetiker Bestandteil des täglichen Lebens ist.

 

Blutzuckermessgeräte gibt es ja schon viele. Was ist das Besondere an Ihrer Firma und den Produkten, die Sie anbieten?

 

Um ihren Blutzuckerwert zu erfahren, legen Patienten einfach ihren Finger auf den Sensor unseres Messgeräts. Die Messung dauert nur wenige Sekunden. Fertig. Das ist ein enormer Fortschritt gegenüber den bisher üblichen Messverfahren. Denn bisher müssen sich Patienten mit einer kleinen Nadel in den Finger stechen und Blut abnehmen. Der Blutstropfen sammelt sich dann auf einem Teststreifen, der chemisch reagiert. Das jeweilige Messgerät kann anhand dieser Reaktion die Höhe des Blutzuckers bestimmen. Danach wird der Teststreifen weggeschmissen. Dieses Verfahren hat zwei große Nachteile: Erstens müssen sich Diabetiker mehrmals am Tag mit einer kleinen Nadel selbst verletzen. Das ist für die Betroffenen nicht nur unangenehm, sondern birgt auch das Risiko von Infektionen. Zweitens ist das Verfahren teuer. Die Kosten für Nadeln, Teststreifen und Hygienetücher betragen je nach Anbieter durchschnittlich 70 bis 100 Cent pro Blutuntersuchung. Wenn man bedenkt, dass Diabetiker zwischen drei und achtmal am Tag ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren, kann man ermessen, welche Kosten sich dahinter verbergen. Auch die Krankenkassen haben also Interesse an günstigeren Alternativen. Wir bieten die Lösung.

 

Wie kommt es, dass ein so junges und kleines Unternehmen wie Ihres eine Lösung entwickelt hat, die große Konzerne wie Eli Lilly oder Novo Nordisk noch nicht gefunden haben?

 

Das hat wohl mehrere Gründe. Zum einen ist es gar nicht so unüblich, dass große Pharma-Unternehmen die Entwicklung von neuen Medikamenten und Diagnostik-Verfahren auslagern. Zum anderen ist der Vertrieb von Teststreifen für Diagnostik-Geräte ein sicheres Geschäft und darüber hinaus sehr lukrativ. Warum sollten die etablierten Player also Alternativen entwickeln? Mit unseren Geräten kommt auf jeden Fall Bewegung in diesen Markt. Wir werden spürbare Marktanteile erobern. Davon sind wir überzeugt.

 

Von welchen Dimensionen reden wir hier?

 

Traurig, aber wahr: Es ist ein riesiger Wachstumsmarkt. Laut Zahlen der International Diabetes Federation (IDF) gab es im Jahr 2017 rund 425 Millionen Diabetiker. Die Schätzungen für 2040 gehen von einem Anstieg auf 642 Millionen Menschen mit Diabetes aus. Wer die Krankheit in den Griff bekommen und Spätfolgen verhindern will, muss regelmäßig seinen Blutzucker messen. Wir gehen aktuell von einem globalen Marktvolumen für Blutzuckermessgeräte von über 10 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2019 aus. Unsere Produkte sind in diesem Markt technologisch führend und bestens platziert.

 

Die Produkte, die das Unternehmen entwickelt, kann man noch gar nicht kaufen. Sie gehen davon aus, dass Sie Ende kommenden Jahres in den Handel gehen. Warum sollten Anleger schon jetzt in Ihr Unternehmen investieren? Kommt der Börsengang nicht zu früh?

 

Wir haben ein voll entwickeltes Produkt, in dem rund 20 Jahre an Entwicklungsarbeit stecken. Und in diesen 20 Jahren hat sich viel getan. Als unser Mitgründer und Anteilseigner Prof. Dr. Werner Mäntele, Biophysiker an der Universität Frankfurt, mir vor ein paar Jahren das erste Mal das von ihm entwickelte Verfahren erfolgreich vorgestellt hat, hatte das Gerät, mit dem er die Messung vornahm, die Größe eines Kühlschranks. Unser aktuelles Vorführgerät „D-Base“ passt in einen Schuhkarton, und das Produkt „D-Pocket“, mit dem wir Ende kommenden Jahres in den Markt gehen wollen, wird in etwa so groß sein wie ein Smartphone. Das ist die technische Seite. Jetzt geht es um Marktwachstum. Wir sind zwar schuldenfrei und durch unsere Private Equity-Partner finanziell gut aufgestellt. Um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen, benötigen wir aber zusätzliches Kapital für die Produktion und den Vertrieb. Geplant ist die Fertigung von mindestens 100.000 Stück pro Jahr. Die Vorabbestellungen gehen bereits über dieses Volumen hinaus. Für Anleger ist das die Chance, in einem sehr frühen Stadium an einer aussichtsreichen Erfolgsstory zu partizipieren.

 

Wie sehen denn Ihre Pläne für den Vertrieb aus?

Wir haben mehr als 120.000 mit Absichtserklärungen unterlegte Vorab-Bestellungen pro Jahr für unsere „D-Pocket“-Geräte. Unsere Vertriebspartner in China wollen mehr 100.000 Geräte pro Jahr vertreiben – was bei etwa 110 Millionen Chinesen mit Diabetes kein utopisches Absatzziel ist. In Japan haben wir Zusagen für mehr als 10.000 Geräte pro Jahr. Unser Partner in Südamerika plant zunächst mindestens 40.000 „D-Pockets“ über einen Zeitraum von drei Jahren zu vertreiben. Das potenzielle Umsatzvolumen allein dieser Vertriebsvereinbarung beträgt über 100 Millionen Euro. In Europa planen wir den Eigenvertrieb via E-Commerce sowie eine Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern, Apotheken und Krankenkassen.

Welche weiteren Perspektiven sehen Sie für Ihr Unternehmen?

 

Das nächste Produkt ist bereits in der Pipeline: das „D-Band“ ist ein Armband, das jederzeit den aktuellen Blutzuckerspiegel zeigen kann. Wir planen, mit dem Modell in etwa drei Jahren an den Markt zu gehen. Das wird unserem Geschäft einen weiteren Schub geben. Zudem werden wir den Bereich Überwachung von Biomarkern erweitern. Denn der Einsatz der photothermischen Detektionstechnologie lässt sich auf andere Anwendungen ausdehnen. Neben der Glukosemessung kann unsere Detektionstechnologieplattform auch für die Ermittlung und quantitative Analyse von Molekülen in Flüssigkeiten und Weichstoffen eingesetzt werden. Unsere Produktpipeline umfasst Geräte zur Echtzeitanalyse von Blut oder Urin oder zum therapeutischen Echtzeit-Monitoring von Medikamenten sowie Geräte zur Blutanalyse zu Hause oder zur ständigen Überwachung anderer Biomarker wie Laktat. Zudem eignet sich die Technologie auch für die Messung von Komponenten in Prozessflüssigkeiten, die in der industriellen Produktion eingesetzt werden. Nicht-invasive Blutzuckermessgeräte sind also nur der Anfang.

 

Wie sieht die Kapitalstruktur aus? Geben die Gesellschafter Anteile ab?

Nein, die Gesellschafter wollen nicht Kasse machen, sondern die Wachstumsstory unseres Unternehmens aktiv begleiten. Das Angebot an der Frankfurter Wertpapierbörse (Prime Standard) besteht deshalb aus neu ausgegebenen, auf den Inhaber lautenden Stammaktien ohne Nennbetrag aus einer Kapitalerhöhung gegen Bareinlage. Die Kapitalerhöhung wird voraussichtlich rund 50 Millionen Euro betragen. Darüber hinaus stellen wir eine Mehrzuteilungsoption von 15 Prozent zur Verfügung, die ebenfalls mit jungen Aktien bedient werden soll. Der Erlös aus dem Börsengang soll komplett in das geplante Wachstum investiert und insbesondere für die weitere Entwicklung des „D-Pocket“, den Start der Serienproduktion sowie für das Marketing und den Vertrieb verwendet werden.

Können Sie mehr Details zum Börsengang nennen?

 

Die neuen Aktien werden im Rahmen eines öffentlichen Angebots unter Einbindung der Zeichnungsfunktionalität „Direct Place“ der Frankfurter Wertpapierbörse offeriert. Die Zeichnungsfrist läuft vom 14. November 2019 bis zum 26. November 2019 um 12 Uhr für Privatanleger. Die neuen Aktien werden voraussichtlich ab dem 29. November 2019 in den börsentäglichen Handel unter der ISIN DE000A255G44 und Wertpapierkennnummer A255G4 bezogen werden können.

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