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Die Alten müssen weg!

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Jede Zeit hat ihre Vertreter in Politik und Wirtschaft. Wenn sie ausgedient haben, müssen sie weg. Die gegenwärtige Lage in der Autoindustrie ist dafür exemplarisch.

 

Continental lieferte in dieser Woche ein weiteres Beispiel. Die Hannoveraner schreiben 2,5 Mrd. € auf nicht mehr benötigte Anlagen ab. Die Motorentechnik unter dem Sachbegriff Powertrain sollte einst an die Börse zu einem geschätzten Preis von 6 Mrd. € und wird jetzt unter neuem Namen an die Aktionäre verschenkt. Eine andere Idee gibt es nicht. Noch vor zwei Jahren war man in Hannover der Meinung, dass die E-Mobility deutlich bescheidener angegangen werden sollte. Die Überlegungen zu einer Batteriefabrik gerieten zu einer Minilösung, gemeinsam mit Bosch, worüber im Moment nichts mehr zu hören ist. Die Führungsgeneration hat das Ganze schlicht verschlafen.

 

BMW in München ging es ebenso. Der noch relativ junge Ex-Chef glaubte ebenfalls vor zwei Jahren noch nicht daran, welche Bedeutung die E-Mobility erlangen würde. So wurde zwar technologisch einiges entwickelt, aber man traute sich nicht, dem Markt eine klare Botschaft und allen BMW-Kunden eine Richtlinie dafür zu geben, wie sie sich in welcher Zeit auf die neuen BMW-Modelle einstellen sollen. Der neue Chef formulierte vor wenigen Tagen, was man möchte, was man durchsetzen will und wie man es will und dies sogar mit einer Dame als Strategiechefin. Vielleicht hat er auch bei SAP abgeguckt, wie man es dort macht.

 

Der Chef von Daimler in Stuttgart machte das Ganze etwas geschickter, fuhr doppeldeutig, aber am Ende ebenfalls ohne erkennbares Signal an seine Kunden. Er ist inzwischen ebenfalls ersetzt.

 

SAP überraschte alle mit der Botschaft einer Doppelspitze nebst einer Dame als wichtigste Co-Chefin für den Sektor Marketing und Strategie. In den Zeitungen war alles darüber zu lesen. Der Chef, der sich verabschiedet, sagte es richtig: „14 Jahre sind genug. Dann ist man ausgelaugt.“ Nike macht das soeben in gleicher Weise. 13 Jahre für den Chef reichen aus, um die Spitze  zu wechseln. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

 

Die deutsche Autoindustrie hat die Botschaft, die vor über drei Jahren aus China kam, schlicht nicht ernst genommen und hat das getan, was man immer tat: Weiter so!

 

Was heißt Generationswechsel? Die neue Technikwelt ist digitalisiert. Und zwar von A bis Z in allen Varianten und das gilt auch für die Manager, die in diesen Kategorien denken müssen, um weiter zu kommen. Mit theoretischen Begründungen lässt sich das nicht nachvollziehen. Sondern nur mit praktischer Erkenntnis und den Anwendungsmöglichkeiten, die rund um diesen globalen Begriff dringend nötig sind. Es ist keine Beleidigung, wenn man Damen und Herren oberhalb von 55 Jahren dies nur noch eingeschränkt zugestehen mag. Die Entwicklung in den letzten 10 Jahren war so rasant, dass jeder Manager in Atemnot geriet, wenn er in diesem Rennen mithalten wollte. Je früher man also die Spitzen der jeweiligen Konzerne und Unternehmen auswechselt, umso besser. Denn was braucht ein Markt?

 

Erwartungen und Ziele. Die Reaktionen auf den Conti-Schritt führten im ersten Moment sogar zu + 4,1 % Kursgewinn. Das sagt nicht viel und vielleicht war es auch nur eine Reaktion auf die angekündigte Aktienzuteilung, aber so funktioniert nun mal die Börse: Sie will Ziele, Pläne, an denen sie sich ideelich aufhängen kann, um die Zukunft einzupreisen. Auch dies gehört nicht zu den starken Seiten der älteren Generation, die – wie erwähnt – schon nach 10 oder 15 Jahren am Ende ihres Lateins ist.

 

Die Deutschen sind nie die Schnellsten gewesen, dafür die Gründlichsten. Je schneller sie also die Konsequenzen ziehen, desto klarer ist die Erwartung im Markt. Das lässt sich auf die Politik unschwer übertragen. Das System Merkel ist bereits 15 Jahre alt. Die gleichen Gesichter, die gleichen Figuren, sind die gleichen Ideen. Neues ist weitgehend unbekannt. Täglich zu verfolgen in den Medien. Es hat nichts mit der Qualität der Personen zu tun, sondern mit dem gleichen Sachverhalt wie für die Manager. Deutschland befindet sich in dieser Hinsicht weder in einem großen Abschwung noch in einer Krise, aber auf einer schiefen Ebene. Diese hat die Eigenart, dass man so gut wie nie von unten nach oben weiterkommt. Und wenn, dann nur mit sehr großem Kraftaufwand und mithin ohne Illusion. Auch hier gilt: Die Alten müssen weg.

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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