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Die „Mehrere hundert Prozent“-Strategie: 350 Prozent Plus versus 100 Prozent Verlust

| Quelle: INV | Lesedauer etwa 3 min. | Text vorlesen Stop Pause Fortsetzen

Bei unserer Mitte März hier in der Investmentecke gestarteten „Mehrere hundert Prozent“-Strategie ist es zum ersten Fehltrade gekommen. Wir hatten bei dem Dax-Neuling Covestro darauf spekuliert, dass es in der Nähe des vor gut einem Jahr markierten Zwischenhochs bei 76,46 Euro zu einer stärkeren Gegenbewegung kommt. Ein Szenario, das auch immer noch im Bereich des Möglichen liegt. Im Zuge der Veröffentlichung der Quartalszahlen fiel der Kurs am vergangenen Donnerstag im Tief jedoch zunächst einmal bis auf 73,50 Euro, wodurch die hier als mögliche Spekulations-Vehikel vorgestellten Stay-High-Scheine mit Barrieren zwischen 74 und 76 Euro leider alle ausgeknockt wurden. Von dem anschließenden Anstieg (am Montag notierte Covestro im Hoch schon wieder bei 76,32 Euro) konnte daher niemand mehr profitieren.

Dass die Gefahr von Totalverlust-Trades bei dieser hochriskanten Strategie extrem hoch ist und die Trefferquote deshalb wahrscheinlich eher gering ausfallen dürfte, hatten wir von Anfang an betont. Von daher ist dieser Fehltrade kein Beinbruch und es wird garantiert nicht der Einzige bleiben. Über einen längeren Zeitraum sollten die Pluszeichen bei den Gewinner-Trades aber so hoch ausfallen, dass die Strategie trotzdem sehr lukrativ ist. Was im Erfolgsfall möglich ist, zeigt unser erster, Mitte März vorgestellter Trade auf den spanischen Leitzindex IBEX 35. Dort hatten wir auf eine Umkehr im Bereich der Unterstützung bei rund 9400 Punkten spekuliert und deshalb einen bis Mitte Juni laufenden Stay-High-Optionsschein der Société Générale mit einer Barriere bei 9200 Punkten empfohlen. Tatsächlich drehte der Index kurze Zeit später bei rund 9330 Punkten nach oben und notiert aktuell schon bei fast 10000 Punkten. Der Schein, bei dem ein Einstieg zu 2 Euro möglich gewesen wäre, ist dadurch auf aktuell rund 9 Euro gestiegen. Ein Plus von über 350 Prozent (WKN: SC91WR).

Um in einem so kurzen Zeitraum eine solche Performance erzielen zu können, muss mit entsprechend hohen Hebeln gearbeitet werden. Ob man dabei mit exotischen Optionsscheinen (Stay-High, Inliner) arbeitet oder auf klassische Knock-out-Produkte setzt, spielt nur eine untergeordnete Rolle, wie wir hier zuletzt herausgearbeitet hatten (Investmentecken vom 17. April und 18. April). Das größte Problem ist bei solchen Strategien immer die Auswahl des passenden Knock-out-Levels sowie des Einstiegslimits. Hätten wir bei Covestro zum Beispiel mit einer Barriere bei 73 Euro gearbeitet, wäre der Knock-out ausgeblieben und wahrscheinlich sogar schon eine Teilgewinnmitnahme mit 100 Prozent Gewinn möglich gewesen. Auf der anderen Seite hätte beim IBEX 35 eine tiefer liegende Barriere dazu geführt, dass wir mit unseren Limiten nie zum Zuge gekommen wären.

Ein einfaches Patentrezept gibt es hier nicht. Was wir allerdings überdenken werden, ist die bislang empfohlene Platzierung von Staffel-Limits. Das hat zwar den großen Vorteil, dass öfter der Einstieg in solche Trades gelingt. Oft wird das gerade bei erfolgreichen Trades aber nur mit einem Teil des angedachten Kapitals gelingen, während bei Fehltrades immer das gesamte Kapital investiert (und verloren) wird. Dadurch verschlechtert sich das Chance/Risiko-Profil dieser Strategie entsprechend. Wahrscheinlich macht es mehr Sinn, immer nur mit einem Limit zu arbeiten, auch wenn dann der eine oder andere erfolgreiche Trade verpasst wird. Alternativ müsste man die Kursbewegungen des Basiswertes rund um die markanten Unterstützungen wirklich intensiv verfolgen und die Einstiegslogik so verfeinern, dass man intraday bei einem bestimmten Kursverhalten aktiv (also nicht vorab per Abstauber-Limit) einsteigt. Das lässt sich so aber natürlich nicht von jedem Anleger umsetzen.

Thomas Koch

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Investmentecke Ralf Andreß gehört zu den erfahrensten Zertifikate-journalisten Deutschlands. Als freier Autor berichtet er seit mehr als 20 Jahren über strukturierte Produkte und initiierte bereits 1999 die mehrmals jährlich in "Die Welt" und "Welt am Sonntag" erscheinenden Fachreports zu Derivaten und Zertifikaten. Seit 2004 schreibt er auf Finanztreff.de für die tägliche Börsenkolumne "Investmentecke". Zudem ist er seit 2006 Chefredakteur des von ihm mit ins Leben gerufenen Fachmagazins "Der Zertifikateberater". 2008 wurde er beim erstmals vergebenen Journalistenpreis für die Berichterstattung über Zertifikate vom DDV zum "Journalist des Jahres" gekürt und wurde seither insgesamt vier Mal geehrt. Zuletzt im Jahr 2017 in dem er gemeinsam mit Daniela Helemann den Hauptpreis als „Journalist des Jahres“ erhielt.

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