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Die Aufholjagd (II)

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 4 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Die Aufholjagd hat begonnen. Vor 6 Wochen galt dies als völlig unmöglich. Vor 4 Wochen dachten die ersten Politiker und Ökonomen darüber nach, in welcher Form die Aufholjagd beginnen kann und worin die Ursache läge. Vor 8 Tagen begannen die ersten Ökonomen darüber zu rätseln, wie das Tief vom April und Mai in Produktion und allgemeiner Wirtschaft enden wird, wenn die Quarantäne schrittweise aufgelöst wird, und seit 3 Tagen liegen die ersten Belege vor. Man muss sich die Kette dieser Termine sorgfältig anschauen.

 

Der ZEW-Indikator war der erste, der diese Wende deutlich markierte. Darin stecken die Meinungen von Finanzanalysten und Börsianern. Vor zwei Tagen kamen die Einkaufsmanager zum gleichen Urteil und am Mittwoch waren die Unternehmer dran, immerhin 9.000 befragte Firmenchefs mit einem hohen Grad an Glaubwürdigkeit. Sie stehen für das tatsächliche Denken und Handeln in den Firmen.

 

Alle fragen sich: Hat die Börse mit rd. 40 bis 45 % Gewinn in den jeweiligen Indizes, teilweise sogar 50 %, überzogen, liegt sie richtig oder muss sie mit einer gravierenden Korrektur rechnen?

 

Jeder massiven und schnellen Erholung folgt stets eine ebenso gravierende Konsolidierung. In ihr liegt die Überprüfung aller bisherigen Kursgewinne in Relation zu den Fakten. Das steht in der beginnenden Berichtssaison bevor. Die weitere Einmaligkeit liegt darin:

 

Eine plötzlich abgeschaltete Wirtschaft führte zu Ergebnissen, die statistisch ohne Wert sind. Umsätze und Gewinne fielen im kaum vorstellbaren Umfang, teilweise um 90 % und mehr. Die Aufholjagd aus einer solchen Konstellation ist eine historische Einmaligkeit. Damit wird es schwierig:

 

Alle Finanzanalysten und Ökonomen kennen Wirtschaftskrisen, die aus Finanzkrisen entstanden sind. Die einzige, nicht in diesem Rahmen stehende Vergleichsmöglichkeit, wäre die Ölkrise ab 1973/74. Eine Gesundheitskrise gab es jedoch noch nie. Die zentrale Frage lautet dann: Wie verhalten sich Menschen als Verbraucher auf der einen Seite und Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf der Wirtschaftsebene (Industrie wie Dienstleistung) nach einem solchen Stillstand, einer nervenaufreibenden Quarantäne, wenn die Freiheit schrittweise wiedergegeben wird? Das wird die spannendste Wette für alle Ökonomen der nächsten 2 – 4 Jahre. Denn keiner hat es erlebt, keiner verfügt über eine Theorie darüber und jede Prognose muss deshalb auf neuen Grundlagen aufgebaut werden. Das wichtigste Wort dafür ist die Erwartung.

 

Die Coronakrise betrifft so gut wie alle Menschen auf der Welt. Kein Land wird davon verschont, wenn auch unterschiedlich betroffen. Aber sie geht jeden Menschen an, verbunden mit Angst bis zur Todesangst. Das Verhalten in einem befreiten Umfeld, wenigstens zeitweise oder auch mit Einschränkungen, bestimmt sodann die Dynamik der Aufholjagd.

 

Waren also die genannten 40 – 45 % Indexgewinn richtig, zu viel und was folgt?

 

In der skizzierten Konsolidierung im Zuge der nächsten 4 – 6 Wochen wird sich dies sehr gut belegen lassen. Technische Reaktionen gehören dazu, doch der Trend ist unverkennbar. Die Leitlinie heißt also: Wer investiert hat, bleibt es. Wer nicht investiert hat, wartet ab, wo sich technische Möglichkeiten bieten. Mit einer bemerkenswerten Erfahrung in New York, worüber sich die Experten zurzeit noch immer die Augen reiben: Nur die sog. Dummies, also die Kleinanleger, waren mit ihren Engagements die größten Gewinner seit dem Börsenstart am 23.03. Sie prägten das Bild des Marktes. Und wer waren die größten Verlierer? Die Manager der größten Fonds der Welt, die regelmäßig von der Bank of America befragt werden. Als die Kurse stiegen, verkauften sie und rechneten mit einer Baisse. Als die Kurse Anfang Mai auf hohem Niveau stagnierten, räumten sie ihre Liquidität und investierten mindestens für die Dauer der Konsolidierung. Auf jeden Fall zu spät. Das ist Börse!

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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