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Die Autozulieferer in Bedrängnis?

| Quelle: Hans A. Berneck... | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Eine große deutsche Branche gerät in Bedrängnis: Die Auto-Zulieferer. Die in den letzten 2 Wochen vorgelegten Ergebnisse, in dieser Woche Schaeffler, zuvor ElringKlinger oder Leoni, offenbaren eine Strukturkrise, die nicht leicht zu lösen ist. Sie erinnert an eine ähnliche Schieflage vor vielen Jahren im deutschen Werkzeugmaschinenbau.

Schaeffler ist ein typisches Beispiel dafür. Groß geworden als Zulieferer für Maschinen- und Auto-Bau, seit einigen Jahren an der Börse, lässt sich der Erfolg am Kursverlauf gut ablesen. Der größte Auto-Zulieferer, Continental, zeigt ein ähnliches Bild, ebenso die kleineren wie Leoni und ElringKlinger. Natürlich fragt jeder:

Wer ist schuld? Im Sommer 2016 kursierte erstmals in Europa eine Grafik über die Pläne der Chinesen in Sachen E-Mobilität, wir hatten sie abgebildet. Seitdem klingeln die Glocken. Aber es hat bis heute gedauert, bis sich im deutschen Auto-Bau wirklich etwas bewegte. Wer ist betroffen?

Als erste rd. 200.000 Arbeitnehmer quer durch alle Sektoren. Nicht aus Kapazitätsgründen, sondern weil sie technisch überflüssig werden. Kurz gefasst: In jedem E-Auto stecken ca. 15 bis 20 % weniger Teile als in Modellen mit Verbrennungsmotor. Da der Auto-Bau sehr breit gegliedert ist und die Fertigungstiefe nur noch 30 % und weniger beträgt, ist der Job-Abbau zwingend. Selbst ein schnelles Umsteigen von Verbrennung auf E-Technik kann dies nicht kompensieren.

Bis die Auto-Bauer indes technisch die Vorgaben liefern, braucht es noch Zeit. Denn: Sie haben mindestens ein Jahr verschlafen. Das gilt in der Branche als sichere Erkenntnis. Die Politik kann daran nichts ändern: Es geht um technische Innovationen. Dass die Deutschen es können, wird nicht bezweifelt. Doch erst mit Zeitverzögerung, anschließend aber mit überzeugenden Resultaten.

Gute Kenner der Branche sagen uns voraus: Diese typisch deutsche Auto-Krise lässt sich erst ab 2021 nachhaltig reparieren. Laufzeit dafür also 18 Monate oder etwas mehr. Bis dahin gibt es jedoch noch einige Hiobsbotschaften zu verdauen.
Der zitierte Maschinenbau erlaubt einen weiteren Vergleich. Weil keiner mit dem anderen sprechen wollte, um Kooperationen oder Fusionen anzugehen, ging es am Ende nur um die Vermeidung von Insolvenzen. So entstand  DMG Mori, wo nur noch die Anfangsbuchstaben übrig geblieben sind, nämlich Deckel, Maho und Gildemeister, als zurzeit noch Nr. eins im internationalen Werkzeugmaschinengeschäft (Drehbänke, Fräsen). Steht dies demnächst auch für die Zulieferer bevor? Angesichts des reduzierten Gesamtbedarfes an alter Technik wird sich diese Frage sehr wahrscheinlich und frühzeitig stellen. Denn ganze Produktfelder fallen aus, mithin Kapazitäten, aber ein hervorragender Facharbeiterstamm steht zur Verfügung, sich für die neue Mischung aus Verbrennung und E-Mobility neu aufzustellen. Hoffentlich frühzeitig, bevor der eine oder andere wirklich in die Knie geht. Im zitierten damaligen Fall mussten fast 100 Spezialisten in Deutschland, Schwerpunkt Baden-Württemberg, die Segel streichen.

 

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Hans A. Bernecker

Hans A. Bernecker Hans A. Bernecker ist das Urgestein der dt. Börse. Seit grob sechs Jahrzehnten bietet der Nationalökonom Orientierung bei der Markteinschätzung und der Ableitung von Investmentchancen. Neben seinem Informationsdienst "Die Actien-Börse" stehen diverse Börsenbriefe aus seinem Redaktionsteam. Charakteristisch ist sein Mut, bei Bedarf gegen den Meinungsstrom zu schwimmen. Dabei kommt ihm nicht nur sein langjähriger Erfahrungsschatz zugute, sondern auch unzählige persönliche Kontakte, die ihm besonders intime Einblicke ermöglichen.

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